Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. März 2018

Eine eingefädelte Mussheirat

5. März: Das Duo für Deutschland

Merkel & Scholz sind sicherlich nicht das „Duo für Deutschland“, sondern schlichtweg eine vom Bundespräsidenten eingefädelte Mussheirat. Scholz, der nach dem Motto vorgeht: Wer wenig sagt, sagt auch wenig Falsches, hat sich als Provinzpolitiker etwa bei der Elphi bewährt, aber beim G20-Gipfel schlichtweg versagt und ist im EU-Haifischbecken schlecht aufgehoben. Frau Merkels Leistung der letzten Jahre bestand darin, in der EU und Migrantenpolitik als Anwärterin für den Friedensnobelpreis gut dazustehen, aber die Lasten des „Wir schaffen das!“ den Gemeinden aufzubürden. Um die Dinge, die für den Bürger existenziell sind, wie Steuerlast, Wohneigentumserwerb und Mietenkatastrophe kümmert sie sich wenig. Von den Umfragewerten her ist sie längst abgewählt. Zum Glück sind in dreieinhalb Jahren Neuwahlen.

Dr. Dietger Heitele, Hamburg

Dieser Feiertag ist notwendig

1. März: Re­for­ma­ti­ons­tag wird auch in Hamburg ar­beits­frei

Professor Dr. Luther unterrichtete vor rund 500 Jahren in Wittenberg an der Elbe Theologie. Doch anders als seine Kollegen und die gesamte katholische Kirche verurteilte er den Ablasshandel der Kirche für angebliche Verfehlungen, die er in 95 Thesen beschrieb. Das noch heute geltende Zölibat der Kirche hob er durch Heirat auf und führte eine echte Gleichberechtigung ein. Als die Kirche ihn deshalb beseitigen wollte, wurde er vom Kurfürst Ludwig dem Weisen auf die Wartburg gerettet, wo er die Bibel aus dem Latein in das damals meist gesprochene Deutsch übersetzte und somit die deutsche Sprache schuf. Er ist insofern Hauptbegründer der westlichen Kultur mit der Gleichberechtigung, der Einehe, dem christlichen Glauben und der deutschen und österreichischen Sprache. Dies alles sollte der Reformationstag feiern. Er ist notwendig.

Hans-J. Kiene, Reinbek

Fonds zur Wiedergutmachung

3. März: Opfer haben le­bens­läng­lich

Zweifellos könnte die Gesellschaft den Opfern bzw. Hinterbliebenen von Straftaten ihr Schicksal deutlich erleichtern, wenn sie ihnen wenigstens die Folgeprozesse um Schadenersatz, Schmerzensgeld, Geld für erforderliche Therapien ersparen würde. Insbesondere scheint bei manchen Versicherungen ja das Geschäftsmodell zu sein, solange zu prozessieren, bis den Anspruchstellern „die Puste“ ausgeht. Besser erscheint mir folgendes Modell zu sein: Alle strafbedingt eingezogenen Gelder (Bußgeld, Verwarngeld, Geldstrafen, Kartellstrafen etc.) werden in einen „Schaden-Wiedergutmachungs-Fonds“ eingezahlt, aus dem alle Opfer von Straftaten (eventuell auch von Insolvenzen oder auch Unfällen) möglichst fair und unbürokratisch entschädigt werden. Im Gegenzug treten sie alle Ansprüche gegenüber den Schadenverursachern und deren Versicherungen an den Fonds ab. Der Fonds wäre dann künftig der Prozessgegner zahlungsunwilliger Versicherungen, so dass es nicht mehr zu der heute üblichen David-gegen-Goliath-Situation käme. Auf diese Weise könnte den Opfern der meist lange und demütigende Weg durch das deutsche Opferrecht (oder Unrecht?) erspart werden, und die Opferentschädigungen würden weitgehend kongruent ausfallen.

Hellmut Abegg, Osterrönfeld

Ein Rückschritt als Fortschritt

3. März: Welcher Elbtower ist der schönste?

Meiner Meinung nach brauchen wir keinen Elbtower. Die Hafencity, die Elbphilharmonie und die schönen alten Backsteinbauten prägen unsere Stadt und geben ihr Persönlichkeit. Ich glaube nicht, dass der legendäre Oberbaudirektor Fritz Schumacher dem Entwurf von David Chipperfield zustimmen würde, er würde den „weißen Riesen“ als Fremdkörper empfinden, an den man sich (lt. Bürgermeister Scholz) erst gewöhnen müsse. Wozu also eine Milliarde ausgeben, die in vielen Bereichen unserer schönen Stadt besser eingesetzt werden könnte, z. B. in sozialen Bereichen und Bildung. Wenn ich mich aber dennoch für einen Elbtower entscheiden müsste, würde ich mich für den Entwurf der Hamburger gmp Architekten entscheiden. Das Gebäude steht auf zwei Beinen, was man von vielen Politikern nicht behaupten kann. Durch seine „verschnörkelte“, filigrane Bauweise passt es wunderbar zu unseren schönen Brückengeländern. Vor allen Dingen aber, hat der Turm einen geraden quadratischen Abschluss, er ruht in sich. Die anderen Entwürfe haben alle eine Spitze, die „den Himmel zerschneiden“, keine Harmonie. Warum besinnt man sich nicht ein bisschen auf das Alte, auch ein Rückschritt kann ein Fortschritt sein.

Sabine Frangakos, per E-Mail

Kindererziehung mit Diplom

3. März: Leserbrief der Woche: Elterntraining für alle.

Wir sind gelinde gesagt entsetzt, mit welcher Schärfe eine diplomierte Psychologin und Psychotherapeutin Herrn Lenzens Erziehungsratschlägen widerspricht und gleichzeitig Generationen von Eltern die Fähigkeit einer ordentlichen und fundierten Kindererziehung abspricht. Alle Eltern sind Autodidakten, niemandem von uns wurde ein Gen mitgegeben, welches als Blaupause zur Kindererziehung herhalten könnte und das ist gut so und garantiert die Individualität der Spezies Mensch. Wir sollten uns hüten, nur noch mit einer Lizenz zur Kindererziehung Leben in die Welt setzen zu dürfen. Je nach Betrachtungsweise werden auch weiterhin zum Teil gravierende Erziehungsfehler begangen. Natürlich aus der Sicht einer Wohlstandsgesellschaft mit den vielen „Helikopter-Eltern“ absolut schockierend und eine Katastrophe. Wirklich? Als Eltern von erwachsenen Kindern und Enkelkindern haben wir auch ohne „Lizenz“ gebrauchsfähige ordentliche Mitglieder der Gesellschaft geschaffen. Unter kommerziellen Gesichtspunkten ist diplomierte Kindererziehung natürlich ein interessanter Markt.

Eggert Oldenburg, Hollenstedt

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