Briefe an die Redaktion: 29. Februar 2012

Lesedauer: 6 Minuten

Konsens herstellen?

28. Februar: "Debatte: Präsident bleibt Präsident"

Das Verhalten einer in der Öffentlichkeit stehenden Person ist zunächst an rechtlichen Maßstäben zu messen, die für alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen gelten. Anhand dieser Kriterien wird man sagen müssen: Herr Gauck darf so handeln. Ob er es auch moralisch darf, ist eine Frage, deren Beantwortung daran krankt, dass allenthalben suggeriert wird, es gäbe für deren Beantwortung allgemein verbindliche moralische Maßstäbe. Dass dies nicht der Fall ist, haben doch die sehr unterschiedlichen Reaktionen auf die Heiratsaufforderungen aus der CSU deutlich gezeigt. Die Orientierung an moralischen Maßstäben kann man leicht fordern, diese aber zu definieren und Konsens darüber herzustellen, dürfte kaum möglich sein.

Dr. Tim Schurig

Gegen den Wählerwillen

28. Februar: "Griechenland-Hilfe: 130-Milliarden-Paket gebilligt"

Es ist traurig zu sehen, wie unsere einst so gepriesene Demokratie demontiert wird. Allen Umfragen nach ist die Mehrheit der Bürger gegen das zweite Hilfspaket, genau wie es schon bei dem ersten Paket der Fall war. Auch der Euro wäre wohl nicht in Deutschland eingeführt worden, wenn das Volk entschieden hätte. Alle großen Volksparteien entscheiden hier einheitlich, wie so oft, klar gegen den Willen der Wähler. Kein Wunder, dass die Wahlbeteiligungen stark rückläufig sind.

Frank Offermann

Schlimm genug

Ich kann es nicht verstehen, dass man Griechenland mit Milliarden unterstützen will, aber Deutschland selbst ein hoch verschuldetes Land ist. Alles geht zulasten der Steuerzahler. Warum schließt man Griechenland nicht aus der Euro-Zone aus? Es ist schlimm genug, wie die Politiker dort reagieren. Das Volk steht vor der Pleite, aber die Reichen sahnen ab. Irgendwas läuft falsch in diesem Land.

Brigitte Baier

Eingriff in Freiheitsrechte

28. Februar: "1 Kassenrollen-Wurf, 5800 gesperrte Plätze. DFB sperrt Fans aus"

Würfe von Gegenständen auf das Spielfeld sind tabu, das ist klar. Doch mit diesem Urteil spricht der DFB eine Kollektivstrafe aus, die ein entwickeltes Rechtswesen, wie das deutsche, überhaupt nicht kennt. Der DFB greift damit in die Freiheitsrechte Unbeteiligter ein. Hätte es der DFB in einem vergleichbaren Fall gewagt, ein solches Urteil etwa gegen Bayern München oder andere Topklubs zu fällen? Man darf gespannt sein, wie der DFB in der Zukunft entscheiden wird.

Jutta und Roland Bunke

Deutlich langsamer

28. Februar: "R 10: Jeder zehnte Zug kommt zu spät. Entlastet werden soll die Strecke durch die S 4" Im Zehn-Minuten-Takt sollen zukünftig die Güterzüge durch Stormarns Städte und Gemeinden poltern. Damit dies technisch möglich wird, soll die Regionalbahn der R 10 von Bad Oldesloe nach Hamburg gestrichen werden. Die geplante S 4 kann den Wegfall der R 10 auf dieser Strecke jedoch in keiner Weise kompensieren. Sie ist deutlich langsamer, lauter und unbequemer. Das Sitzplatzangebot ist um 20 Prozent geringer. Zugbegleitung, Toiletten und Klimaanlage suche ich in der S-Bahn vergebens. Die bisher vorgesehenen 450 Millionen Euro Kosten für die Einführung der S 4 werden ein Fall für den Rechnungshof!

Lutz König

Jüngeren Platz machen

27. Februar: "Mit 60 Jahren zu alt für die Feuerwehr. Hamburger klagt gegen Altersdiskriminierung"

Jedem fällt es schwer einzusehen, dass man älter geworden ist und nun Jüngeren Platz machen muss. Trotz durchschnittlich längerer Lebensdauer im Allgemeinen wächst für den Einzelnen dennoch mit jedem Jahr das Risiko, insbesondere unter besonderer Belastung wie Stress, plötzlich und unerwartet vom Herztod dahingerafft zu werden. So hat die Altersgrenze der Feuerwehr vor allem den Sinn, das Sicherheitsrisiko auszuschließen, dass ältere Feuerwehrleute unter Einsatzbelastung plötzlich zusammenbrechen und ihr Tod im Einsatz das Leben der Bürger, die sie retten sollen, zusätzlich gefährdet. Wer mit 60 stellvertretender Wehrführer war, hat sicher Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit in der Feuerwehr hinter sich, auf die er stolz sein kann. Dort gibt es aber sicher auch schon geeigneten Nachwuchs, der gerne selbst einmal ran will.

Ralf-Lutz Glor

Zeichen der Versöhnung

27. Februar: "Schatz der 'Nuestra Señora' nach 200 Jahren wieder im Heimatland"

Ich möchte ja bezweifeln, dass der Schatz nun wirklich in sein Heimatland zurückgebracht wurde. War es nicht denn eher so, dass die Spanier die Edelmetalle der Ureinwohner des heutigen Südamerika gestohlen und eingeschmolzen haben, um sie besser nach Spanien transportieren zu können? Zwar hilft es den ermordeten Ureinwohnern nicht mehr, aber Spanien sollte ein Zeichen der Versöhnung setzen und den Schatz dorthin bringen, wohin er eigentlich gehört.

Volker Hettwer

Mit Sicherheit zu wenig

27. Februar: "Oppositionsführer Dietrich Wersich (CDU) über die Fehler des Senats"

Die Ansichten Dietrich Wersichs zeugen doch von einem erheblichen Realitätsverlust. Wer, wie die CDU, nach der letzten Bürgerschaftswahl mit nur 21 Prozent aller Wählerstimmen aus dem Hamburger Rathaus verbannt wurde, hat erst mal vor der eigenen Tür zu kehren und nicht die Schuld bei anderen zu suchen. Wo Herr Wersich bei Ole von Beust Kreativität sah, entstand beim Bürger der Eindruck von Passivität. Was Dietrich Wersich bei Olaf Scholz als absolutistischen Regierungsstil sieht, kommt beim Bürger ganz anders an. Nur auf Fehler zu hoffen und keine Alternativen aufzuzeigen, ist mit Sicherheit zu wenig.

Wilfrid Warncke

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