Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. August

| Lesedauer: 6 Minuten

Mit Freude selbst am Steuer

3. August: Hamburg rüstet Straßen
für selbstfahrende Autos um

Hamburg rüstet mal wieder sich zum Vorreiter, um ordentlich Geld aus dem Fenster zu werfen, wie so oft. Hilfe, die Zukunft naht. Uns alten Autofahrern zum Trost, wir durften den größten Teil unseres Lebens stolz unser Auto lenken, auch ich als Kilometer-Millionär – 65 Jahre unfallfrei – will nicht einen Tag am Steuer missen. Eine Horrorvorstellung für die Jugend, sie wird doch regelrecht entmündigt, was den Straßenverkehr anbelangt. Fahren wir doch gleich „beschleunigt“ Bus und Bahn, dann können ruhig Autos „ohne Insassen“ die Straßen blockieren. Hamborg, hol di stief.

Georg Regener, Reinbek

Schwierige Entsorgung der Beutel

3. August: 28 Millionen Gassi-Beutel
pro Jahr

Die kostenlose Abgabe von Gassi-Beuteln in Hamburg ist eine gute Sache und wird von den Hundebesitzern auch gut angenommen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich als Hundebesitzer die Hinterlassenschaft meines Vierbeiners beseitige. Sehr ärgerlich sind die verantwortungslosen Zeitgenossen, die das nicht tun. Leider trifft man diese rücksichtslosen Mitbürger nicht, sonst würde man ihnen mit Sicherheit die Meinung sagen. Dass einige Hundebesitzer die gefüllten Gassi-Beutel dann teilweise im Gebüsch entsorgen, ist sehr ärgerlich. Teilweise kann ich das aber nachvollziehen: Auch ich habe mich schon manches Mal über fehlende Papierkörbe geärgert und dass ich den Beutel mehrere Kilometer durch die Landschaft tragen musste – hier ist die Stadtreinigung gefordert. Mein diesbezüglicher Anruf bei der Stadtreinigung mit der Bitte der Installation eines Papierkorbs an einer frequentierten Stelle wurde mit der lächerlichen Bemerkung abgetan, dass die Zahl der Papierkörbe festgelegt sei und bei Aufstellung eines zusätzlichen Papierkorbs ein anderer entfernt werden müsste – kaum zu glauben.

Helmut Jung, Hamburg

Norddeutsch „Im Namen der Rose“

2. August: Der Erzbischof –
auf verlorenem Posten?

Diese aufrüttelnde Betrachtung des Zustands der katholischen Kirche im Erzbistum Hamburg ist für den „Apparat“, der meinte, nach der Auseinandersetzung um die Schließung des katholischen Kinder- und Jugendheims St. Franziskus auf Nordstrand alles im Griff zu haben, sicher schmerzlich. 2006 gelang es, auch dank der umfänglichen Berichterstattung und Kommentierung des Abendblatts, die zu einer heftigen Reaktion und Gläubigen und Sponsoren führten, die Schließung zunächst zu verhindern. (...) Das Heim ist mittlerweile geschlossen, steht leer und verrottet. (...) Dieses Vorgehen in Schleswig-Holstein war rückblickend betrachtet der Beginn des Rückzugs aus der Fläche. Die mit zwölf Millionen Euro erfolgte Aufhübschung des Doms schien wichtiger. Die bereits mit acht Millionen geplante Umgestaltung des Domplatzes nach Plänen eines Stararchitekten sowie der Verkauf der Immobilie der Sophie-Barat-Schule an der Warburgstraße wurden allerdings im Zuge der Empörung über die Schließung des Kinderheims abgeblasen. Zuvor war Erzbischof Thissen „eingeknickt“. Der „Apparat“ mit den entscheidenden Personen im Domkapitel, das für die Nachfolge die Endauswahl unter drei Kandidaten zu treffen hatte, entschied sich nicht ganz unerwartet für den jungen Kollegen Generalvikar aus Köln, den man erfolgreich „beraten“ kann. Sollte er jemals Profil zeigen wollen, steht er in der Tat diesbezüglich auf „verlorenem Posten“. Die Analyse von Christoph Rind ist umfänglich und setzt punktgenau an den Schwachstellen an, die sich zu einem Netz verbinden. Man fühlt sich in eine moderne norddeutsche Variante von Umberto Eccos Roman „Im Namen der Rose“ versetzt. Was kann helfen, die Trutzburg in St. Georg zu lüften? Sicher nur eine Bewegung von der Basis. Und die Herausforderung an meine Kirche ist angesichts des vor Selbstbewusstseins strotzenden Islam ohnehin groß.

Peter Schmidt, Wedel

Kritikresistente Kunst

30./31. Juli: Wird die Elbphilharmonie
das beste Konzerthaus der Welt?

Zur Beurteilung der Akustik eines Konzertsaals gehören auch die physikalischen Werte. Dafür gibt es Normen. Ohne ihre Einhaltung ist sie a priori nicht gut. Wenn Yasuhisa Toyota die Beurteilung der Qualität seiner Akustik mit der von Getränken vergleicht, setzt er auf ein nicht nachprüfbares Kriterium. Damit es dabei bleibt, wurden neben den Intendanten, Orchestervorständen, Dirigenten und Musikmanagern keine Raumakustiker eingeladen. An der HCU gibt es einen gleich nebenan. So bleibt alles im Bereich der kritikresistenten Kunst, und niemand muss sich mit Physik abplagen. An der Akustik ist jetzt sowieso nichts mehr zu ändern, und gut wird sie ohne Zweifel. Dass sie zu den weltbesten Konzerthäusern gehört, das muss man halt glauben.

Dr.-Ing. Friedrich Weinhold, Norderstedt

Mit zweierlei Maß gemessen

3. August: Mit Ferienbeginn arbeitslos. Ende Juli liefen die befristeten Verträge von 1362 Vertretungslehrern aus und Kommentar Faire Verträge für alle Lehrer

Dieses Thema erbost mich als Mutter dreier Kinder doch sehr. Die Stadt kündigt den Lehrern zum Ende des Schuljahres und stellt sie gegebenenfalls nach den Ferien wieder ein, um Geld zu sparen. Wenn man aber ein Kind im Kindergarten oder einen Vertrag z. B. mit der Jugendmusikschule (JMS) hat, laufen diese Zahlungsverpflichtungen ganzjährig weiter, egal ob Ferien sind oder nicht – wir können an dieser Stelle nicht sparen. Unser städtischer Kindergarten hat im Sommer immer vier Wochen geschlossen, die Kita-Gebühren müssen aber dennoch entrichtet werden, und der Unterricht der JMS entfällt in allen Ferien komplett. Auch hier müssen die Zahlungen weiterlaufen – ohne Gegenleistung. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, und das finde ich nicht korrekt.

Sonja Schulz, Hamburg

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