Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. Dezember 2017

Poller sind überflüssig

18. Dezember:Poller am Elbufer versperren Rettungswagen den Weg: Mann stirbt

Da es sich bei dem Elbuferweg um einen reinen Wander- und Fahrradweg handelt, der für Autos auf normalen Wege nicht erreichbar ist, war die Aufstellung der Poller von vornherein völlig überflüssig. Offensichtlich waren die Entscheidungsträger ortsunkundig, sonst hätten sie diese unsinnige Maßnahme gar nicht erst veranlasst, die jetzt durch die dadurch bedingte Zeitverzögerung der Rettungskräfte den Tod des 50-jährigen Mannes begünstigt hat.

Stefan Bick, per E-Mail

Lieblose Gastronomie im Museum

18. Dezember: Neuer Name, neues Image. Das Museum für Völkerkunde braucht eine Umbenennung – und noch vieles mehr

Die Kritik der Autorin und ihre Vorschläge zur Umgestaltung des Völkerkundemuseums sind meines Erachtens nicht gerechtfertigt. Die Jugendstilgarderobe ist einfach schön und der Andrang bei Sonderausstellung ist im Vergleich zur neugebauten Elbphilharmonie nicht dramatisch. „Modernisierungen“ bedeuten oft, dass der Charakter der Gebäude verloren geht und ein einheitlich kalter, sachlicher, ungemütlicher Stil mit liebloser Gastronomie gewählt wird wie bei dem Café Liebermann in der Kunsthalle und der Cafeteria im Planetarium.

Dietlind Thiessen, per E-Mail

Name vermittelt Kontinuität

Mit Verwunderung habe ich die Pläne der neuen Museumsdirektorin und der Kulturbehörde zur Kenntnis genommen.

Mit der Begründung, dass ein neuer Name für Randgruppen und „Communities“ interessanter sei, wird die Mehrheit mal wieder ins Unrecht gesetzt, obwohl sie dafür zahlen soll. Meines Erachtens wird gerade in Hamburg für Randgruppen schon überproportional viel getan. Der Name Völkerkundemuseum ist in meinen Augen so positiv besetzt wie Olympia. Wir sollten uns um etwas mehr Kontinuität bemühen, ansonsten sind wir bald selbst ein Volk ohne Wurzeln und Identität.

Britta Bachler, per E-Mail

Ein Opfer für den Zeitgeist

Ein neuer Name ist überflüssig wie ein Kropf. Bis heute habe ich noch nie gehört, dass sich jemand an diesem Namen stört oder diesen mit negativen Assoziationen besetzt. Da wird für viel Geld wieder eine alte Tradition auf dem Altar eines fragwürdigen Zeitgeistes geopfert.

Lutz Weiser, Hamburg

Tragödie für Kulturdenkmäler

16./17. Dezember: Denkmalschutz als Farce. Senat zieht Abriss der City-Höfe auf die Schnelle durch

Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem das Prinzip der Gewaltenteilung gilt. Beim Hamburgischen Denkmalschutzgesetz jedoch verfügt die Exekutive regelmäßig nach Belieben über seine Gültigkeit: Der Senat entscheidet, ob, wann und wie es angewendet wird. Würde man die Straßenverkehrsordnung in gleicher Weise anwenden, würden alle bei Rot über die Ampeln fahren. Der Autor hat daher Recht: Es ist eine Farce. Und für den Schutz der Hamburger Kulturdenkmäler ist es eine Tragödie.

Kristina Sassenscheidt, Denkmalverein

Der Senat trägt die Verantwortung

Städtebau und Denkmalschutz außen vorgelassen – als Beleg dafür, dass der Senat die Bürgerbeteiligung hintertreibt, taugt eine eventuelle Evokation des Verfahrens um die City-Höfe nicht. Soll die Frage der Bebauung an dieser zentralen Stelle der Stadt in das Belieben der Bürger in Finkenwerder und Billstedt gestellt werden, die als Einwohner von Hamburg-Mitte abstimmungsberechtigt wären, im Gegensatz zu rund 1,5 Millionen Hamburgern, die nicht in Hamburg-Mitte wohnen aber auch gelegentlich in der Innenstadt vorbeischauen? Hier geht es um eine für ganz Hamburg wichtige Entscheidung und diese selbst zu treffen (und zu verantworten), ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Senats.

Peter Moller, per E-Mail

Vernunft bleibt auf der Strecke

16./17. Dezember: Fernwärme aus Moorburg? Vat­ten­fall kontert Um­welt­se­na­tor

Ja, es ist vernünftig und nachhaltig – wenn auch teuer –, industrielle Abwärme für die Fernwärmeversorgung Hamburgs zu nutzen. Wie sinnvoll ist es aber, das genehmigte, hochmoderne Kohlekraftwerk Moorburg lediglich als Stromerzeuger zu nutzen und die Wärme „durch den Schornstein zu blasen“? Hier wird nur grüne Ideologie gepflegt, und die Vernunft bleibt auf der Strecke.

Manfred Christen, per E-Mail

Marode Infrastruktur

12. Dezember: Umsteigen aufs Fahrrad: Hamburg startet Millionenkampagne

Die meisten Verkehrsteilnehmer in Hamburg sind Fußgänger und ganzjährig unterwegs. Abseits der Hauptstraßen finden diese zum Teil eine marode bis katastrophale Infrastruktur vor. Fußwege und Radwege sollten vernünftig instand gesetzt werden. Und mit vernünftig ist nicht gemeint, über die ganze Breite intakte Gehwegplatten zu entfernen und stattdessen Sandgemisch aufzutragen, wie kürzlich weiträumig in Wandsbek im „Nöpps“ geschehen. Wer mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Rollenkoffer zur Hauptstraße unterwegs ist, kann dort schier verzweifeln. Und ist einmal ein solches Gemisch da, wird es jahrzehntelang nicht wieder neu aufgefüllt, obwohl es durch Regen und Schneeräumen abgetragen wird. Und jetzt ist eine „Millionenkampagne“ geplant, um die Radnutzung weiter zu erhöhen. Will man damit aus 23 Prozent Fahrradnutzern 25 Prozent machen? Die weitreichenden Pläne von Velorouten, die Verlagerung von Radwegen auf Straßen, einhergehend mit der Vernichtung von Parkplätzen, die teuren Fahrradzähler statt Induktionsschleifen, ist all das immer noch nicht genug?

Carmen Rigo, Hamburg