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Ab 2011 gibt es weniger Alexander Kluge bei Vox

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Kai-Hinrich Renner

Seine Firma hat dann keine eigene Lizenz mehr. Sie ist also auf das Wohlwollen von Vox angewiesen und bekommt wohl weniger Programmstunden.

DCTP, die Produktionsgesellschaft des Filmemachers Alexander Kluge, die bisher mit eigener Lizenz auf Vox Kultur- und Informationsprogramme sendet, wird künftig mit wesentlich weniger Sendezeiten auskommen müssen. Das liegt daran, dass die Kluge-Firma, ab 2011 keine eigene Lizenz mehr hat. Sie ist also auf das Wohlwollen von Vox angewiesen. Nach Angaben einer Sendersprecherin kommt DCTP bisher auf „13 bis 15 Stunden“ Programm pro Woche. Im kommenden Jahr wird DCTP vier Stunden am Sonnabend senden. Fünf Stunden Nachtprogramm sind der Produktionsfirma ebenfalls sicher. Über alles Weitere spricht nach Angaben der Sprecherin Senderchef Frank Hoffmann derzeit mit Kluge.

Dessen rechte Hand, DCTP-Justiziar Paul Leo Giani, bestätigt, dass die Produktionsgesellschaft künftig weniger Sendezeit haben wird, mag das aber nicht quantifizieren. Welche Programme es konkret treffen wird, ist ungewiss. Spekulationen, dass „Stern TV Reportage“ und „Süddeutsche Zeitung TV“ künftig auf Vox nicht mehr zu sehen sein werden, weist die Sprecherin als unzutreffend zurück: „Stern TV Reportage“ sei auch 2011 im Programm. Mit „Süddeutsche Zeitung TV“ stehe man derzeit in Gesprächen.

Die den Finanzinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw gehörenden Nachrichtenagenturen ddp und DAPD , die schon jetzt eng verflochten sind, sollen offenbar bis Herbst verschmolzen werden. Cord Dreyer , Geschäftsführer und Chefredakteur der Agenturgruppe, hat dies nach Angaben von Teilnehmern auf einer Redaktionskonferenz verkündet. Demnach sei sogar ein gemeinsamer Name denkbar. Geplant sei, dass bis auf das Auslandsressort und einige Wirtschaftsredakteure, die gesamte bisher in Frankfurt ansässige DAPD-Redaktion an den ddp-Standort Berlin zieht Dort solle dann ein gemeinsamer Newsdesk entstehen. Ein Agentursprecher bestätigt diese Angaben im Wesentlichen, verwahrt sich aber gegen den Begriff „Verschmelzung“ Die DAPD ist die ehemalige deutsche Niederlassung von AP , die Vorderwülbecke und Löw 2009 kauften.

Nachfolger des schon im April in die Chefredaktion des „Handelsblatts“ gewechselten ehemaligen USA-Korrespondenten des „ Spiege l“ Gabor Steingart wird nun doch nicht Markus Feldenkirchen . Der derzeitige stellvertretende Leiter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros hat aus privaten Gründen kurzfristig abgesagt. Statt seiner geht Marc Hujer , bisher Reporter im Auslandsressort, nach Washington. Feldenkirchen bleibt im Berliner Hauptstadtbüro tauscht aber seinen Posten mit Reporter Christoph Schwennicke , der neuer stellvertretender Büroleiter wird.

Wenig erbaut ist die Belegschaft von Burdas Nachrichtenmagazin „Focus“ von dem Abfindunsangebot, das ihr der Verlag diese Woche unterbreitete. Es sieht 0,75 Monatgehälter pro Beschäftigungsjahr zuzüglich eines Sockelbetrags von 15.000 Euro. Die Mitarbeiter monieren, dass Leistungen für das Presseversorgungswerk in den Abfindungen nicht berücksichtigt werden und Elternzeit nur mit 50 Prozent angerechnet wird. Zudem sei die Frist, die einhalten muss, wer einen Zuschlag von dreieinhalb Monatsgehältern erhalten will, mit dem Stichtag 30. Juni viel zu kurz gewählt. Zudem verlangen die Mitarbeiter Klarheit über den künftigen Kurs des Blattes. Auf einer Betriebsversammlung am Donnerstag erscheinen aber weder die amtierenden Chefredakteure Helmut Markwort und Uli Baur , noch der designierte neue Redaktionschef Wolfram Weimer . Bei „ Focus “ sollen 50 Stellen abgebaut werden.

Eine neue Plakette ziert demnächst das Verlagshaus von Gruner + Jahr am Baumwall. Dort, wo nun Zeitschriften entstehen, stand einst das Geburtshaus von John Rabe . Der Kaufmann gilt als „Oskar Schindler Chinas“, weil er im Zweiten Weltkrieg mehr als 200.000 Chinesen vor den japanischen Besatzern rettete. Die Patriotische Gesellschaft will nun an ihn erinnern. Damit, dass der Verlag dort beheimatet ist, wo Rabe geboren wurde, hat Gruner + Jahr bereits bei chinesischen Geschäftspartnern punkten können.

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