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Herbe Mischung

Peri Baumeister spielt in "Herbe Mischung" eine Halbaraberin.

Peri Baumeister spielt in "Herbe Mischung" eine Halbaraberin.

Foto: dpa

In der Culture-Clash-Komödie "Herbe Mischung" (ARD) erzählt Regisseur Dror Zahavi von Konflikten zwischen jüdischen Israelis und einer Deutschen mit arabischen Wurzeln. Eine eher gut gemeinte Lektion in Sachen Frieden.

Hamburg. Vorurteile gegenüber Fremden, Rassismus und falsch verstandenen Patriotismus gibt es überall auf der Welt. Bekanntlich haben die Deutschen solche Einstellungen in ihrer jüngeren Geschichte durchexerziert bis zum Krieg samt Massenmord.

Doch pauschale Vorbehalte bei Mangel an Erfahrungshorizont existieren eben noch immer. Sei es hierzulande aktuell in Reaktion auf die Flüchtlingsströme - oder gerade auch im Nahen Osten, wo unter anderem Araber und Israelis einander meist unversöhnlich gegenüberstehen. Eine familiengerechte, jedoch allzu konstruiert und gut gemeint wirkende Lektion in Friedfertigkeit erteilt dem Fernsehvolk nun Dror Zahavi in der überspitzten Culture-Clash-Komödie "Herbe Mischung".

Zur besten Sendezeit an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) geht es dem renommierten israelischen, in Berlin lebenden Regisseur (56, "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki") im Ersten um die - auf unterschiedliche Art - getrübten Verhältnisse zwischen Deutschen, jüdischen Israelis und Arabern. Ängste und Paranoia spielen dabei eine große Rolle. Das Drehbuch schrieb Annabel Wahba mit Barry Thompson nach wahren Motiven.

In der Produktion von Wiedemann & Berg Television im Auftrag des Bayerischen Rundfunks und der ARD-Tochter Degeto sieht die Welt allerdings erst einmal rosarot aus: Denn Benni Goldfein (Trystan Pütter, "Unsere Mütter, unsere Väter") und Zarah Abdullah (Peri Baumeister, "Ein weites Herz") lieben sich. Sorgenfrei und etwas chaotisch leben der junge israelische Botaniker und die deutsche Teeladen-Betreiberin mit arabischem Vater in München.

Die Probleme beginnen, als Benni seine Freundin mit zur Beerdigung seines Großvaters nach Tel Aviv nimmt. Bereits am Flughafen will man die junge Frau wegen ihres Nachnamens kaum einreisen lassen. Und die Lage eskaliert schnell, als die einfühlsame, ihrer Herkunft gegenüber aber - unglaubwürdig - gleichgültige Zarah auf die durch den Holocaust schwer betroffene Familie Goldfein trifft. Vor allem der militante Vater Ephraim (Doval'e Glickman) ist außer sich, weil der Sohn eine Deutsche anschleppt - die sich dann, deutlich schlimmer, als Halbaraberin entpuppt. Noch heftiger reagiert Tante Edna (Varda Ben Hur), die munter gegen die "Schickse" intrigiert, nachdem die sich am offenen Grab bekreuzigt hat. All diese Figuren sind leider eher flach gezeichnet, sprechen gestanzte Dialoge und lassen trotz interessanter, in Israel zum Teil berühmter Darsteller das versöhnliche Ende bald vorausahnen.

Baumeister alias Zarah hat die politischen Spannungen im Land mit den vielen Alarmanlagen beim Dreh vor Ort 2014 deutlich gespürt. "Es war natürlich ungewohnt, wie dort mit der Angst gelebt wird", erzählte die 29-Jährige der Deutschen Presse-Agentur im Telefoninterview. "Bei Busreisen habe ich erlebt, wie Leute ihre Beine angewinkelt haben. Im Fall eines Attentats wären sie ihrer Meinung nach vielleicht tot, kriegten aber nicht so leicht ein Bein abgehackt." Sie fügte hinzu: "Auf einmal stellte ich mir ganz andere Fragen, bekam eine andere Form von Wachheit. Mir wurde bewusst, wie oberflächlich ich mich - zu Hause in den gewohnten Strukturen - mit Politik befasse."

Zugleich freute sich die 1986 geborene Schwester von Muriel Baumeister (43, "George") über das Interesse vor allem jüngerer Israelis an ihr und ihrer Heimatstadt Berlin. Viel typisch jüdischen Humor auf deutsch habe Großmutter-Darstellerin Ruth Geller (91) in die dreisprachigen Arbeiten am Set (deutsch, englisch, neuhebräisch) gebracht - die in Chemnitz geborene Schauspielerin war 1935 mit ihrer Familie eingewandert. Wie gerade Witz und Pfiffigkeit bei Überwindung von Hass und Gewalt helfen können, bewies in den Augen Baumeisters etwa auch ein Restaurant in der Nähe von Tel Aviv: Essen Israelis und Palästinenser dort an einem Tisch, müssen sie nur den halben Preis zahlen.

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