ARD-Sendung

Klima-Talk bei Frank Plasberg: Viele Probleme, keine Lösung

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Statt um die CDU-Krise ging es bei „Hart aber fair“ ums Klima. Die Runde lieferte eine hitzige Debatte – ohne rettendes Ergebnis.

Berlin.  Boris Palmer ist ein Pragmatiker. „Von moralisieren halte ich nicht viel“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister am Montagabend bei „Hart aber fair“. Wenn in einer engen Straße nur Platz sei für Auto oder Fahrrad, habe das Zweirad natürlich Vorrang. So einfach ist das. Zumindest in Tübingen.

Damit gab Palmer schon eine Antwort auf den Titel der Sendung: „Welt im Klimawandel: Wie viel können wir selbst tun?“.

„Hart aber fair“: So will Boris Palmer Tübingen klimaneutral machen

Tübingen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Politik auch im Kleinen etwas bewegen kann. Bis 2030 will Palmer die Stadt „klimaneutral“ stellen. Damit das klappt, Tübingen also keine Emissionen mehr verursacht, prescht der Oberbürgermeister vor.

Palmer lässt Radwege ausbauen, schafft Fahrradparkplätze, macht den Stadtbus samstags kostenlos, besteuert Wegwerfverpackungen und plant, Autos aus dem Zentrum zu verbannen. Ist die beschauliche Universitätsstadt am Neckar damit ein Vorbild für ganz Deutschland?

Die Meinungen jedenfalls, wie Klimaschutz am besten organisiert werden kann, gingen in Frank Plasbergs Runde weit auseinander – genauso wie die Themen, die in 75 Minuten behandelt werden sollten. Von Fleischkonsum über fehlende Stromtrassen und Elektroautos bis hin zu nachhaltigen Produktionskreisläufen wurde zwar vieles angerissen – aber nicht ausdiskutiert.

Am Ende stöhnte FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff: „Über den Emissionshandel haben wir gar nicht gesprochen“.

Für Frank Plasberg war es die zweite Sendung, die er moderierte, nachdem er aus seiner Krankheitspause zurückgekehrt war.In der ersten Sendung hatte Plasberg über Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt diskutiert.Susan Link hatte Plasberg zeitweise ersetzt.

„Hart aber fair“ kratzt nur an der Oberfläche

Stattdessen verlor sich Plasbergs Runde zu oft in Details. Der Chemiker Michael Braungart stellte Schuhe vor, die kein Mikroplastik mehr durch Abrieb absondern, Autorin Janine Steeger berichtete vom Atomunglück in Fukushima, das bei ihr den Ausschlag gegeben habe, das eigene Leben für den Klimawandel umzukrempeln. „Wir müssen weg von so vielen Autos“, sagte sie und trieb damit FDP-Mann Lambsdorff die Zornesröte ins Gesicht.

Der Meteorologe Mojib Latif ärgerte sich derweil über die Rodung des Hambacher Forstes und forderte eine ehrgeizigere deutsche Klimapolitik ein. Hambacher Forst: Der letzte Kampf um die Braunkohle.

Und Alexander Graf Lambsdorff ließ es sich nicht nehmen, noch ein Fass aufzumachen. Zwei Stunden Streaming setze so viel CO2 frei wie ein Inlandsflug – zumindest meine er das gehört zu haben. Na dann. Online-Surfen als Klimakiller? So schädlich ist das Internet.

Die großen Stellschrauben der Klimapolitik – also eine CO2-Steuer oder der Emissionshandel – wurden dagegen gar nicht angesprochen. So entstand der Eindruck, dass es zwar ein Sammelsurium an Problemen gibt, die „große“ Lösung aber fehlt.

Marie-Luise Wolff, Verbandspräsidentin der Energiewirtschaft, forderte mehr Tempo beim Ausbau der „Erneuerbaren“. Die deckten zwar heute bereits 40 Prozent der Stromproduktion ab, allerdings rücke der Ausstieg aus Kohle und Atom näher. Der Fahrplan zum Kohleausstieg steht: Das muss man wissen.

Boris Palmer: „Mit Verzicht rettet der Einzelne nicht die Welt“

Doch was bedeutet all das für jeden einzelnen Bundesbürger? Muss die Politik eine Verhaltensänderung erzwingen, um das Klima zu schützen? Auf diese Frage wollte Frank Plasberg ja eigentlich hinaus. Und die klarste Antwort gab der Grünen-Vertreter in der Runde: „Durch Verzicht wird der Einzelne die Welt nicht retten“, sagte Boris Palmer. Damit werde man nicht erfolgreich sein.

In einem Einspieler machte die Redaktion deutlich, dass Deutschland ohnehin „nur“ für zwei Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sei. China und die USA stoßen ein Vielfaches an CO2 aus. „Alles, was wir tun, ist global symbolisch“, sagte der Liberale Lambsdorff. Wenn Klimaschutz nicht global gedacht werde, sei er zum Scheitern verurteilt. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bot der FDP-Politiker auch an.

Wenn US-Präsident Trump internationale Abkommen aufkündige, müsse man sich Verbündete an anderer Stelle suchen: etwa die großen US-Städte, die am Meer liegen und vom Klimawandel direkt betroffen seien.

Das wiederum passte gut zur Aussage von Boris Palmer, der verkündete, dass ehrgeizige Klimapolitik nicht nur in Tübingen funktioniere. „Es geht in vielen Städten“, so der Kommunalpolitiker. Und ein Anfang wäre es allemal.

Mehr zum Thema Klimaschutz:

Die Sendung „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek.