Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Juni 2017

G20-Gegner, geht's noch?

30. Mai: Gegen G20 – AStA sammelt 12.000 Un­ter­schrif­ten

Die Negativ-Berichterstattung über den G20-Gipfel ist kaum noch zu ertragen. Da hat unsere Stadt endlich mal die Chance, groß rauszukommen, weltweit bekannt zu werden und für sich zu werben – und prompt ist die Front der Neinsager und Ablehner wieder an vorderster Stelle zu finden. Gegen etwas zu sein scheint ja hochmodern zu sein und gehört wohl mittlerweile zu unserer Gesellschaft. Bitte beachten: Es sind ganze zwei von 365 Tagen, in denen einzelne Teile unserer Stadt gewisse Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber schon tönt die Geschäftswelt über horrende Umsatzeinbußen, viele Hamburger wollen die Stadt verlassen. Hallo, geht's noch? Hamburger, fahrt mal bitte etwas weniger dick auf, wo bleiben die hanseatischen Tugenden, insbesondere Weltoffenheit, Fairness und Toleranz? Es geht nicht darum, ob man inhaltlich mit dem G20-Gipfel übereinstimmt, sondern wie man sich benimmt in dieser Stadt. Als überzeugte und leidenschaftliche Hamburgerin (mit kanadischen Wurzeln) macht mich dieser nihilistische Geist sehr betroffen.

Sara Miller, per E-Mail

Behandlung mit Ozon

30. Mai: Klinik-Keime: Immer mehr Opfer. Die Zahl der gemeldeten Fälle in Hamburg steigt

Die alarmierenden Zahlen müssen alle Beteiligten zu einem sofortigen Umdenken bewegen. Beteiligt sind aber nicht nur die verordnenden Ärzte und Zahnärzte, sondern auch die Patienten selbst. Denn nicht bei jedem Infekt oder jeder Entzündung sollte ein Antibiotikum beansprucht werden. Und auch die fleischproduzierende Industrie gehört zu den Beteiligten. In der Tierzucht werden etwa doppelt so viele Tonnen Antibiotika verbraucht wie in der Humanmedizin. Deshalb ist zu erwarten, dass Antibiotika als bewährte Waffe gegen Bakterien die Wirkung aufgrund der Resistenzbildung kontinuierlich einbüßen werden. Prognosen weisen darauf hin, dass in circa zehn Jahren kein wirksames Antibiotikum mehr zur Verfügung stehen wird. Eine Alternative stellt die Behandlung mit Ozon und kaltem Plasma dar. Diese nebenwirkungsfreien Verfahren finden seit einigen Jahren erfolgreich Anwendung in verschiedenen Fachgebieten der Medizin. Bei konsequentem Einsatz könnte auf diesem Weg der Verbrauch von Antibiotika reduziert und die weitere Ausbreitung multiresistenter Erreger eingeschränkt werden.

Dr. Bernd Heinz, per E-Mail

Parkbuchten fehlen

30. Mai: Neuer Kreisel auf Finkenwerder soll Staus verhindern

Kreisel sind eine tolle verkehrstechnische Errungenschaft – gerade, wie im Artikel beschrieben, für Finkenwerder. Um einen flüssigen Verkehr zu gewährleisten, wurden in der Vergangenheit Parkbuchten gebaut. Nun wurden diese aber rechtzeitig vor dem Bau des Kreisels auch mit Steuergeldern wieder zurückgebaut, sodass heute – auf den HVV-Fahrplan abgestimmt – im Ausgang zur Ostfrieslandstraße der Verkehr auch im Kreisverkehr zum Erliegen kommt. Anscheinend hat die offizielle Freigabe nicht an Ort und Stelle stattgefunden oder aber genau in den 15 Minuten zwischen zwei Bus-Stopps.

Claus Langner, Jork

St. Pauli braucht keine Animation

29. Mai: DFB stellt jetzt Sho­wein­la­gen auf den Prüfstand

Der verkrampfte Zwang, aus allem ein Event zu machen, führt zur Beliebigkeit von Veranstaltungen – auch ein Endspiel um den DFB-Pokal. Da loben wir uns unseren FC St. Pauli, der diesem Trend standhaft die Stirn bietet: keine ulkigen Maskottchen, keine Fahnenschwinger oder Cheerleader auf dem Platz, keine Endlosbrüllerei aus den Stadionlautsprechern nach einem erfolgreichen Torschuss. Wir Fans des FC St. Pauli brauchen keine Animation, keine fremdgesteuerte Stimmungsmache, das kriegen wir alleine hin.

Edita und Henning Scherler, per E-Mail

Finger weg von Betriebsrente

26. Mai: Be­triebs­rente wird at­trak­ti­ver

Schon einmal lockte die Politik die ahnungslosen Arbeitnehmer mit den Direktversicherungen vor 2004 in die Falle, indem bei Auszahlung vertrags- und rechtswidrig durch Einführung des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) 2004 weitere Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezockt wurden. Aus eigener bitterer Erfahrung mein Rat: Finger weg von Alterssicherungssystemen, bei denen der Staat federführend tätig ist und die Bedingungen jederzeit nach Kassenlage zu seinen Gunsten ändern kann.

Reinhard Günther, Ahrensburg

Bessere Lösungen für E-Autos

20./21. Mai: 36 Stunden ständig unter Strom

Die begrenzte Reichweite ist zweifellos das größte Problem und auch für den Erfolg der E-Autos entscheidend. Aber es gibt bessere Lösungen, nur ist es nötig, die Industrie dazu zu bewegen. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von Brennstoffzellen, die man mit Wasserstoff nachladen kann. Eine wohl bessere und schon andernorts praktisch erprobte ist die Verwendung von Akkus, die in wenigen Minuten auszubauen und durch geladene zu ersetzen sind. Dazu sind eine Normierung der Systeme und große Investitionen erforderlich: Ausstattung aller "Tankstellen" mit Vorrichtungen zum Aus- und Einbau und gleichzeitig zum (langsamen) Laden einer größeren Zahl von Akkus. Nur mit Druck, aber auch mit finanzieller Unterstützung vom Staat kann das gehen, denn die Automobilindustrie ist mit den Benzin- und Diesel-Motoren glücklich. Aber das Ziel lohnt sich: Sobald genügend elektrische Energie aus nicht fossilen Quellen verfügbar ist, wäre alle Luftverschmutzung durch CO2, Stickoxide und Feinstaub verschwunden.

Prof. Dr. Bertel Kastening, Hamburg

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