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CDU-Zoff: Darum warnt Norbert Blüm vor Friedrich Merz

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

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Er ist kein Fan: Bei Sandra Maischberger kritisierte Norbert Blüm sehr deutlich Friedrich Merz. Eine Politikerin sah das ganz anders.

Berlin.  Kristina Schröder hat genug von der Mitte. Da werden zwar Wahlen gewonnen, aber: „Das hat zu Leidenschaftslosigkeit geführt“, sagte die ehemalige Familienministerin bei Sandra Maischberger.

Sie wünsche sich eine Union, die sich wieder klar positioniert. Die im Zweifel konservativer und wirtschaftsliberaler ist. Was Schröder nicht bestätigen wollte: Dass sie dafür auf dem kommenden CDU-Parteitag Friedrich Merz wählen wird.

Davon kann Norbert Blüm nur abraten. Bei Maischberger warnt der frühere Arbeitsminister davor, für Merz zu stimmen.

Maischberger – das waren die Gäste:

  • Norbert Blüm, ehemaliger Bundesarbeitsminister
  • Gabor Steingart, Journalist
  • Melanie Amann, Journalistin
  • Werner Patzelt, Politikwissenschaftler
  • Kristina Schröder, ehemalige Familienministerin

Die Rückkehr des ehemaligen Fraktionschefs auf die politische Bühne elektrisiert die Partei. Merz hat es geschafft, zur Projektionsfläche zu werden – für Unterstützer und Gegner gleichermaßen.

Bei Sandra Maischberger (Thema: „Der Dreikampf des Jahres – Wer übernimmt Merkels Thron?“) ließ sich beobachten, wie Merz, je nach Standpunkt, für alle möglichen Wünsche, Sehnsüchte und Ängste herhalten muss.

Friedrich Merz: Retter der Union oder kalter Neoliberaler?

Kristina Schröder etwa, die sich selbst als „konservativ-liberal“ bezeichnet, sieht in Friedrich Merz eine Art Retter des Parteiensystems. Die Union gewinne enttäuschte Wähler zurück, die SPD könne sich an ihm reiben. Und die Ränder, AfD und Linke, würden schwächer. Schwarz-gelbe Koalitionen seien dann wieder möglich. Merz sei Dank!

Die andere Erzählung geht so: Friedrich Merz ist ein kalter Neoliberaler, der dem Sozialstaat den Kampf ansagt. Auch diese (Minderheiten-)Position wird in der CDU vertreten – etwa vom ehemaligen Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm.

Auf dem Leipziger Parteitag 2003 rasselte Blüm mit Merz aneinander. Der Grund: Zusammen mit Angela Merkel verordnete Merz der Union ein neoliberales Programm. Blüm war einer der wenigen, der protestierte. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum CDU-Parteitag in Hamburg.

Ob Merz heute da weitermache, wo er 2003 aufgehört habe? „Ich habe noch nichts Neues von ihm erfahren“, ätzte Blüm. Gerechtigkeit, so der ehemalige A

rbeitsminister, lasse sich nicht auf einem Bierdeckel realisieren – eine Anspielung auf die alte Merz-Idee, das Steuersystem radikal zu vereinfachen.

Dass Merz sich zudem für den Vermögensverwalter Blackrock (Blüm: „Ein Haifisch“) engagierte, zeige: Er sei ein Mann des Kapitals. Dazu passe auch sein Vorschlag, Aktien für die Altersvorsorge attraktiver zu machen.

Inhaltlich blieb der Kandidat bisher vage

Wo Kristina Schröder das Bild vom Hoffnungsträger der Konservativen zeichnete, warnte der Sozialpolitiker Norbert Blüm vor neuen neoliberalen Experimenten – und vor der Wahl von Friedrich Merz zum Parteichef.

Doch zur Wahrheit gehört auch: Inhaltlich blieb der Kandidat Merz bisher vage. Darauf machte die „Spiegel“-Reporterin Melanie Amann aufmerksam, die Merz aber gleichzeitig als spannendsten Kandidaten bezeichnete – zumindest aus Sicht der Presse.

Einkommensmillionär, Privatflugzeug, glänzender Rhetoriker: Friedrich Merz verfügt über viele Eigenschaften, die ihn nicht nur für den Boulevard attraktiv machen. Ex-Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart adelte Merz als jemanden, der „wisse, was in der Wirtschaft los sei“.

Er kümmere sich um Einnahmen und Wachstum. Und nicht nur darum, das Geld zu verteilen. Merz sei ein Visionär – im Gegensatz zu seiner ärgsten Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Mit „AKK“ rechnete Steingart ab. „Sie ist Merkel-Minus“, sagte der Journalist.

Die Kanzlerin hatte früher – Stichwort 2003 – zumindest ein Programm. Kramp-Karrenbauer aber habe gar nichts: weder intellektuelle Schärfe, noch Themen und erst recht keine Idee, wo sie das Land hinsteuern wolle. „Sie ist keine Führerin“, so Steingart.

Friedrich Merz: Deshalb will er jetzt CDU-Chef werden

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Kein Platz für Jens Spahn im „Dreikampf“

Auch der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, selbst Unions-Mitglied, sagte, dass es eine Sehnsucht nach Orientierung in der Partei gebe. Dass jemand sagt: Dieser Weg ist der Richtige. Und dieser jemand – das musste Patzelt nicht direkt aussprechen – ist eben Friedrich Merz.

Es ist bezeichnend, dass Maischbergers Redaktion die Sendung mit „Dreikampf“ um die Merkel-Nachfolge umschrieb, Jens Spahn aber nur in Nebensätzen erwähnt wurde. Auch „AKK“ bekam deutlich weniger Zeit als der heimliche Star der Sendung: Friedrich Merz.

Über den wurde zwar schon viel gesagt und geschrieben. Erwartungsgemäß lieferte Maischbergers Runde hier wenig Neues. Trotzdem: Noch nutzt sich der Kandidat nicht ab.

Es wird spannend sein zu sehen, wie die CDU nach Merkel – egal, wer sie führt – versuchen will, gleichzeitig die Flanke nach rechts zu schließen, ohne in der Mitte Wähler an die Grünen zu verlieren. Vielleicht wird die Partei, die so sehr nach Erneuerung lechzt, schon bald merken, was sie an Angela Merkel hatte.

Die Kanzlerin hat die Union programmatisch entrümpelt. Und selbst die konservative Kristina Schröder musste zugeben: „Unter dem Blickwinkel der Wählermaximierung war das eine ausgesprochen gute Strategie“.

Hier können Sie sich die Sendung in der ARD-Mediathek ansehen.

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