TV-Tipp

Zwiespalt

Bei Linda Bergers erstem Rückführungsflug geht etwas schief geht.

Bei Linda Bergers erstem Rückführungsflug geht etwas schief geht.

Foto: dpa

Gleich zwei Beamte, ein Psychiater und eine Polizistin geraten in einem Schweizer TV-Drama in Gewissensnöte - und in Bedrängnis.

Berlin. "Zwiespalt" ist ein TV-Drama, in dem auf verschiedenen Ebenen große Themen behandelt werden. Es geht um Schuld und Verantwortung, den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit, den Konflikt zwischen Gefühl und Vernunft.

Und um die Frage, was Haftinsassen droht, die während ihres Freiganges eine Straftat begehen oder Asylsuchenden, die illegal eingereist sind. Auf 3sat ist die anspruchsvolle, spannend erzählte Geschichte an diesem Donnerstag (30. November) um 21.45 Uhr zu sehen.

Roman Mettler (Martin Rapold) ist forensischer Psychiater in Zürich und kümmert sich vordringlich um Verbrecher, die bereits verurteilt sind. Einer von ihnen ist David Ammann (Jonas Rüegg), der wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Vergewaltigung im Gefängnis ist. Dank einer positiven Rezosialisierungsprognose von Mettler bekommt Ammann seinen ersten Hafturlaub. Wenig später wird eine junge Joggerin tot in einem Wald unweit des Flughafens aufgefunden; DNA-Spuren deuten alsbald auf den flüchtigen Ammann als Täter hin.

Derweil geht Mettlers frühere Freundin, die Kantonspolizistin Linda Berger (Isabelle Barth), ihrer Arbeit nach. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Hess (Hans-Caspar Gattiker) bringt sie illegale Asylanten im Flugzeug außer Landes. Das gefällt ihrer 16-jährigen Tochter Seraina (Luna Wedler) überhaupt nicht - sie vergleicht diese Abschiebungen mit den Methoden der Nazis, als sie Juden in die Gaskammern geschickt haben.

Das sind die beiden Erzählebenen dieses Filmes, die Regisseurin Barbara Kulcsár ("Zu zweit") und Autorin Natascha Beller geschickt zusammenführen. Sie schildern illusions-, aber nicht emotionslos, in welchen Zwiespalt die handelnden Figuren geraten.

Die Polizistin muss die Entscheidungen anderer mittragen und gerät dabei zum einen in Gefühlskonflikte, zum anderen hadert sie mit dem, was Gesetzgeber und Justiz als Recht vorgeben. Der Psychiater erlebt nach seinen eigenen Worten den "worst case", weil sein vermeintlich vernünftiges Gutachten verheerende Folgen hat, nachdem er bei seiner Beurteilung offenbar einen wichtigen Aspekt falsch eingeschätzt hat. Er wird daraus drastische Konsequenzen für sich selbst ziehen.

Der Film ist überwiegend in düsteres Licht getaucht, die Personen sprechen im landesüblichen Dialekt, weshalb er auf Hochdeutsch untertitelt ist. Die Diskussionen im Film über eine "offene Fehlerkultur" und das Versagen von Haftstrukturen im Vollzugsbereich tragen nicht gerade zur Unterhaltung bei. Wohl aber zum kritischen Nachdenken über das Vorgehen der Justiz und zu den Auswirkungen einer überwiegend restriktiven europäischen Asylpolitik. Das Filmgeschehen spielt zwar in der Schweiz, wäre aber genauso gut in Deutschland vorstellbar.

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