Arte-Zweiteiler

Wie funktioniert die schmutzige Seite der Schweiz?

Foto: © SRF/Sava Hlavacek

Der Arte-Zweiteiler „Private Banking“ zeigt die miesen Tricks der Schweizer Finanzbranche, um Geld an Steuergesetzen vorbeizumogeln.

BERLIN.  Der Bankdirektor alten Schlags sieht die Kreditinstitute in Gefahr. Der ehrwürdige Herr mit Fliege um den Hals steht am Rednerpult und warnt auf der Branchenfeier vor den Folgen des EU-Steuerabkommens: „Das Bankgeheimnis ist gefallen.“ Dann wankt er atemlos aus dem Saal nach draußen auf die Straße, fasst sich ans Herz, reißt sich schwitzend das Hemd vom Leib und stürzt in den Zürichsee.

Der Infarkt des fortan im Koma liegenden Leopold Weyer (Christian Kohlund) bildet den Ausgangspunkt des aufwendig produzierten Schweizer Finanzthrillers „Private Banking“, dessen zwei Teile Arte heute hintereinanderweg zeigt. Denn der Chef der Privatbank Weyer hat ausgerechnet seine uneheliche Tochter Caroline (Stephanie Japp) mit einer Vollmacht ausgestattet.

Süchtig sind diese Menschen nach Geld und Macht

Die junge Therapeutin hat vom Bankwesen keine Ahnung, sie ist das schwarze Schaf der Familie. „Ich habe das Gymnasium geschmissen und mir die Mädchenlocken abrasiert, um ihm klarzumachen, dass ich seine ganze Welt zum Kotzen fand“, resümiert Caroline am väterlichen Krankenbett.

Mit 20 wurde sie drogensüchtig. „Polytoxikomanie“ nennt sie selbst das Leiden, unter dem sie litt – Mehrfachabhängigkeit. Das ist das Einzige, was sie mit den einflussreichen Bankern und skrupellosen Investmentberatern verbindet. Süchtig sind diese Menschen, die in eng geschnittenen Anzügen und mit teuren Uhren am Arm in kühlen Konferenzräumen sitzen, auch: nach Geld und Macht.

Natürlich sind die Partner ihres Vaters nicht gerade glücklich, dass eine Neu-Bankerin die Geschäfte der Privatbank Weyer übernimmt. Vor allem Carolines Halbbruder Alexander (Fabian Krüger) schäumt. Der will die kriselnde Bank verkaufen. Caroline entschließt sich, das Lebenswerk ihres Papas zu retten.

Schwarzgeld gibt es trotz neuen EU-Gesetzen immer noch

Es ist der Beginn einer radikalen Verwandlung. Aus der unangepassten Caroline wird eine leidenschaftliche Geschäftsführerin. Diese Entwicklung geschieht arg schnell, die großen Handlungssprünge wirken stellenweise unglaubwürdig und anstrengend.

„Private Banking“ reicht nicht an Produktionen wie den ARD-Film „Dead Man Working“ oder die ZDF-Serie „Bad Banks“ heran, die sich in jüngerer Zeit ebenfalls mit schmutzigen Geschäften befasst haben. Und doch ist dieser Schweizer 180-Minüter aus der Feder des ehemaligen Brancheninsiders Thomas Ritter (Regie: Bettina Oberli) sehenswert.

Stimmig ist die Idee, jede Bankenpraktik für Zuschauer verständlich erklären zu lassen, weil ja auch Caroline eine Laiin ist. Obwohl die Bank Kunden wegen der neuen EU-Gesetzgebung „bis auf die Knochen“ durchleuchten muss, entdeckt Caroline, dass die Weyers auch Schwarzgeld verwalten. Und beschließt, die Bank neu aufzustellen. Eine Außenseiterin räumt auf. Das ist keine besonders tiefgründige Beschreibung der Finanzwelt. Aber spannend allemal.

Wendungsreiche Milieustudie, trotz einiger Klischees unterhaltsam.

• Arte, Donnerstag 28. Juni, 20.15 Uhr