Knackiger Kurz-Klassiker

Im Altonaer Theater inszeniert Axel Schneider Schillers Wallenstein als Kompaktversion

Ein ganz schweres Schiller-Drama über die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Noch dazu eine Trilogie. Und vermutlich sieben Stunden lang. Derlei Vorurteile über Schillers ausuferndes dramatisches Gedicht "Wallenstein" will Altona-Intendant Axel Schneider mit seiner Inszenierung, die am 13. 10. Premiere feiert, widerlegen. Er hat das Vorspiel zum "Wallenstein" rigoros gekürzt und gestrichen und die zehn Akte in eine Kompaktversion für zehn Schauspieler in Szene gesetzt. Mit dem "spannenden historischen Thriller", wie Schneider seine Fassung nennt, belebt er - bewusst oder nicht - die berühmte Altonaer Tradition der knackigen Kurz-Klassiker von Theatergründer und Vorgänger Hans Fitze. Zweimal hatte der Prinzipal "Wallenstein" herausgebracht, zuletzt Anfang der 90er-Jahre. Alte Haudegen von damals sind auch in Schneiders Inszenierung wieder dabei: Franz-Josef Steffens spielt den Wallenstein-Mörder Buttler. Ein Wiedersehen gibts mit Lothar Zibell als Isolani. Die Titelrolle gibt Peter Bause. "Ich habe absichtlich mit alten Männern besetzt", erklärt Schneider: "Politik wird doch immer von ihnen gemacht. Bei Schiller sind sie so lange im Krieg, dass sie nur noch davon profitieren und den Frieden gar nicht mehr denken können." Die Tragödie des gespaltenen Wallenstein - einerseits machtbesessener Realist, andererseits astrologiehöriger Fantast - entstand zwischen 1796 und 1799 nach Schillers Arbeit an der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Die Ermordung des kaiserlichen Generals in österreichischen Habsburger-Diensten beendete jedoch keineswegs das Schlachten. Noch zehn Jahre lang sollte der grauenhaft blutige Konfessionskrieg Europa verheeren. Er hatte 1618 mit dem "Prager Fenstersturz" begonnen und wurde erst durch den Westfälischen Frieden 1648 beschlossen. In Schillers Feldherrn-Drama entdeckte der Regisseur verblüffende Aktualität: Religiöse Motive werden vorgeschützt, um Kriege zu begründen. Dem Militär Wallenstein gelingt es durch Machtkonzentration, einen Staat im Staate zu schaffen. Parallelen zur Situation in Afghanistan oder Israel muss der Zuschauer gedanklich aber selber finden. Auch wenn Ähnlichkeiten mit George W. Bush kaum zufällig erscheinen mögen, inszeniert Schneider keinen Aktenkoffer- und Anzug-Klassiker. "Das finde ich platt. Ich will Schiller nicht auf modern machen, sondern ihn zeitgemäß denken." KLAUS WITZELING . Wallenstein Premiere So 13. 10., 19.00, Altonaer Theater (S Altona), Museumstr. 17, Karten zu 15 bis 29,-, erm. zu 8,- bis 16,- unter T. 39 90 58 70 oder unter der Ticket-Hotline T. 30 05 13 53