Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion:

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Ehrlich entscheiden

10. März: Früher beginnende Sitzungen und Fragestunden mit dem Bürgermeister sollen mehr Pep in die Bür­ger­schaft bringen. Dazu auch der Leitartikel: Lebendige De­mo­kra­tie

Die Forderung nach einem wissenschaftlichen Dienst für die Bürgerschaft wird seit sehr vielen Jahren aus guten Gründen immer wieder erhoben. Denn gerade bei einem Teilzeitparlament ist es wichtig, schwierige Fragen unabhängig und auf einem hohen Niveau prüfen lassen zu können, um so ein jedenfalls kleines Gegengewicht zur mächtigen Exekutive mit ihrem Apparat von Spezialisten bilden zu können. Das wird Geld kosten, aber da es nur um wenige Stellen geht, wird der Betrag im Rahmen des Hamburger Haushalts zu vernachlässigen sein. Die Einrichtung eines solchen Dienstes von der Abschaffung der Deputationen als Mittel der Gegenfinanzierung abhängig zu machen, bedeutet vermutlich, die Angelegenheit auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben. Denn die Deputationen, die in der Verfassung verankert sind, entsprechen alter Hamburger Tradition und sind ein Stück Bürgerbeteiligung. Sie sind außerdem stets ein Mittel der jeweiligen Opposition gewesen, Einfluss auf oder jedenfalls Einblick in die Behörden zu bekommen. Das alles wird eine Verfassungsänderung nicht einfach machen, auch wenn man natürlich über die Sinnhaftigkeit von Deputationen nachdenken kann, aber doch nicht im Zusammenhang, Geld für einen wissenschaftlichen Dienst einzusparen. Die Bürgerschaft muss ehrlich und selbstbewusst entscheiden, ob sie gestärkt werden möchte oder nicht, oder ob sie es hinnimmt, immer weiter an Bedeutung zu verlieren.

Reinhard Wagner, Hamburg

Eigentum verpflichtet

9. März: Neues Glashaus ersetzt alte Elbvilla und Kommentar: Rettet die Elbchaussee

Das Thema Verschandelung der Elbchaussee sowie das Schicksal der Grossner-Villa erfüllen mich mit maßloser Wut und Trauer. Wir werden hier Zeugen eines Lehrstücks zum Grundgesetz-Artikel 14, Absatz 2: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Für mich sind der Abriss des „weißen Hauses von Nienstedten“ und die ebenso stil- wie geschmacklose Neubebauung ein eklatanter Verstoß gegen besagten Grundgesetz-Artikel. Nicht nur diejenigen Mitbürger, die die Sozialbindung des Eigentums schon immer für eine leere Phrase hielten, sondern wir alle bekommen hier unter Einsatz von viel seelenlosem Glas und Beton in brutaler Weise vorgeführt: Wer die erforderlichen Euro-Millionen besitzt, kann in diesem Lande machen, was er will! Was derartige Abriss- und Neubaumaßnahmen für die Allgemeinheit (in diesem Fall die Ausflügler an der Elbe) bedeuten, sollen im demokratischen Gemeinwesen Behördenmitarbeiter und gewählte Bauausschussmitglieder überprüfen. Diese haben in meinen Augen komplett versagt, indem sie das Interesse einer vermögenden Einzelperson über das Wohl der Allgemeinheit stellten.

Hans-Jörg Bieger, Hamburg

Inhaltlose Leerformel

8. März: ,An der Alster entstehen Premium-Radwege.‘ Hamburgs Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof nimmt Stellung zu dem umstrittenen Abriss des Alsterradwegs

Der Rückbau eines gut funktionierenden und gern benutzten sicheren Radwegs an der Alster ist völlig absurd. Die Aussage des Staatsrats Rieckhof auf die vielfältige Kritik an dieser Maßnahme „Wir nehmen die Meinung der Bürger ernst“ ist eine der üblichen inhaltlosen Leerformeln, da die Behörde offenbar in keiner Weise auf die Kritik einzugehen beabsichtigt. Diese arrogante Haltung, die auch in anderen Bereichen von Behörden und Politikern praktiziert wird (zum Beispiel Denkmalschutz, Flüchtlingsunterkünfte), trägt auch zu der verbreiteten Politikverdrossenheit bei.

Jürgen Schellberg, Hamburg

Sarkastisch

8. März: Die Inszenierung der Rossini-Oper Guillaume Tell in der Hamburger Staatsoper. Dieser Schuss ging nach hinten los

Die Kritik Ihres Rezensenten ist sarkastisch und grenzt teilweise an Zynismus. Natürlich hat der Regisseur einige Fehler gemacht, es waren aber auch gute szenische Ideen dabei. Die Leistung der Sänger, des Orchesters und des Chores wurden vom Premierenpublikum mit großem Applaus gewürdigt. Erst danach traten Regie etc. auf die Bühne, und es erfolgten dafür Buhrufe. Insgesamt war es eine spannende, niemals langweilige Aufführung. Hamburger, geht in die Hamburgische Staatsoper und erlebt die großartige Musik von Rossini!

Marlis und Alfred Graaf, per E-Mail

Für Kinder gefährlich

10. März: Design-Website hat gewählt: Pop­pen­büt­tel und die schönsten Hal­te­stel­len der Welt

Man steht nicht am Poppenbüttler Busbahnhof wegen des wunderschönen Daches, sondern weil man auf einen Bus wartet und vor Regen und Wind geschützt sein will. Den Regen hält das Dach in der Tat ab, nicht aber Wind. Deshalb schlage ich vor, größere Stellwände auf der Fläche zu verteilen. Aber auf keinen Fall aus Glas; denn die vorhandenen Glasscheiben auf den Sitzbänken sind für herumtollende Kinder und Vögel gefährlich. Wenn ich die Buswartestellen in Hamburg betrachte, habe ich das Gefühl, dass Architekten und Beamte die Busse nicht benutzen.

Erika Reiber, Hamburg

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