CDU-Krise

AKK bei Markus Lanz: Vieles klingt nach Selbstverteidigung

Markus Lanz interviewte die scheidende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie sei mit sich im Reinen, betonte sie.

Markus Lanz interviewte die scheidende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie sei mit sich im Reinen, betonte sie.

Foto: Screenshot / ZDF

Während die CDU-Chef-Kandidaten Interviews in den Nachrichten gaben, sprach AKK mit Markus Lanz. Und machte keine gute Figur.

Berlin. Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist mit sich und mit allen anderen im Reinen. Sogar mit Friedrich Merz. Warum, das erzählte sie bei „Markus Lanz“ am Dienstagabend.

Ein bisschen erinnerte die Situation an einen Zahnarztbesuch: Dem Patienten ist es ein wenig beklommen zu Mute. Doch wenn der Zahnarzt nur die richtigen Worte findet, entspannt sich auch der Patient.

Jetzt ist die Bundesverteidigungsministerin und scheidende CDU-Parteivorsitzende keine Patientin und Markus Lanz kein Zahnarzt. Doch Lanz schaffte es trotzdem mit warmen Worten, der Ministerin ein Stück Wohlgefühl zu vermitteln.

Bei Markus Lanz gibt Kramp-Karrenbauer sich diplomatisch

Was natürlich schnell dazu führt, dass sich Politiker allzu wohl fühlen und eine Stanze nach der anderen abarbeiten. In diesem Sinne reihten sich Floskel an Floskel, auch was die Aufgabe des Parteivorsitzes angeht. AKK-Sprech: „Mir war klar, dass es als Parteivorsitzende keine leichte Zeit wird.“ So ging das weiter. Bis Lanz sagte: „Sie sind Verteidigungsminister, wirken aber eher wie eine Chefdiplomatin.“

Über so etwas kann Kramp-Karrenbauer dann sogar lachen. Anscheinend mag sie es, wenn ihr jemand auch mal so kommt. Jedenfalls, wenn Lanz es ist.

Kramp-Karrenbauer will mit Laschet-Spahn-Duo gerechnet haben

Er gibt einfach keine Ruhe. Bohrt nach, ob sie denn gewusst habe, dass Armin Laschet sich mit Jens Spahn zusammen für die Kandidatur um den CDU-Vorsitz bewirbt. Dass Laschet Spahn sozusagen aus dem Hut gezaubert hat.

„Ich wusste, dass es Gespräche gab“, sagt AKK. Am Ende, nachdem sie lange versucht hat, den Eindruck zu erwecken, als hätte es ihr irgendjemand gesagt, stellt sich dann heraus, dass sie es aus den Medien erfahren hat. „Ja, aber es hat mich nicht überrascht“, sagt sie. Und dann der Satz, der in dem Kontext doch irgendwie sehr fremd wirkte: Hätte sie gewettet, wäre ihre Wette so gelaufen. Sie sagt das so, als würde sie sich am liebsten auf die Schenkel schlagen.

Kandidatur für den CDU-Vorsitz: Armin Laschet und Jens Spahn – wie stark ist das CDU-Duo?

Wie sie denn zu den Kandidaten stehe. Sie sei natürlich neutral, sagt sie. Und außerdem sei sie mit allen im Reinen. „Auch mit Friedrich Merz?“, fragt Lanz. „Auch mit Friedrich Merz.“ Ob sie das denn auch so sehe wie Merz, der sagte, er sei ihr gegenüber immer loyal gewesen. Dazu sagte sie nur, dass sie mit ihm und auch mit sich im Reinen ist.

Dass sie ihm noch am Montag einen Minister-Posten angeboten haben soll? „Ich habe alle Gespräche vertraulich geführt“, sagt sie. Ob sie denn das Angebot an Merkel vorbei gedacht habe? AKK will es auf ihre leicht kryptische Art verdeutlichen, redet „von einer guten Idee, wenn Merz am Kabinettstisch sitzen würde“, um es dann noch mal zu verdeutlichen: „Wenn es mein Kabinett gewesen wäre, hätte er sicher einen Platz gehabt.“

Manchmal wirkt AKK bei Lanz sogar rührend

Manchmal ist es sogar rührend, wie ehrlich diese AKK ist. Andere Polit-Strategen hätten längst nicht so brav die Fragen abgearbeitet, sondern das Heft mal selbst in die Hand genommen.

