TV-Show

Warum wohl nur Christian Ulmen über „Jerks” lachen kann

Die Schauspieler Fahri Yardim (l) und Christian Ulmen bei der Premiere von „Jerks“ in Berlin.

Die Schauspieler Fahri Yardim (l) und Christian Ulmen bei der Premiere von „Jerks“ in Berlin.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Serie „Jerks” mit Christian Ulmen spricht Freunde des derben Humors und Promi-Jäger an. Doch lachen kann am Ende wohl nur einer.

Berlin.  Mit ihrer neuen Serie „Jerks” wollten Christian Ulmen und Fahri Yardim genau die wohl lustigsten Szenen zeigen, die Dreharbeiten hervorbringen: und zwar diejenigen, die ablaufen, wenn die Kamera aus ist. Doch wirklich lachen können am Ende nur diejenigen, die bei den Dreharbeiten wirklich dabei waren.

Dabei sind es gar nicht so wenige Menschen, die bei den Dreharbeiten dabei waren. Mit Karsten Speck, Collien Ulmen-Fernandes, Jana Pallaske, Sido und Kay One sind zahlreiche Prominente in Nebenrollen zu sehen. Alle scheinen sich prächtig dabei zu amüsieren, eine ironische Version von sich selbst zu spielen.

Kein Witz über Masturbationskurse ist flach genug

Christian Ulmen führt den Zuschauer als Darsteller und Regisseur so in eine Welt, in der sich Medien-Schaffende aus Berlin-Mitte wohl fühlen, die mittlerweile nach Potsdam gezogen sind. Kurz gesagt: es ist eine Serie von Christian Ulmen für Freunde von Christian Ulmen. Um aus dem Kreis dieser kleinen Zielgruppe auszubrechen, folgt „Jerks” dem Konzept der Übertreibung und Wiederholung. Kein Witz über Verdauung ist flach genug, keine Pointe unreif genug, um sie nicht mehrfach zu verwenden.

So wird ausgiebig über Masturbationskurse von Partnerinnen philosophiert und ungeniert der Stuhlgang der Hauptfigur in einem Katzenklo in einem Einrichtungsladen dokumentiert. Zugegebenermaßen sind einige dieser Szenen durchaus lustig, doch das Lachen des Zuschauers scheint jedes Mal vom Lachen der Autoren aus ihrem Schreibzimmer übertroffen. Denn meist sind die Ideen hinter den Pointen lustiger als die Umsetzung.

Genug Fettnäpfchen für eine ganze Staffel „Stromberg”

Der Zuschauer fühlt sich ständig wie in einem mittelguten Satire-Beitrag von Jan Böhmermann, nur mit dem Unterschied, dass Böhmermann meist eine Auflösung seiner Insider-Witze über die Medienbranche liefert – etwa durch weitere Einspieler.

In „Jerks” gibt es aber keine Auflösung, stattdessen stolpern Fahri Yardim und Christian Ulmen in einer Folge durch so viele Fettnäpfchen, wie sie „Stromberg” kaum in einer ganzen Staffel vor die Füße bekommen hat. Um die Geschwindigkeit halten zu können, trampeln Ulmen und Yardim Witze über Pornos im Kinderzimmer oder Sex-Fantasien über befreundete Paare kaputt. Damit geht der ProSieben-Serie eine gewisse Seichtigkeit verloren, wie sie „Pastewka” auf Sat.1 hat.

Dort wird die Story nicht aufgrund einzelner radikaler Gags oder Promi-Auftritte zerbrochen, sondern stets aufrechterhalten. Bei „Jerks” hingegen spielt der Rapper Kay One eine größere Rolle als der Inhalt. Dabei ist er in der ersten Folge nur wenige Sekunden zu sehen.

Ulmen sieht es als „Selbsttherapie“

Im Interview mit „Goldene Kamera TV” hat Christian Ulmen über die überzogenen Szenen gesagt: „Es ist quasi eine Selbsttherapie”. Wenn das dargestellte Leid dem Publikum nahe gebracht wird, ist es für einen selbst nicht mehr so schlimm, könnte man meinen. Das ist zwar schön für den Darsteller, doch wer therapiert den Zuschauer?