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Wilsberg: Mord und Beton

Georg Wilsberg (Leonard Lansink) unter falscher Identität als finanzstarker Investor. Foto; Guido Engels/ZDF

Georg Wilsberg (Leonard Lansink) unter falscher Identität als finanzstarker Investor. Foto; Guido Engels/ZDF

Foto: dpa

Um Luxussanierungen, Betongeld und eine militante Aktivistenszene geht es im neuen Wilsberg-Fall. Der ZDF-Privatdetektiv aus Münster mischt sich dabei undercover unter die zwielichtigen Investoren - und bringt sich selbst in große Gefahr.

Münster. Wilsberg hat sich herausgeputzt: Mit seidener Krawatte, schwarz-umrandeter Brille und feinem Zwirn statt leicht ausgebeulter Sakko-Jacke tarnt sich der Privatdetektiv (Leonard Lansink) als Immobilieninvestor. Für eine neue Folge der ZDF-Krimireihe an diesem Samstag (20.15 Uhr) ist er in die Rolle eines zwielichtigen Geldgebers für ein umstrittenes Bauprojekt geschlüpft.

Wie andere Großstädte hat auch das westfälische Münster seine städtebaulichen Prestige-Projekte. Im Film ist es der Umbau des alten Industriehafens am Dortmund-Ems-Kanal zu einem luxuriösen Wohn- und Büroviertel. Aus Angst vor steigenden Mieten und Vertreibung alteingesessener Bewohner ruft das die Hausbesetzerszene auf den Plan.

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Jürgen Kehrer und Sandra Lüpkes: Der Wilsberg-Erfinder schreibt nur gelegentlich für die Krimireihe, zuletzt mit Ehefrau und Co-Autorin Lüpkes. Mit "Mord und Beton" ist ihnen eine gewohnt launige und doch besonders spannungsreiche Episode gelungen. Denn was zunächst aussieht wie ein harmloser Undercover-Einsatz, lässt Wilsberg zwischen die Fronten geraten. Sein Mut bringt ihn in echte Lebensgefahr - und den Zuschauer in große Sorge um ihren Lieblingsermittler.

In "Mord und Beton" (Regie: Hansjörg Thurn) ist es nicht nur Wilsberg der sich verstellt. Mehrere Protagonisten spielen ein doppeltes Spiel. So stellt sich gleich zu Anfang die Frage, ob die Stadtviertel-Aktivisten, die sich gegen Luxussanierungen stark machen, in Drogengeschäfte verwickelt sind. Bei zwei Bündeln Kokain, die bei einer Zoll-Razzia auftauchen, wird jedenfalls der ehrgeizige Drogenfahnder Oliver Maaß (Tim Wilde) hellhörig. Oder hat jemand den Aktivisten die Drogen nur untergeschoben, um sie in ein schlechtes Licht zu rücken?

Und wer ist verantwortlich für die Explosion einer Gasflasche in einer alten besetzten Lagerhalle? Als dann auch noch ein Mitarbeiter des Bauunternehmens tot auf dem Gelände gefunden wird, ist Wilsberg nicht mehr zu stoppen. Er will herausfinden, wie gerissen Baulöwe Michael Lobland (Christoph M. Ohrt) und seine Frau Helen (Gesine Cukrowski) wirklich sind. Führt die Spur schmutziger Korruptionsgelder am Ende gar ins Rathaus?

Zur Lösung des Falls braucht Wilsberg - natürlich - die Hilfe seiner Mitschnüffler Nichte Alex (Ina Paule Klink) und Finanzamt-Kumpel Ekki (Oliver Korittke). Kommissarin Anna Springer (Rita Russek) hat ihre liebe Not, die Spürnasen aus den Ermittlungen herauszuhalten - erst recht als es auch noch eine zweite Leiche und schließlich eine Entführung gibt.

Typisch Wilsberg sei das, sagt Alex-Darstellerin Klink im Gespräch mit der dpa: Oft gehe es in dem Ensemble-Krimi weniger um den Fall als um die Frage, wie die große Wilsberg-Familie in ihn verstrickt sei. "Und am Ende lösen wir ihn zusammen", sagt Klink. Sie glaubt, dass genau das zum Erfolgsrezept der quotenstarken Krimireihe gehört. "Wir werden auch deshalb so geliebt, weil wir diesen Zusammenhalt zeigen, den es gar nicht mehr so oft gibt in vielen Fernsehformaten", sagt sie.

Auch in der 51. Folge des ZDF-Krimi-Klassikers wäre Wilsberg ohne Alex' Gerechtigkeitssinn, Ekkis Einsicht in Steueraktenberge und Rita Russeks Weitsicht ziemlich aufgeschmissen. Und sie alle natürlich erst recht ohne ihn.

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