Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 16. Februar 2015

Lesedauer: 5 Minuten

Langer Atem vonnöten

14. Februar: „Frauen wollen mehr arbeiten... Mit Kita-Plätzen, Geldkonten und gerechten Löhnen sollen Wünsche real werden. Geht das?“

Studien und Statistiken sind immer mit Vorsicht zu genießen. Wer hat wen, warum, wie gefragt? Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass die meisten Frauen mit Kindern, wenn sie frei und ohne materielle Zwänge entscheiden könnten, lieber weniger erwerbstätig wären. Ich sage ausdrücklich „erwerbstätig“, denn „arbeiten“ tun sie in der Familie ja auch – diese Arbeit wird nur nicht bezahlt. Es wird noch viele Generationen dauern, bis Männer zu Hausmännern umgepolt werden. Löbliche Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn die Politik die Menschen umerziehen will, braucht sie einen langen Atem.

Dörte Lauerbach

Masochistisches Vergnügen

13. Februar: „Eine Beleidigung namens Fräulein“

Die Lektüre war mir ein Vergnügen, wenngleich eines mit masochistischen Zügen. Denn eine Glosse lebt ja von karikaturhaften Übertreibungen, und leider habe ich im heutigen Artikel keine einzige gefunden. Insofern handelte es sich hier wohl mehr um einen Tatsachenbericht. Selbstverständlich meint seit der Steinzeit jeder älter werdende Mensch, die jeweilige Jugend sei verroht, unhöflich und noch vieles Schlechte mehr. Aber ich habe dennoch ernsthafte Schwierigkeiten mit dem um sich greifenden Mangel an Respekt, mit einem Mangel an Allgemeinbildung sowie an Schreib- und Rechenkompetenz und mit der Meinung vieler Jugendlicher, alles Althergekommene sei perse schlecht. Ja, das sind Vorurteile. Und wenn dann, wie vorhin, eine in meinen Augen „wüst“ aussehende Jugendliche im überfüllten Bus höflich aufsteht und den Platz mit kleinem Knicks einer alten Dame überlässt, dann geniere ich mich auch manchmal für diese Generalisierungen. Aber gefallen hat mir der Artikel dennoch.

Christian Dereser

Escheburg tut weh

13. Februar: „Nach Anschlag auf Asylunterkunft in Escheburg: 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt“

Was bei uns im idyllischen Escheburg geschehen ist, tut weh. Ich hoffe nur, dass diese schändliche Tat schnell aufgeklärt wird. Trotzdem sollte man die Frage stellen, ob eventuell das vorschnelle Handeln der zuständigen Verwaltung erst den Raum geöffnet hat, eine solch fremdenfeindliche Tat zu begehen? Anstatt dass Familien in die Doppelhaushälften einziehen, wie im Vorwege zugesagt, entschließt sich die Verwaltung zu einem Sinneswandel und plant, sechs junge Männer aus dem Irak in das neue Asylantenheim, zwischen dem Kindergarten und der Grundschule gelegen, einziehen zu lassen. Der Gemeinde selbst wurden nur genau 18 Tage, den Nachbarn, sogar nur vier Tage Zeit gegeben, sich auf eine neue Situation, ein Asylbewerberheim in unmittelbarer Nähe, vorzubereiten. Diese neue Belegung führt unweigerlich zum Unmut in der Bevölkerung und speziell bei den Anwohnern. Wäre es nicht wesentlich besser gewesen, wie bereits im Nachbarort Kröppelshagen geschehen, die betroffenen Anwohner in den Entscheidungsprozess mit einzubinden? Asylbewerber und Flüchtlinge sollten in unserer Mitte aufgenommen werden, hierzu muss aber auch die Bevölkerung mitgenommen werden, um deren Akzeptanz in die Eingliederung zu nutzen. Trotzdem! Was bei uns passiert ist, darf nicht geschehen und ist aufs Schärfste zu verurteilen.

Gunther Schrock, Ehemaliger Bürgermeister Escheburg

Halterhaftung einführen

12. Februar: „176 ‚Rotlichtsünder‘ an einem Tag. 318 Beamte bei Großkontrolle in ganz Hamburg im Einsatz“

Im Bericht zitieren sie die Polizei, dass die Akzeptanz der Verkehrsregeln immer mehr abnimmt. Das kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung bestätigen. Und woran liegt es? Unter anderem daran, dass heute fast jeder, der bei Übertretungen erwischt wird, zunächst behauptet, er sei es nicht gewesen. Die Justiz darf sich dann mühen, den Täter zu finden, oft kommt nichts dabei heraus. Wir sollten also, wie in anderen Ländern, eine Haftung des Halters einführen. Das bedeutet, es ist egal, ob er selbst gefahren ist oder nicht. Es spart jede Menge Ermittlungen und Gerichtsverfahren. Darüber sollte diskutiert werden statt über Helmpflicht für Radfahrer.

Joachim Franke

Wilder Westen Hamburg

Als tägliche Fußgängerin in der City sehe ich an jeder Ampel, an der ich warten muss, einen Autofahrer bei Rot fahren – nach dem Motto (m)einer geht noch – und in jedem dritten Auto fummelt einer mit dem Handy. Also Fußgänger und Radfahrer: In Hamburg Wild West gilt noch freie Fahrt für freie Bürger.

Karin Jeß

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Briefe auch auf www.abendblatt.de

Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe