TV-Tipp

Der neue „Landkrimi“ punktet mit Spannung und Witz

Warum zahlen wir den Rundfunkbeitrag?

Immer wieder steht der Rundfunkbeitrag in der Kritik. Dabei ist er als ein Pfeiler unserer Demokratie gedacht. Wir zeigen, wofür wir den Beitrag eigentlich zahlen.

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Wegen eines Pipeline-Projektes soll in der neuen „Landkrimi“-Folge der Mord an einem Callgirl vertuscht werden – ein gelungener Krimi.

Essen. Ein multinationales Erdgas-Pipeline-Projekt ist unter Dach und Fach. Österreichs Wirtschaft rechnet mit Aufträgen in Milliardenhöhe. Mathis Benoit, Leiter der belgischen Delegation, äußert sich vor Kameras „äußerst zufrieden über den Abschluss, der in erster Linie dem Volk zugutekommt. Denn Arbeit schafft Wohlstand.“

Was soll man da sagen? Die Akten sind geschlossen. „Wir haben das Richtige getan, oder?“, versucht Franziska „Franzi“ Heilmayr (Stefanie Reinsperger) ihren Kollegen Martin Merana (Manuel Rubey) und sich selbst zu überzeugen. Das Richtige? Ja. Vor allem das Mögliche. In der neuen Folge der österreichischen „Landkrimi“-Reihe geht es um das, was man „übergeordnete Interessen“ nennt. Auch im Wörterbuch steht „Politik“ bekanntlich vor „Polizei“.

„Landkrimi“ spielt dieses Mal in Salzburg

„Das dunkle Paradies“ (Montag, 24. August, 20.15 Uhr im ZDF) ist der zweite Fall für Heilmayr, Postenkommandantin in Zell am See, und Kripo-Kommissar Merana. Seit 2012 produziert der ORF die bewusst nicht homogene Fernsehfilmreihe, die abwechselnd in jedem der neun Bundesländer sowie in Südtirol mit wechselnden Schauspielern und Regisseuren gedreht wird. Eigen ist allen Episoden, dass der reine Kriminalfall zurücktritt hinter landestypische Merkmale wie Sitten und vor allem Sprache, also Dialekt.

In der neuen, humorvoll und windungsreich entwickelten „Salzburg“-Geschichte (Regie und Buch: Catalina Molina) ist das nicht ganz so ausgeprägt. Dafür liegt nun ein besonderer, dabei keinesfalls störender Akzent auf dem komplizierten Privatleben Franzis.

Während die noch krampfhaft überlegt, wie sie sich ihren erzkonservativen Eltern als „bi“ outen und ihre Beziehung zu Anni (Andrea Wenzl) beichten soll, wird in einem Nobelhotel in Zell am See die Leiche des Edel-Callgirls Irene entdeckt. Der erste Verdacht fällt auf den vorbestraften Roland Teichtner (Wolfgang Rauh), der als Fahrer für die gleiche, bis in höchste Kreise vernetzte Agentur tätig war wie Irene und der die Ermordete vermutlich als letzter lebend gesehen hat.

„Landkrimi“ lebt von exzellenten Darstellern

Doch Franzi kann sich Roland, der umgehend festgenommen wird, einfach nicht als Mörder vorstellen, zumal der ausgerechnet Annis Bruder ist. Die Postenkommandantin ermittelt auf eigene Faust, was dem leitenden Kriminalbeamten, ihrem alten Bekannten Merana, gründlich missfällt.

Die Wortgefechte zwischen beiden gehören, dank der exzellenten Darsteller, zu den starken Momenten, wie überhaupt der Film immer dann punktet, wenn die Regisseurin in raffinierten Zweierkonstellationen Schauspielkunst und witzige Dialoge zusammenführt. Wie Franzi etwa den alten Hotel-Concierge Leopold (Nikolaus Paryla) beim Schnapserl umschleimt, wie der sich genüsslich umschleimen lässt, ehe er mit hilfreichen Informationen rausrückt, das ist ein köstliches Kabinettstück.

Heilmayr und Merana stoßen auf eine große Vertuschungsaktion mit Teichtner als Sündenbock. Zum Schluss wird der aus der Haft entlassen. Franzi outet sich und macht Anni einen Heiratsantrag. Und Mathis Benoit tritt vor die Kameras.

• Montag, 24. August, 20.15 Uhr im ZDF: „Landkrimi: Das dunkle Paradies“