Berlin. Die „New York Times“ wählte sein Debütalbum einst unter die zehn besten Alben des Jahres. Nun veröffentlicht Maximilian Hecker ein neues Werk.

Maximilian Hecker (46), dessen Debüt vor Jahren sogar in der „New York Times“ lobende Erwähnung fand, veröffentlicht seine neue Platte „Neverheart“. Das hart am Kitsch segelnde, dabei stets gefühlssichere Pathos seiner Musik, dem man sich gerade jetzt in der dunklen Zeit schwer widersetzen kann, findet sich auch auf „Neverheart“ in großer, stets samtweicher Fülle. Der Opener etwa, „Two-Toned Love“, trifft einen mit seiner Schwermut direkt ins Herz - und mutet doch zu keiner Sekunde depressiv an.

Hecker, den der deutsche „Rolling Stone“ in seiner Kritik (4 von 5 Sternen) zu „Neverheart“ als „Chronist der unerfüllten Liebe“ bezeichnet, hat bereits einen Roman über das Verhältnis zu seiner früh gestorbenen Schwester geschrieben („Lottewelt“ erschien im Oktober).

Mit „Long-Lost Crazy Love“ nun, der wunderbaren ersten Single, huldigt der in den 90er Jahren nach Berlin gezogene Musiker seiner „immerwährenden, lange verschollenen“, großen Liebe, seiner „Niemalsglühenden“, wie er seine Schwester in dem hoch traurigen Lied nennt. Musik, die einen unmittelbar in ihren Bann schlägt - man kennt das von älteren Alben des enigmatischen, charismatischen Mittvierzigers.

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Hecker hat sich verändert

Kurz erschrocken ist man, wenn man sich das Video zum Stück anschaut: Wer länger keine Bilder des Künstlers gesehen hat, kommt ins Überlegen: Ist er das wirklich? Aber ja, der aparte, gleichsam soigniert wirkende Herr mit dem ordentlich nach hinten gebürsteten Haar, dem grau melierten, wohl gestutzten Bart: Das ist Maximilian Hecker.

Der Hecker, der sich dereinst mit bald schulterlangem Haar und kokett zur Seite schwingendem Scheitel zeigte, der mit seinem jungenhaften Gesicht noch jünger aussah, als er es tatsächlich war, schaffte es im Herbst 2001 mit seinem Debüt „Infinite Love Songs“ nicht nur, Platte des Monats der damals wichtigen deutschsprachigen Musikzeitschrift „Spex“ zu werden. Auch international machte er Furore: die „New York Times“ wählte „Infinite Love Songs“ unter die zehn besten Alben 2001. In Asien avancierte Hecker zum Popstar.

Die neuen Titel nun leben von einem kongenialen Miteinander: Das mal perlende, stets wehmütige Pianospiel harmoniert mit Heckers einschmeichelndem Bariton: Titel wie „Suspended Heart“ oder „Falling Star“ sind von gleichsam heilender Schwermut. Balsam für die gebeutelte Winterseele.

Hecker jedenfalls, der schon mit einem der größten Songwriter, mit Nick Drake verglichen wurde (was wohl auch einer gewissen habituellen Ähnlichkeit in Heckers Anfangsjahren geschuldet war), gehört längst und vor allem: weiterhin zu den wichtigen hiesigen Stimmen im weiten, nur hie und da wirklich virtuos bespielten Niemandsland zwischen Schlager und Indie.

Ein jüngst in Musikpresse und Feuilleton gefeierter Musiker wie Tristan Brusch (der den unkitschigen Kitsch ähnlich gut beherrscht) jedenfalls hätte heute vielleicht keine Chance, ohne die bereits zwei Jahrzehnte währende große Kunst eines Maximilian Hecker.