ARD-Krimireihe

Wie der „Polizeiruf“ jeden „Tatort“ in den Schatten stellte

Matthias Brandt als „Polizeiruf“-Kommissar Hanns van Meuffels am Sonntagabend in der Folge „Sumpfgebiete“.

Matthias Brandt als „Polizeiruf“-Kommissar Hanns van Meuffels am Sonntagabend in der Folge „Sumpfgebiete“.

Foto: Hendrik Heiden / Bayerischer Rundfunk

Packende Story, grandiose Darsteller: Der Münchner „Polizeiruf“ bot genau das Niveau, das man sich für den „Tatort“ wünschen möchte.

Berlin.  Eigentlich ist es die alte Geschichte: Der Kommissar kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur, aber alle um ihn herum halten ihn für verrückt – weil er doch nur den Verschwörungstheorien einer alten Spinnerin auf den Leim gehe. Doch die Spinnerin ist keine, die Verschwörung und die Liste mit Schwarzgeldkonten in der Schweiz gibt es wirklich. Der Kommissar wird zum Störfaktor.

Wie gesagt, die Figur des hartnäckigen Ermittlers, des einsamen Wolfes, der gegen den Rest der Krimi-Welt kämpft und auch dann nicht aufgibt, als sein Chef ihn kaltstellen will, ist nicht neu. Doch was Matthias Brandt als „Polizeiruf 110“-Kommissar Hanns von Meuffels am Sonntagabend in der ARD aus der Figur machte, war sensationell.

Die Folge „Sumpfgebiete“ war so, wie man sich so manchen „Tatort“ inzwischen wünscht. Anders als bei den albernen Clownereien aus Münster, den lahmen Fällen vom Bodensee oder den abgestandenen Wortgeplänkeln des Kölner Ermittler-Duos wurde hier perfekt inszenierte Krimi-Kunst geboten, die das hatte, was vielen „Tatort“-Folgen inzwischen fehlt, obwohl das Rezept doch so einfach klingt: eine fesselnde Geschichte, gekonnte Regieführung, Top-Darsteller.

• Der Protagonist des Abends

Matthias Brandts schauspielerisches Können war einmal mehr überragend. Wie sein Kommissar van Meuffels durchs winterlich-tristen München irrte – schlecht rasiert, die Krawatte gelockert, im abgetragenen Anzug – das war große Kunst. Knappe Dialoge; perfektes, weil sparsames Minenspiel. So machte er aus dem TV-Ermittler eine zwiespältige Figur, die glaubhaft zwischen begründetem Verdacht und wahnhafter Paranoia schwankt. Überzeugend und ohne Klischee.

• Die Nebenfiguren

„Sumpfgebiete“ war bis in die Nebenrollen hinein erstklassig besetzt. Beispielsweise Sigi Zimmerschied als kauziger Ex-Finanzbeamter und Hobby-Landschaftsmaler, Judith Engel als vermeintlich psychopathisches Justizopfer und nicht zuletzt Ulrich Noethen als gerissen-korrupter Vorgesetzter des Kommissars standen Brandt in nichts nach. Ein Genuss, ihnen zuzusehen.

• Die Szene des Abends

Brandt/van Meuffels, leicht übergewichtig, verfolgt einen Verdächtigen zu Fuß durch eine unwirtliche Hochhauslandschaft. Von Seitenstichen geplagt, fasst er sich schließlich an die Seite und muss den Mann laufen lassen. „Scheiß Völlerei!“, flucht der atemlose Kommissar. Als sein Chef die von einer Überwachungskamera aufgezeichnete Verfolgungsjagd anschaut, lästert er: „Und da hat er dich abgehängt, der flinke Monteur.“ Darauf van Meuffels: „Beurteile nie die Last, die du nicht trägst.“

• Der Cliffhanger des Abends

Die krummen Schwarzgeldgeschäfte der einflussreichen Kontoinhaber blieben unter der Decke. Kommissar van Meuffels wurde von seinem Vorgesetzten ans Messer geliefert, am Ende lag er mit zerschlagenem Gesicht am Boden. Van Meuffels: „Du feiges, korruptes Arschloch.“ Der Chef: „Tja Hanns, ich richte mich nach den Gegebenheiten. Ich seh dich dann morgen im Büro.“ Wie die beiden nach diesem Fall die Kurve kriegen sollen, darauf darf man gespannt sein.

Die „Polizeiruf 110“-Folge „Sumpfgebiete“ in der Mediathek.