Natürlich ist es gut, wenn sie erklären will, warum es in Thüringen zu dem CDU-Desaster gekommen ist. Sie habe doch so viel „kommunziert“. Dass beim Zuschauer allerdings nur rüberkommt, dass sie kommuniziert und nichts erreicht hat, scheint sie gar nicht zu bemerken.

Wäre sie ein wenig gewiefter, hätte sie die Anregung eines weiteren Teilnehmers der Runde – Naturexperte Dirk Steffens, der auch Politologe ist – aufgegriffen: Er bemängelte, dass sich bei den Parteien immer nur alles um das Personal und nicht um die Inhalte drehe.

Und was tut AKK? Statt den Ball klug aufzunehmen, sagt sie nur, dass so vieles, was geleistet wird, gar nicht öffentlich ankommt. Was schon wieder nach einem ziemlichen Armutszeugnis klingt.

Kramp-Karrenbauer kann auch bei Lanz das Thüringen-Debakel nicht erklären

Ein bisschen versucht sie ja, herauszukommen aus dem Thüringen-Debakel, indem sie sagt, dass sich die Leute auf der Straße doch nicht für Personalfragen der CDU, sondern eher fürs Coronavirus interessieren würden. Da bekommt sie endlich mal Applaus.

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Sie hätte da weiter machen sollen, aber sie lässt sich zu sehr von Lanz und auch von Robin Alexander, dem stellvertretender Chefredakteur der „Welt“, immer wieder aufs Thüringen-Debakel bringen. Das wäre ja gut: Aber doch nur, wenn sie auch Erklärungen hätte. Doch das, was sie sagt, klingt eher redundant, manchmal sogar hilflos oder auch ein wenig bockig.

Die SMS, die sie noch an Lindner geschrieben habe, und die er nicht beantwortete! So nach dem Motto: Ich habe es ja versucht, aber wenn er nicht zurücksimst! Natürlich fragt sich da jeder Zuschauer: Warum rufen Sie ihn denn nicht einfach an, wenn es so wichtig ist.

Vieles, was die Verteidigungsministerin sagt, klingt nach Selbstverteidigung

Ob es sie eigentlich gekränkt habe, dass die Kanzlerin aus Afrika auf das Wahlergebnis in Thüringen reagiert hat. „Nein“, ganz und gar nicht. Merkel sei ja auch sehr gedrängt worden, „sich als Regierungschefin zu äußern“.

Wer sie denn gedrängt habe, fragt Lanz. „Da müssen Sie die Journalisten fragen, die dabei waren“, sagt AKK. Robin Alexander, der nicht dabei war, sagt: „Sie hat die Kanzlerin gebeten.“ Lanz, ein wenig fassungslos, zu AKK: „Sie haben die Kanzlerin gebeten?“ AKK: „Nein, ich habe sie nicht um Hilfe gebeten.“ Aber man sollte sich davon lösen, dass eine solche Wortmeldung „Reingrätschen“ sei oder gar ein „Ordnungsruf“, sagt Kramp-Karrenbauer. Auch mit dieser Auffassung konnte sie nicht wirklich überzeugen.

Wie es denn mit ihr weitergehe, fragt Lanz. Ob sie denn vielleicht sogar im Kabinett von Merz oder Laschet eintreten würde? „Über diese Brücke geht man, wenn man an der Brücke angekommen ist“. Auch wenn AKK Bilder bemüht, wirkt das eher verhunzt. Dann wirft Lanz das „Saarland“ in den Ring. Da spult sie das ab, was sie immer abspult: Ins Saarland gehe sie immer gern zurück, „weil da mein Mann lebt, das ist immer eine Reise wert“.

Warum klingt eigentlich so vieles, was die Verteidigungsministerin sagt, nach purer Selbstverteidigung?