Köln. Sie singen auf der Bühne emotionale Lieder, sprechen mit dem Publikum und denken zeitgleich auch mal an dreckige Wäsche. Musikstars verraten, welche Gedanken sie während ihrer Konzerte haben.

Sie singen, tanzen und interagieren mit ihren Fans: Musikstars müssen bei ihren meist rund zweistündigen Konzerten hochkonzentriert sein - sonst drohen Texthänger oder die Tanzchoreo geht in die Hose. Das heißt aber nicht, dass die Bühnenprofis in Gedanken nicht ab und an abschweifen.

„Das passiert, und ich finde das richtig seltsam“, sagt etwa Weltstar Bryan Adams (64) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Mitten im Song siehst du jemanden im Publikum, der dich vielleicht an eine Person erinnert. Oder du amüsierst dich über ein lustiges T-Shirt. Du bist einfach kurz abgelenkt, denkst an was völlig anderes und realisierst, dass du in der Zwischenzeit die Hälfte des Songs gesungen hast.“

Bryan Adams lässt sich auf der Bühne durchaus mal ablenken.
Bryan Adams lässt sich auf der Bühne durchaus mal ablenken. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Howard Donald (55) von der britischen Band Take That kennt das Phänomen ebenfalls. „Ich meine, jedes Konzert ist anders. Aber du hast natürlich deine Routinen bei den Songs, den Tanzschritten und auch bei dem, was du sagst.“

Deshalb denke er während der Konzerte häufig an die beliebigsten Dinge. „Du überlegst dir auch schon mal, was du später im Hotel beim Zimmerservice bestellst oder was du morgen machst. Das ist echt abgefahren, aber so ist es. Vor allem, wenn du eine Ballade singst.“

Sein Bandkollege Mark Owen (51) kann über solche Tagträume während der Auftritte nur den Kopf schütteln. „Also bei mir ist das komplett anders. Ich habe auf der Bühne noch nie darüber nachgedacht, was ich später essen werde. Vielleicht funktionieren die Gehirne der Menschen einfach unterschiedlich.“

Mark Owen von Take That ist auf der Bühne immer voll bei der Sache.
Mark Owen von Take That ist auf der Bühne immer voll bei der Sache. © Hendrik Schmidt/dpa

Die Forschung geht davon aus, dass für Tagträumerei das „Default Mode Network“ im Gehirn zuständig ist, sozusagen der „Leerlauf-Modus“. Der schaltet sich ein, wenn keine äußeren Einflüsse auf das Gehirn einwirken - etwa bei gewissen Routinen.

„Wenn du an fünf Tagen fünf Konzerte spielst, kann das immer wahrscheinlicher werden, weil du immer mehr in den Autopilot reinkommst“, erklärt Popsänger Max Giesinger (35). „Hier und da hast du vielleicht mal einen Tag, an dem du gedanklich nicht ganz am Start bist, und dann kann das schon mal passieren, dass du kurz an die Wäsche oder an die Steuererklärung denkst.“

Der Songwriter aus Baden-Württemberg kann seinen größten Hit „80 Millionen“ vermutlich im Schlaf mitsingen. Auf der Bühne muss sich Giesinger ab und an zusammenreißen, bei diesem und anderen Songs nicht in den „Leerlauf-Modus“ zu schalten. „Du denkst dann: "Oh, ich singe gerade einen super emotionalen Song und denke dabei an die Steuererklärung. Das sollte ich mal lieber lassen".“