TV-Tipp

Toulouse

Catrin Striebeck als Silvia, Matthias Brandt als Gustav und jede Menge Federn.

Catrin Striebeck als Silvia, Matthias Brandt als Gustav und jede Menge Federn.

Foto: dpa

In Toulouse eskaliert ein Terroranschlag, in einem Hotelzimmer an der französischen Küste der Beziehungsstreit zwischen Silvia und Gustav. Das Erste zeigt den wortgewaltigen Spielfilm "Toulouse" mit zwei beeindruckenden Hauptdarstellern, aber manch schräger Nuance.

Berlin. Nachdem er sich durch die halbe Hotelbar getrunken und noch Champagner nachgeordert hat, rastet Gustav aus. Er zerfetzt ein Kissen auf dem Hotelbett. Die Federn daraus scheinen auszureichen, um fast den kompletten Fußboden der Suite zu bedecken.

Bis zum Schluss bleiben ein paar Daunen in Gustavs zerzausten Haaren hängen. Es wirkt ein wenig grotesk. Nicht das einzige Irritierende am TV-Beziehungsdrama "Toulouse", das die ARD am "Filmmittwoch im Ersten" (12. September) um 20.15 Uhr zeigt.

Brillant ist die Besetzung der beiden Hauptrollen: Matthias Brandt gibt Gustav, der sich kurz nach dem Ehe-Aus nach 19 Jahren mit seiner Ex Silvia in dem Hotel irgendwo an der französischen Küste trifft. Catrin Striebeck spielt mit rauem Ton in der Stimme die Verlassene, die Gustav in das Hotel geladen hat, deren Absichten für das Treffen allerdings sehr undurchsichtig sind.

Die beiden Darsteller spielen auf Augenhöhe. Hier die Abgeklärte, die die Fäden in der Hand zu halten scheint. Die hämisch lacht, wenn sie Gustav seine Fehler vorhält, und dessen Geliebte "Göre" nennt. Dort der immer stärker schwitzende Mann, der einerseits Sex mit der Ex will, andererseits sehr um sein junges Glück besorgt ist. Am Ende steht er bedröppelt da: Das Hemd halb aufgeknöpft, die Brille schief auf er Nase. Brandt braucht keine Worte, um sich auszudrücken.

Dabei sind es die Wortgefechte, die dieses Kammerspiel ausmachen. Gustav und Silvia werfen sich gegenseitig vor, vom anderen Geschlecht nichts zu verstehen und die Schuld am Scheitern ihrer Beziehung zu haben. "Du musst nicht souverän sein, Silvia. Das macht dich nur bitter", sagt er. "Das Ende einer Frau ist nicht der Tod, Gustav. Das Ende einer Frau ist, wenn sie alleine übrig bleibt", sagt sie. Und noch dramatischer: "Wir sind auch tot. Du und ich leben aber weiter."

Überhaupt spielt das Sterben in dem 90-Minüter eine große Rolle. Während sich die beiden in ihrem Hotel mit Meerblick vom Balkon zoffen, verüben Terroristen einen Anschlag auf ein Kongresszentrum in Toulouse - wo Gustav sich angeblich befindet. So gerät er in die Bredouille bei seiner neuen Partnerin, die ihn immer wieder auf dem Handy anruft und anschreibt. Zugleich steigt die Zahl der Todesopfer rasant, was ihn deutlich mehr schockiert als Silvia.

Michael Sturminger (Regie) und Wolfgang Thaler (Kamera) insenieren die Konflikte mal auf dem Bett, mal auf dem Balkon, mal vis-à-vis in einem breiten Spiegel und mal im Badezimmer - er angezogen und mit Handy in der Hand in der gläsernen Duschkabine, sie davor beim Frisieren. Autor David Schalko hat außerdem die eine oder andere Wendung ins Buch geschrieben.

Neben den Federmassen kommen plötzlich zwei Pistolen ins Spiel, die sich beide Protagonisten gegenseitig an die Schläfen halten, während sie sich leidenschaftlich in Rage steigern. Die Szenen erinnern schwer an den Kinofilm "Mr. & Mrs. Smith" aus dem Jahr 2005 mit Angelina Jolie und Brad Pitt. Gustav fischt mit einer Hand eine Wodkaflasche aus der Minibar, in der anderen hält er die Knarre. Auch Silvia hat in einer Hand die Waffe, mit der anderen dreht sie den Deckel auf. Er flößt ihr den Alkohol ein. Die Arme verschlungen. Kurz darauf knallt es.

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