Jena. Es geht um Mord, Rache und um Frauen, die von Männern wie Dreck behandelt werden. Doch bei aller Härte steht im neuen Krimi um die Forensikerin Wolff die Suche nach dem Zwischenmenschlischen im Fokus.

Im neuen „Theresa Wolff“-Krimi müssen die Ermittler zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Denn an der Hand der Leiche, die aus der Erde ragt, fehlt ein Finger. Da wird eben der Magen des Hundes des Toten ausgepumpt. Dort soll das fehlende Körperteil nämlich zu finden sein. Derweil zeichnet sich ab: Der Mann wurde offensichtlich geschlagen und dann lebendig vergraben.

Die Umstände des Mords, der an diesem Samstag (20.15 Uhr, ZDF) die Jenaer Rechtsmedizinerin Wolff (Nina Gummich) beschäftigt, scheinen entsetzlich. In ihrer typisch-unironischen Manier findet sie dennoch tröstende Worte für den Toten: „Bis auf den fehlenden Finger sehen Sie ja eigentlich ganz passabel aus“, sagt sie zu ihm.

Wolff will nicht nur mit den Toten reden

Auch in ihrem mittlerweile vierten Fall redet Wolff mit den Leichen auf ihrem Seziertisch, als könnten diese noch direkt antworten. Neu ist: Die Medizinerin, die sich so schwer mit Zwischenmenschlichem gegenüber den Lebenden tut, will das ändern. Dabei geht sie strategisch vor, macht sich einen Plan, setzt sich Ziele. So viel sei verraten: Einige davon wird sie bis zur Auflösung des Falles erreicht haben.

Der Tote entpuppt sich derweil als ein zu Lebzeiten gewalttätiger Zuhälter. Wobei sich die Drehbuch-Autoren nicht lange mit der recht klischeehaft gezeichneten Figur des Toten aufhalten, sondern den Fokus auf die Frauen legen, die unter ihm gelitten haben. Denn der Fall lässt sich dann doch nicht mit der einfachen Erklärung lösen, dass der Zuhälter wegen konkurrierender Geschäfte sterben musste.

Ins Spiel kommen noch ein schmieriger Brautmoden-Händler, eine überzeichnete, hoch-traumatisierte Prostituierte und Mutterfiguren. Die Wendungen machen die Geschichte zwar interessanter, aber so mancher Erzählstrang will sich auch bis zum Ende nicht so recht gerade ziehen lassen. Im Vergleich zu Wolffs vorherigem Fall, der dem ZDF bei der TV-Erstausstrahlung immerhin einen Marktanteil von 23,8 Prozent bescherte, kommt „Dreck“ etwa grobschlächtiger daher.

Immerhin: Die Zuschauer lernen gemeinsam mit der eigenwilligen Rechtsmedizinerin auch mehr über das Innenleben des Kommissars, dessen Ermittlungen Wolff maßgeblich vorantreibt. Denn Bruno Lewandowski (Aurel Manthei) fällt es deutlich schwer, seine durch Erlebnisse in der Vergangenheit provozierte Abneigung gegen Zuhälter zu verbergen. Der Umstand droht ihm zwischenzeitlich auch zum Verhängnis zu werden.