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Lierhaus-Buch über die "alte Monica" im neuen Leben

In ihrem Buch "Immer noch ich" beschreibt Monica Lierhaus ihren Weg zurück ins Leben.

In ihrem Buch "Immer noch ich" beschreibt Monica Lierhaus ihren Weg zurück ins Leben.

Foto: dpa

Vor sieben Jahren erkrankte Monica Lierhaus schwer. "Ausgewechselt in der zweiten Halbzeit, ohne dass ich den Pausenpfiff gehört hätte", schreibt die ehemalige "Sportschau"-Moderatorin in ihrem Buch, das jetzt erscheint.

Hamburg. Wenn man die beiden Lierhaus-Schwestern an diesem Tag aus der Ferne sieht, erkennt man nur, dass eine es besonders eilig hat: Monica Lierhaus ist diejenige, die vorneweg hastet, Eva Lierhaus folgt ihr.

Genau ein Jahr und fünf Tage trennen sie, erzählen Monica (45) und Eva (46). Ihr schon in der Kindheit enges Verhältnis hätten auch die schweren Folgen von Monicas Hirn-OP nicht noch enger machen können. Nach jenem Eingriff vor sieben Jahren musste die TV-Moderatorin alles neu erlernen. "Mir geht es inzwischen wieder gut und ich komme zurecht", sagt sie bei dem Treffen in Hamburg. "Ich kann eigentlich alles alleine machen - was für mich die Hauptsache ist."

"Immer noch ich - Mein Weg zurück ins Leben" hat sie ihr an diesem Freitag erscheinendes Buch genannt, in dem sie selbst, aber auch ihre Angehörigen schonungslos offen ihren Kampf seit der "Stunde null" schildern. Seit jenem 8. Januar 2009, der ihr Leben in ein "Davor" und "Danach" teilte. "Ausgewechselt in der zweiten Halbzeit, ohne dass ich den Pausenpfiff gehört hätte", schreibt die ehemalige ARD-"Sportschau"-Moderatorin. Ein Kern sei geblieben, Charakterzüge, die ihr dabei geholfen hätten, überhaupt zurückzukommen. "Deshalb kann ich sagen, ich bin immer noch ich, auch wenn mir manches an diesem neuen Ich fremd ist. Vielleicht immer fremd bleiben wird."

Wo eigene Erinnerungen bruchstückhaft oder gar nicht vorhanden sind, helfen die ihrer Angehörigen: Mal sind es Schilderungen ihrer Familie, die Lierhaus im gemeinsam mit einer Co-Autorin zu Papier gebrachten Rückblick einstreut, mal Tagebucheinträge ihres damaligen Lebensgefährten Rolf Hellgardt. In dem dicken Ordner "Monicas Diary" zu blättern, ziehe sie jedes Mal zu Boden, schreibt sie. Darin berichtet Hellgardt über Momente wie jenen Anruf aus dem Krankenhaus am ersten Tag um 10.17 Uhr: "Es sieht sehr, sehr schlecht aus. Wir haben derzeit keine Hoffnungen, dass Ihre Frau überlebt." Oder später aus der Reha am Bodensee: "Du sprichst zum ersten Mal seit Tagen ganz deutlich: "Rolf. Ich verstehe meine Situation nicht.""

Fast 18 Jahre lang waren die beiden ein Paar, ohne Trauschein, bis sie sich im vergangenen Jahr trennten. "Es war wie ein einziges schwarzes Loch", beschreibt sie die Zeit danach. "Alles war weg. Die Gesundheit, der Job, das Aussehen, das ganze alte Leben, jetzt auch noch Rolf. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen." Ohne ihre Erkrankung wäre es nicht zur Trennung gekommen, glaubt Lierhaus. "Sie hat nicht nur uns, sondern auch unsere Beziehung verändert. Sie hat alles verändert." Das sei natürlich ein bisschen "Spökenkiekerei". Aber der 8. Januar 2009 habe sie beide in eine völlig neue Rolle katapultiert.

Ihr Bild von ihm sei auch nicht beschädigt: "Für mich ändert sich nichts an diesem Bild, er war in dieser Zeit mein Held, und daran wird sich nichts ändern." Auch um den Heiratsantrag, den sie ihm bei ihrem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit seit ihrer Erkrankung, bei der Verleihung der Goldenen Kamera (2011), gemacht hatte, geht es noch einmal im Buch. "Es war der falsche Ort und die falsche Zeit, das weiß ich inzwischen auch", schreibt sie. Auch darüber, dass er in dieser Situation nur "ja" sagen konnte, habe sie sich keine Gedanken gemacht. Aus seiner Sicht hat sie ihm mit dem Antrag "das Maximale, was sie mir in diesem Augenblick anbieten konnte", geben wollen.

Lierhaus greift im Buch auch jene Ereignisse seit ihrem Comeback in der Öffentlichkeit auf, die ihr negative Schlagzeilen bescherten - vom Engagement bei der ARD-Fernsehlotterie bis zum "Tabubruch" im vergangenen Sommer. Damals sagte sie in einem Interview rückblickend über ihre OP: "Ich glaube, ich würde es nicht mehr machen" und entgegnete auf den Einwand ihrer Mutter, dass sie sonst tot wäre: "Egal. Dann wäre mir vieles erspart geblieben." Das brachte ihr unter anderem von Behindertenvertreten heftige Kritik ein.

Sie habe das Recht, manchmal keine Kraft mehr zu haben, schreibt Lierhaus. "Den Verlust meines alten Lebens stärker zu spüren als das "Geschenk" des neuen. Das kein Geschenk ist, sondern hart erarbeitet. Und wie jeder andere sollte ich das Recht haben, darüber ehrlich reden zu dürfen." Doch genau wie sie selbst nach vorne schaue, will sie auch andere Betroffene motivieren: "Kämpfen Sie weiter!" Für sie sei die Arbeit wichtig. Ihre TV-Interviewreihe auf Sky wurde verlängert. Zur Fußball-EM würde sie gern wieder eine Kolumne schreiben. Vielleicht verfasse sie auch mal einen Krimi, Ideen habe sie schon, sich aber auf den Ausgang noch nicht festgelegt. "Das habe ich schon einmal getan, und dann hat das Leben die Geschichte doch ganz anders weitergeschrieben."

Monica Lierhaus: Immer noch ich. Mein Weg zurück ins Leben. Ullstein Buchverlage, Berlin 2016, 270 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-550-08118-7