Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Mai 2018

Lohnniveau hält nicht Schritt

30. April/1. Mai: Senat will güns­tige Woh­nun­gen – fallen Aufzüge und Gäste-WC weg?

Unter der Regierung Kohl und Schröder wurde seinerzeit der überwiegende Teil unserer kommunalen und bundeseigenen Immobiliengesellschaften privatisiert, vorwiegend um Schulden abzubauen. Allein zwischen 1987 bis 2001 sank so die Zahl der einst 3,9 Millionen Sozialwohnungen auf 1,8 Millionen und ist weiter rückläufig. Bedauerlicherweise lernt die Politik nicht aus Fehlern, sonst hätte auch der SPD-Senat beispielsweise das Gebiet „Altona Mitte“ wie auch das „Holsten Areal“ nicht an private Spekulanten verkauft, sondern selbst bewirtschaftet. Dass sich viele Bürger, insbesondere mit großen Familien, keinen bezahlbaren Wohnraum innerhalb der Stadt mehr leisten können, ist auch darauf zurückzuführen, dass das Lohnniveau in den letzten Jahrzehnten nicht Schritt gehalten hat. Während meiner Kindheit in den 60er-Jahren reichte noch das Einkommen eines Elternteils aus, um die Miete zu erwirtschaften und eine Familie zu ernähren.

Stefan Bick, per E-Mail

Verschwendeter Baugrund

30. April/1. Mai: Ein Projekt, keine Lösung. Günstiger bauen ist ein Element in Gesamtstrategie für bezahlbaren Wohnraum

Das ist meiner Meinung nach nicht zu Ende gedacht. Erstens ist das Bauen von nur dreigeschossigen Wohnblocks reine Platzverschwendung. Bei sechsgeschossiger Bauweise wird nicht so viel wertvoller Baugrund verschwendet und der damit geringere Grundstücksanteil pro Wohneinheit halbiert sich. Damit sollte auch der Einbau von Fahrstühlen möglich sein.

Uwe Klünder, per E-Mail

Dem Flugverkehr Einhalt gebieten

30. April/1. Mai: Flughäfen erwarten Pas­sa­gier­re­kord. Deutschlandweit rechnet der Airport-Verband mit einem Plus von 4,2 Prozent. Hamburg dürfte nicht mithalten

Um die laut der Prognose gestiegene Nachfrage zu sichern, sollen auf Wunsch des Flughafenverbandes die Kapazitäten der Flughäfen angepasst werden. Ist es da nicht einmal höchste Zeit, dem immer währenden Wachstum des Flugverkehrs aus Klimaschutzgründen und auch der Erhaltung der Gesundheit der Flughafenanwohner und eigentlich auch aller Menschen Einhalt zu gebieten. Das mag der Luftfahrtindustrie und der Tourismusbranche nicht schmecken, aber wenn die Politik diesen beiden Wirtschaftszweigen keine entsprechenden einschränkende Regelungen entgegensetzt, ist es mit einem „Weiter so“ für die Zukunft doch völlig egal, ob Herr Trump beim Klimaschutz à la Paris noch mitmacht – oder nicht! Und man sollte nicht vergessen, dass die Flugzeuge ihre Abgase wie fliegende Spraydosen am wirksamsten in der ganzen Weltatmosphäre vernebeln. Dass es auch anders geht, zeigen bei der Automobilbranche Dieselprogramme und Abgasvorschriften und bei der Nahrungsmittelerzeugung die einengenden Vorschriften für den Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln.

Helmut von Binzer, Hamburg

Flugfeld inmitten von Wiesen

27. April: Gefährliche Flugzeuge

Als mein Vater 1944 Fuhlsbüttel anfliegen musste, befanden sich lediglich landwirtschaftliche Nutzflächen rund um das Flugfeld. Die Stadtbebauung war weit entfernt. Wenn sich nun immer mehr Menschen für ein Eigenheim in der

Nachkriegszeit in Flugplatznähe entschieden haben, ist es für mich schwer nachvollziehbar, wenn man sich dann im Nachhinein über Fluglärm beschwert, zumal eine Zunahme des Flugverkehrs zu erwarten war. Ziehe ich in die Nachbarschaft einer Fischfabrik, kann ich mich nicht über Geruchsbelästigung beschweren. Den Flughafen nach Parchim zu verlegen, würde schätzungsweise 9000 Arbeitsplätze von Hamburg abziehen und das Besiedlungsspiel um den Airport Parchim würde sich wiederholen. Die zusätzliche Umweltbelastung durch den Zubringer- und Pendelverkehr noch nicht eingerechnet.

Udo Schmidt, Hamburg

Kruzifix kommt nicht durch

26. April: Hef­tige-Kri­tik an Söders Kruzifix-Of­fen­sive

Es ist schon jetzt davon auszugehen, dass das Bundesverfassungsgericht diese Behörden-Anweisung zur „Bekreuzigung“ in bayerischen Behörden kassieren wird. Söders Behauptung, das Kreuz sei kein „theologisches Symbol“, sondern nur ein „kulturgeschichtliches Requisit“, bewirkt, dass das Kreuz „säkularisiert“ wird. Als Konfessionsfreier freut mich zwar jede Säkularisierung. Wenn aber christliche Symbole als weltliche und säkulare Symbole von einer Regierungspartei nur umetikettiert werden, wird damit versucht, die religiöse Neutralitätspflicht des Staates zu konterkarieren.

Wolf-E. Merk, Hamburg

Umweltpolizei im Stadtpark

26. April: Essen, trinken, fallen lassen. Warum vermüllen Menschen Parks?

Geplante Gebührenerhöhungen sowie zusätzliches Personal bei der Stadtreinigung würde die Haltung bestimmter Menschen „Sollen doch andere für mich aufräumen, ich bezahle ja schließlich dafür“, nur noch bestärken. Um das Müllproblem in den Griff zu kriegen, helfen meines Erachtens nur rigorose Bußgeldregelungen und -gesetze die mit aller Härte und Konsequenz durch eine Art „Umweltpolizei“ durchgeführt werden müssten. Knallharte Gesetze à la Singapur müssen ja nicht unbedingt gleich sein, aber am Beispiel Kanada könnte man sich orientieren und im Nu wäre unsere schöne Stadt sauberer und nicht mehr so vermüllt. Welcher Politiker hat endlich mal den Mut, so etwas durchzusetzen? Beim Abkassieren der Autofahrer, selbst bei geringen Vergehen, ist man auch nicht gerade zimperlich und Geld für immer mehr teure Blitzanlagen ist auch vorhanden. Hoffen wir mal auf Besserung.

Fred von Lehe, Hamburg

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