Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. September 2016

Privates beim Kaffee klären

28. September: Facebook und Co. Grenzen zeigen. Wenn wir die Privatsphäre wahren wollen, muss die Politik jetzt eingreifen

Jetzt muss Hamburgs Datenschützer, der Jurist Johannes Caspar, juristisch gegen diesen Weltkonzern vorgehen. Aber warum ist Facebook und Co. in der Welt so beliebt, so gefragt? Weil jedermann meint, sein Privatleben der Weltöffentlichkeit auf diesem Wege mitteilen zu müssen. Und jetzt jammern diese Menschen, dass ihre Daten auch einer anderen Nutzung dienen können. Selbst schuld! Für mich sind Facebook und Co. absolut tabu. Wenn ich mit jemandem kommunizieren möchte, benutze ich mein Telefon, sende eine SMS oder schicke eine E-Mail. Oder, wenn es sich um eine diskrete Angelegenheit handelt, trifft man sich zu einem Kaffee oder Bierchen, aber nicht bei Facebook.

Winfried Groot, per E-Mail

Bundesstraße lauter als Windrad

28. September: Gabriel will leisere Windräder. Bundeswirtschaftsminister eröffnet weltgrößte Messe der Branche in Hamburg. 200 Aus­stel­ler mehr als 2014

Gabriel hat völlig recht, Windkraftanlagen „brauchen keinen Welpenschutz mehr“. Sie sind längst konkurrenzfähig, wenn dem Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken die gesamten Folgekosten angerechnet würden. Den größten Teil dieser Folgekosten tragen nicht die Betreiber dieser Kraftwerke, sondern die Allgemeinheit. Ein Ausbau der „Stromautobahnen“ ist kontraproduktiv, denn sie sind sehr teuer und werden für die Energiewende nicht benötigt. Sie dienen nur dazu, den Strom aus konventionellen Kraftwerken und aus erneuerbaren Energien gleichzeitig zu transportieren. Deshalb werden augenblicklich die Windkraftanlagen abgeregelt, wenn sie viel Strom erzeugen könnten, weil die Kohlekraftwerke nicht heruntergefahren werden können und dadurch die vorhandenen Netze überlastet sind. Gabriel drosselt den Ausbau der erneuerbaren Energien, um die Energiemonopolisten vor der drohenden Pleite zu bewahren. Als Anteilseigner einer Bürgerwindkraftanlage weiß ich, dass die Lärmbelästigung von Windkraftanlagen gering ist. Zum jährlichen Jubiläum haben die Anteilseigner direkt unter der Anlage gefeiert. Die Geräusche der Anlage waren nicht wahrnehmbar, denn der Verkehr einer nahe gelegenen Bundesstraße war sehr viel lauter.

Gerd Tschöpe, per E-Mail

Integration durch Freundschaften

27. September: Die Streber aus dem Kriegs­ge­biet. Serie: Wie die Flüchtlinge Hamburg verändern

„Nur in der Schule und in der Kita haben diese Kinder eine Chance auf Integration“, sagt unser Schulsenator. Aber warum leben dann viele Flüchtlingskinder wie in einem Getto, werden dort unter sich beschult? Haben ihre eigene Kita in der Unterkunft? Nur durch Mischung klappt Integration. Ich arbeite seit Beginn 2015 aktiv mit Kindern in den Unterkünften. Immer wieder habe ich erlebt und von Helfern bestätigt bekommen, dass die Kinder sehr wissensdurstig und neugierig sind. Allerdings ist es wichtig, an der offenen Haltung der Kinder zu arbeiten, die schon länger in Deutschland leben und jetzt in der Gemeinschaft mit den Flüchtlingskindern in Kitas und Schulen im Alltag zusammen sind. Außerdem bedarf es der Erarbeitung von Bildungskonzepten für diese Kinder. Strukturen für den Erfahrungsaustausch von Menschen, die mit diesen Kindern arbeiten, müssen geschaffen werden. Bildung und Freundschaften mit anderen Kindern, die hier schon länger leben – dafür müssen wir Brücken bauen, damit die Flüchtlingskinder eine Chance haben.

Regina Grabbet, Hamburg

Schlüssiges Mozart-Konzept

26. September: Der Zauber ging schnell flöten. Die Mozart-Inszenierung von Jette Steckel an der Staatsoper war ein verstolperter Saisonauftakt

Ich habe offenbar, wie die Mehrheit des Publikums, das dem Geschehen gebannt und überwältigt folgte und am Ende in minutenlangen Jubel und Standing Ovations ausbrach, ein völlig anderes Stück gesehen. Besonders schön und bezeichnend war die Reaktion der Kinder im Publikum, die mucksmäuschenstill und völlig verzaubert waren. Das Bühnenbild aus Licht ist in meinen Augen das Spektakulärste, was man zurzeit an einem Hamburger Theater zu sehen bekommt. Zugegeben, der interpretatorische Ansatz von Jette Steckel mag ein bisschen naiv sein. Aber dieses Konzept ging meines Erachtens schlüssig auf und harmonierte wunderbar mit der Musik. Die musikalische Seite der Aufführung war durchweg gut bis sehr gut – vor allem Nurgeldiyev (Tamino) und McGovern (Papageno) boten schauspielerisch und sängerisch Herausragendes. Ich glaube, dass diese Produktion das Zeug zu einem Publikumsrenner hat.

Dr. Gerhard Fell, Hamburg

Verantwortung liegt beim Trainer

26. September: Gisdol beerbt Labbadia. Der HSV entlässt Trainer Bruno Labbadia zum zweiten Mal

Man mag über die Art und Weise des Agierens des HSV-Vorstands, letztlich auch bei Bruno Labbadias Demission, streiten. Jedoch stehen nicht die Vorstände auf dem Fußballrasen und sollen Tore schießen, sondern bestens dotierte Spieler – und für deren Spielweise ist doch ausschließlich der Trainer verantwortlich. Punkt!

Jürgen Diedrich, Hamburg

Richtige HSV-Entscheidung

Es war eine völlig richtige Analyse von Beiersdorfer und eine absolut korrekte Entscheidung, sich von dem sturen und beratungsresistenten Trainer Labbadia zu trennen. Es geht hier um aktuell sportliche Gründe, nicht um die Vergangenheit und nicht um den Nichtabstieg 2015. Eine katastrophale fußballerische Fehlentwicklung, zudem mit einer desaströsen Punktebilanz im Jahr 2016 gepaart, ließ den Verantwortlichen nichts anderes übrig.

Christof Marheinecke, Hamburg