Der Chefredakteur antwortet

abendblatt.de nach einer Woche - was schon gut ist und was noch besser geht

| Lesedauer: 6 Minuten

Ich bin ein regelmäßiger Web-Leser. Ihr neuer Online-Auftritt hat mich durchaus angesprochen - durch die Mehrspaltigkeit und die grüne Schrift bekomme ich das Gefühl, beinahe eine gedruckte Zeitung zu lesen. Allerdings vermisse ich etwas für mich sehr Wichtiges. Auf den regionalen Seiten aus Stormarn finde ich die Sportmeldungen nicht mehr. Können Sie mir sagen, wo die versteckt sind? Im Übrigen hatte ich den Eindruck, dass nun die regionalen Meldungen eine Mischung aus ein bis zwei Tage alten und aktuellen Nachrichten ist. Dies finde ich so doch recht unübersichtlich.

Dagmar Tobies

Sieht ja alles prima aus. Aber wo ist die Versende-Funktion für die einzelnen Artikel geblieben? Die brauche ich nämlich.

Annette Meents

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Internetseite, die ich gerne anschaue und lese. Aber wo ist die informative Seite für Heizölpreise in Hamburg geblieben? Dort konnte ich täglich den aktuellen Preis für Heizöl ablesen. Danke für baldige Info.

Inge Breyde

Optisch ist es sehr viel übersichtlicher geworden. Man findet sich schneller zurecht - auch bei mehr Inhalten. Das schlichtere Design gefällt mir ebenfalls besser. Hanseatisch zurückhaltend - sehr gut.

Andreas Albrecht

Liebe Dagmar Tobies, liebe Annette Meents, liebe Inge Breyde, lieber Andreas Albrecht, sehr geehrte Abendblatt.de-Leserinnen und -Leser,

vor einer Woche haben wir unseren neuen Internet-Auftritt gestartet. Über die positive Resonanz freuen wir uns sehr - und über Ihre kritischen Anmerkungen auch. Schnell der Reihe nach:

1. Die Sportmeldungen im Regionalen sind jetzt wieder zu finden.

2. Die Versendefunktion für die einzelnen Artikel habe ich auch am meisten vermisst, was ihr Comeback sicher beschleunigt, aber: Angesichts der komplexen Technik geht das nicht von heute auf morgen.Wir arbeiten daran, und ich bin guten Mutes, dass Sie noch in dieser Woche Artikel aus abendblatt.de wie gewohnt versenden können.

3. Die Heizölpreise gehörten zu einer Kooperation mit einem Partner, die zu Ende gegangen ist. Wir werden den Service so bald wie möglich aber wieder anbieten.

4. Über die "hanseatische Zurückhaltung", die Sie uns attestieren, haben wir uns besonders gefreut. So war der Re-Design-Ansatz gedacht, weshalb uns manch andere Kritik, früher sei es "schöner" gewesen, ein bisschen irritiert.

Ihre Reaktionen sind der Beweis dafür, dass ein gutes - und mithin erfolgreiches - Nachrichtenportal vor allem von einem lebt: der Vielfalt der Inhalte und Angebote, die das Hamburger Abendblatt jeden Tag bietet. Vieles davon haben wir bereits in den neuen Auftritt übertragen. Manches haben wir einer Prüfung unterzogen und nun gesehen: Ja, wir brauchen es unbedingt! Dazu gehört die Elferwette im Fußball-Channel. Manches werden wir sukzessive weiterentwickeln - mit der Hilfe unserer Technikkollegen, aber vor allem mit der Hilfe unserer Leser, die unsere besten und konstruktivsten Kritiker sind. Denn mit dem Start des neuen Webauftritts ist unser Wunsch nach Innovation nicht beendet - jetzt geht es erst richtig los.

Selbstverständlich setzen wir uns laufend auch intensiv mit den Rezensionen unserer Website in den wichtigsten Fachmedien auseinander. Meedia.de attestiert "Mut", sieht "ohne Zweifel einen Fortschritt", lobt das "gefällige Design", vermisst aber Stadtteil-Blogs und die Einbindung der Leser. Ein Meedia.de-Leser ergänzt: "Das Scrollen (erinnert ein wenig an NYTimes, nur übersichtlicher) ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber durch den klaren Aufbau macht es Spaß ...", schreibt Marc-Nicolas Oerke. Turi2.de verlinkte auf abendblatt.de mit dem Hinweis "Vom ,Abendblatt 3.0' ist wenig zu sehen. Der Videobereich ist ausbaufähig, Kommentare und Blogs fehlen ganz." Horizont-Chefredakteur Jürgen Scharrer notiert in einer ausführlichen Besprechung: "Man ist nicht bass erstaunt und überwältigt von dem mit Spannung erwarteten neuen Internetauftritt von abendblatt.de. Aber Enttäuschung oder gar Häme mag sich auch nicht einstellen", denn was dort auf die Beine gestellt worden sei, "ist schon bemerkenswert und durchaus interessant". Und: "Auch die Einbettung von Videos und Bildergalerien ist ästhetisch überzeugend. Was zudem auffällt, ist das außerordentlich große Angebot an Artikeln und Informationen auf der Website. Das wirkt zwar einerseits etwas überladen, verführt aber sehr wohl zum Verweilen. Technisch ist abendblatt.de auf der Höhe der Zeit, der Leser kann die Schrift vergrößern, sich Seiten als E-Paper herunterladen und einiges mehr." Und bei designtagebuch.de findet sich die Analyse: "Abendblatt.de ist nicht länger ein Spross der Zeitung, sondern das digitale Nachrichtenangebot ,Hamburger Abendblatt'.

Mit Blick auf das Abendblatt und abendblatt.de wird zunehmend klar: Die Unterscheidung von "Usern" und "Lesern" mag medienhistorisch erklärbar sein, für uns als Redaktion ist sie nicht zielführend. Denn auch Online-User tun im ersten Schritt nichts anderes als Zeitungsleser: Sie lesen! Vor allem Texte, die sie interessieren, die gut geschrieben sind, die Neues enthalten oder uns Bekanntes neu sehen lassen. Sie sehen Bilder, die eine eigene Geschichte erzählen, und Videos, die die Stärke von bewegten Bildern nutzen. Und schließlich sind auch Zeitungsleser "User", denn sie sehen ihr Medium zumeist als Service- und Dienstleistungs-Plattform.

Die Frage, wie wir diese Plattform täglich noch besser machen können, wird uns bei der laufenden Weiterentwicklung des Abendblatts in den kommenden Wochen und Monaten bewegen - in Print und Online.

Herzlichst, Ihr Claus Strunz

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