Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. März 2018

Polizei entlasten

22. März: Per­so­nal­not: Polizei kann Hunderte Strei­fen­wa­gen nicht besetzen. An allen 24 Wachen in Hamburg fehlen Beamte

Vielleicht sollte man die Polizei von einigen unnötigen Aufgaben entlasten, wie zum Beispiel dem Schutz von sinnentleerten Demos wie „Merkel muss weg“ (sie ist schließlich demokratisch gewählt) oder dem Einsatz bei Fußballspielen millionenschwerer Vereinen, die durchaus auch private Dienste einsetzen könnten, gegebenenfalls zu Lasten ihrer überbezahlten Profis und Manager.

Klaus Koch, Hamburg

Lärm in Schleswig-Holstein

21. März: Hamburgs lauter Himmel. Immer mehr Fluglärm. 2017 waren die Be­las­tun­gen so hoch wie seit 15 Jahren nicht

Ich kann kein rechtes Verständnis für die um den Flughafen herum lebenden Menschen aufbringen. Denn keiner hat sie jemals gezwungen, dort eine Wohnung zu mieten, geschweige denn ein Haus zu kaufen. Hat man diesen Fehler begangen, muss man doch selbst ganz alleine die Konsequenzen für diese Fehlentscheidung tragen und kann nicht einfach ein paar Jahre später die Allgemeinheit dafür zur Kasse bitten. Interessant wäre auch zu wissen, wie viele dieser Anwohner selbst dazu beitragen, in Hamburg und anderen Städten den Fluglärm weiter zu erhöhen, indem sie mal eben „just for fun“ hierhin und dorthin fliegen müssen. Ganz zu schweigen von der Dreistigkeit der Flughafenverwaltung, in einer Nacht- und Nebelaktion die Einflugschneisen so zu verlegen, dass die Hamburger ihre Ruhe bekommen und dafür Einwohner in Schleswig-Holstein mit dem Fluglärm und dem Dreck belastet werden.

Ursula Wenzel, Elmenhorst

Alle Landebahnen nutzen

Es wäre sicherlich für alle betroffenen Anwohner in den Einflugschneisen von Vorteil, wenn alle Lande- und Startbahnen gleichmäßig frequentiert werden. Dazu zählt auch die Landebahn Eilbektal/Alsterdorf. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, dass diese Bahn seit Jahren kaum genutzt wird. Oder sind die Menschen im Eilbektal/Alsterdorf schützenswerter als die im Alstertal? Zudem wird immer wieder argumentiert, dass die Flugbewegungen sich nach den Wind- und Wetterverhältnissen richten müssen. Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar. Während der jährlichen, mehrwöchigen Sanierungsarbeiten an den Landebahnen im Frühjahr und Spätsommer können plötzlich die noch freibleibenden Landebahnen benutzt werden, wind- und wetterunabhängig. Warum kann man das nicht das ganze Jahr über?

Rainhard Karabiner, per E-Mail

Lärm von zwei Seiten

Was bei der Fluglärm-Debatte fast nie thematisiert wird: Hamburg hat neben Fuhlsbüttel einen weiteren Flugplatz, und zwar auf Finkenwerder. Die Bewohner von Bahrenfeld, Groß Flottbek, Othmarschen etc. werden also von zwei Seiten durch das Getöse startender und landender Flugzeuge genervt. Beim Airbus-Werkflugplatz gibt es zwar keine Nachtflüge, dafür wird er aber u.a. von den größten und lautesten Flugzeugen, die es derzeit gibt, genutzt: Dem Beluga-Transporter und dem Airbus A 380. In den zahlreichen Schulen, die in der Einflugschneise liegen, kommt es in fast jeder Stunde zu Unterrichtsunterbrechungen, weil der gewaltige Lärm jede sprachliche Verständigung unmöglich macht. Dass Krach nicht nur für die Verständigung, sondern auch für die Gesundheit äußerst schädlich ist, dürfte wohl inzwischen niemand mehr ernsthaft bestreiten.

Hans-Jörg Bieger, Groß Flottbek

Grauenvolle Fassade

21. März: Ein neues Buddenbrookhausfür Lübeck. Das Literaturmuseum über die Familie Mann soll erweitert werden

Ah, denkt man beim ersten Blick auf’s Foto des Buddenbrookhauses nebst Nachbar: Das Erdgeschoss des Nachbarhauses ist offensichtlich verhunzt und soll nun wohl wiederhergestellt werden. Stellt dann aber erschreckt beim Lesen des Artikels fest, dass die dargestellte Ansicht schon das Ergebnis des Architekten-Wettbewerbs sein soll. Grauenvoll, wie hier die schwere, toll gegliederte gotische Fassade durch eine Art weißen Werbebanner „getragen“ werden soll. Wenn hier der Niveau-Unterschied zwischen gotischer und zeitgenössischer Architektur gezeigt werden soll, dann ist das fantastisch gelungen.

Thorsten Schima, per E-Mail

Polen trägt keine Verantwortung

13. März: Unbedingt le­sens­wert – die Bücher des Frühjahrs

Die Anregung im Hamburger Abendblatt ein Buch vom polnischen Schriftsteller Szczepan Twardoch zu lesen, ist leider ein Beispiel, wie man in Deutschland versucht, andere, die Opfer waren, mit der Verantwortung für Holocaust zu belasten. Der Autor der Buchempfehlung stellt fest, dass Polen die Beteiligung am Holocaust derzeit verneint und weist gleichzeitig auf das Gefangenenlager in Bereza Kartuska zur Isolierung politischer Häftlinge hin. Er bezeichnet dieses Lager als polnisches Konzentrationslager. An diesem nicht rühmlichen, derart einzigen vorkriegspolnischen Ort, in dem die Häftlinge meistens drei Monate lang blieben und in dem gefoltert wurde, sind bis 1939 insgesamt ca. 3.000 Menschen, vor allem Kommunisten und Rechtsradikale inhaftiert worden. Zwischen vier und 17 Personen verstarben, die meisten in Krankenhäusern. (…) Hat denn der Autor z. B. an das KZ Neuengamme bzw. Sachsenhausen gedacht, als er diesen Termin so leichtsinnig in Bezug auf Bereza Kartuska verwendete bzw. wiederholte? (…) Ja, es gab polnische Denunzianten und Mörder, es gab sie in allen durch den Krieg betroffenen Nationen und Religionsgruppen. Deswegen verneint Polen nicht polnische Denunzianten, sondern polnische Konzentrationslager. Polen, als Staat und Nation im Ganzen, trägt keine Verantwortung am Holocaust und war daran nicht beteiligt.

Piotr Golema,

Generalkonsul der Republik Polen

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