Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. Februar 2018

Kontraproduktives Ergebnis

26. Februar: Umwelt bleibt ein Stiefkind

So lautete die Überschrift zum Kommentar zur Klimapolitik der GroKo. Einer der Kernsätze lautete: „ ...würde es den Atemwegen nicht schon helfen, wenn wir unsere Städte nicht zubauten, sondern Frischluftschneisen zuließen?“ Man braucht nur noch auf die überaus wichtige Funktion von Bäumen als Luftfilter und Klimaschützer in Städten hinzuweisen. Dann erkennt man wie kontraproduktiv das Ergebnis der Umfrage des Abendblatts vom letzten Wochenende ist: 55 Prozent der Leser befürworten das Verschwinden von Bäumen (und Parkplätzen), wenn sie der Verbreiterung von Fußwegen im Wege stehen. Um die Parkplätze ist es nicht schade, aber dass man für die sicherlich grundsätzlich wünschenswerte Verbesserung und Verbreiterung von Fußwegen Baume fällen und sogar Vorgärten zupflastern will, trifft auf unseren entschiedenen Protest!

Jürgen Vieth, Baumschutzgruppe im NABU

Banalität an prägnantem Standort

27. Februar: Der Elbtower wird ein Haus für alle Ham­bur­ger

Oh nein, bitte nicht! Es werden derzeit weltweit derart originelle, unerwartet proportionierte und ästhetisch ausgefuchste Hochhaus-Kunstwerke geschaffen, dass man als Hamburger Architekt im Boden versinken möchte ob derartiger Banalität an so prägnantem Standort. Einfach mal „Hochhaus Design“ googeln, bringt einen Augenschmaus nach dem anderen. Ein tolles Projekt übrigens ganz nah: Das „Hardenberg“ am Bahnhof Zoo. Schlank, spektakulär,toll.

Thorsten Schima, per E-Mail

Archaische Rituale

27. Februar: Island will Be­schnei­dung verbieten

Vor einigen Jahren gab es auch in Deutschland schon einmal eine Diskussion darüber, ob Beschneidungen bei Jungen nicht verboten werden sollten. Damals haben sich leider die Vertreter der Verstümmelungsreligionen durchsetzen können. Die isländische Initiative sollte Vorbild in ganz Europa sein, diese archaischen Rituale zu untersagen. Mit der Ausübung von Religionsfreiheit haben diese Körperverletzungen an Kindern nichts zu tun.

Herbert Mellin, Hamburg

Traditionen haben ihre Grenzen

Ich hoffe, dass wir bald Island folgen und endlich Beschneidungen unter 18 Jahren auch hier verbieten. Es ist eine Schande, dass es bei uns nach jeder verbalen Pöbelei einen Aufschrei der Empörung bishin zum Ruf nach dem Verfassungsschutz gibt, körperliche Verletzungen an Kindern aber stillschweigend toleriert werden. Religionsfreiheit bedeutet, dass man glauben, aber nicht machen darf, was man will! Kulturelle Traditionen haben ihre Grenze am Grundgesetz und Menschenrecht, Minderjährige stehen sogar unter dem besonderen Schutz von Eltern, Staat und United Nations. Wenn Erwachsene sich gern freiwillig verstümmeln wollen, ist das ihre persönliche Entscheidung, aber Kindern darf niemand Schmerz und Leid zufügen, auch nicht, wenn es ein uraltes Ritual aus Gruppenidentitätsgründen verlangt!

Julia Berendsohn, per E-Mail

Schöne Aussichten

26. Februar: Neues Bus-System für Hamburg – erst mit, dann ohne Fahrer

1000 Elektro-Bullys und ohne Fahrer, das sind ja schöne Aussichten. Aber sind das auch schöne Aussichten für die Busfahrer der Hochbahn AG? Automatisierung und Digitalisierung „fressen“ die Arbeitsplätze. Die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“, kurz OECD, spricht davon, dass in den Industriestaaten in Zukunft bei sieben wegfallenden Arbeitsplätzen nur zwei neue entstehen. Ist es da ein Wunder, dass die Menschen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen fragen, das wesentliche Grundbedürfnisse finanziell absichert?

Helgo Klatt, Hamburg

Was ist aus dem HSV geworden?

26. Februar: Zweite Liga, Hamburg ist dabei

Das frage ich mich nicht erst seit gestern. Ich denke daran wie es war in den 70er-, 80er-Jahren, als ich stolz auf diesen Verein war! Weil dieser Verein einen Namen in Europa hatte und gleichzeitig mit Namen wie Juventus Turin genannt wurde. Die großen Spiele im Pokal der Landesmeister oder im UEFA Cup. In den letzten Jahren hat sich nur die Führungsetage die Taschen voll gestopft und wenn es nicht mehr ging, ist man eben woanders hin gegangen. Günter Netzer war noch eine der Personen, die sich mit dem Verein identifiziert hat. Allein an den Fehleinkäufen der letzten Jahre sieht man, was dabei heraus gekommen ist. Wir brauchen Menschen an den entscheidenden Positionen, die mehr als ihren Job darin sehen. Personen, die diesen Verein leben! Dann wird dieser Verein wieder zu altem Ruhm zurückfinden.

Thorsten Fritz, Hage

Nahverkehrssystem der Zukunft?

26. Februar: Airbus ent­wi­ckelt selbst­flie­gen­des Lufttaxi

Ich bin eher skeptisch bezüglich des Einsatzes von Lufttaxis zur Entlastung des Straßenverkehrs. Luftfahrzeuge jedweder Art brauchen sehr viel Energie zum Fliegen, und die ist nach wie vor teuer. Und propellergetriebene Luftfahrzeuge erzeugen sehr viel Lärm. Es ist nicht der Motor, der die größte Lärmquelle darstellt, sondern der Propeller. Davon hat das Airbustaxi immerhin vier. Ob die Bevölkerung eine dauernde Lärmbelästigung akzeptiert, scheint mir fraglich, zumal der Lärm viel weiter trägt als am Boden. Um preiswert zu sein, muss eine große Stückzahl gebaut und betrieben werden. Es müssen viele Landeplätze geschaffen werden, auf denen auch eine sehr schnelle Aufladung erfolgen kann. Eine Zukunft als Nahverkehrssystem für Ballungsräume sehe ich nicht.

Michael Döring, Norderstedt

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