Drehbuch-Prozess

NDR-Jurist und Heinzes Mann sagen zu Drehbuchaffäre aus

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Susann Burwitz

Heinzes Ehemann sagte aus, dass ihm die erfolgreiche Position seiner Frau zunächst geschadet hatte. So habe er unter Pseudonym geschrieben.

Hamburg. Die Schwere ihrer Fehler hätten der früheren NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze während der sogenannten Drehbuchaffäre bekannt sein müssen. Die Regelungen über die außerberuflichen Tätigkeiten eines festen Mitarbeiters wie etwa das Drehbuchschreiben für den eigenen Sender haben bereits vor dem Arbeitsbeginn der heute 63-Jährigen für den NDR existiert, wie ein Jurist des Senders am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht sagte. Heine muss sich seit dem 5. Juli wegen Bestechlichkeit in vier Fällen, schwerer Untreue in drei Fällen und Betrugs verantworten.

+++ Doris Heinze gibt Medien eine Mitschuld am Betrug +++

Heinze hatte gestanden, dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) sowohl von ihr als auch von ihrem Mann unter Pseudonym geschriebene Drehbücher untergeschoben zu haben. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe. Neben Heinze stehen auch ihr Ehemann Claus Strobel und die Münchner Produzentin Heike Richter-Karst vor Gericht. Allen drei Angeklagten werden zwischen November 2003 und Juli 2007 insgesamt 14 Straftaten zur Last gelegt.

Dem Ehemann der langjährigen NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze hat die Position seiner Frau nach eigenen Angaben Schwierigkeiten bei seiner Arbeit gemacht. Jahrelang habe er als freier Autor und Filmemacher auch für den NDR gearbeitet, sagte der 63-Jährige am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht – und plötzlich sei da „eine gewisse Funkstille“ gewesen. „Es gab da nichts mehr.“ Er habe zunächst versucht, Kunsthistoriker zu sein; das Fach hat er studiert. Schließlich habe er begonnen, unter Pseudonym zu schreiben.

+++Prozess um Drehbuch-Skandal legt Geschäftsgebaren offen+++

Zu den Regeln des NDR gehört etwa die sogenannte 50-Prozent-Klausel. Diese besagt, dass ein fester Mitarbeiter für das Erstellen eines Drehbuches für den NDR nur das halbe Honorar erhält wie etwa ein freier Autor. Auch die Offenbarungspflicht von Pseudonymen sei vor dem Wechsel Heinzes zum NDR schon festgeschrieben gewesen, sagte der Senderjurist am Dienstag vor der Kammer aus.

Der 59-Jährige ist seit 1993 für den NDR tätig. Heinze lernte er Ende 1987 kennen. Er selbst war in die Aufklärung der Drehbuchaffäre eingebunden, nachdem Mitte 2009 durch Medienanfragen bekannt geworden war, dass Heinze dem NDR sowohl eigene als auch von ihrem Mann unter Pseudonym verfasste Drehbücher untergeschoben hatte.

Heinze selbst hatte jüngst in dem Verfahren ausgesagt, dass ihr die bestehenden Regelungen des NDR nicht vollständig bekannt gewesen seien. Darunter waren auch die Vorschriften, mit Angehörigen nur eingeschränkt Geschäfte abzuschließen. In der Geschäftsordnung des NDR sei dies aber schon 1982 festgehalten worden, hieß es vom Senderjuristen.

Wann die 50-Prozent-Regelung beim NDR eingeführt wurde, konnte der Jurist nicht genau sagen. Auf jeden Fall sei es eine sehr alte Klausel, die es schon lange vor seinem eigenen Arbeitsbeginn gegeben habe. Die Klausel müsse einem Drehbuchautor auch bekannt sein. Es sei nämlich üblich, vor dem Erbringen einer Leistung für den NDR Gespräche über das dafür zu erwartende Honorar zu führen. (dapd/dpa)