Ganz ohne Kitsch

Folkige Weihnachten mit Josh Rouse und Andrew Bird

Josh Rouse stimmt auf Weihnachten ein.

Josh Rouse stimmt auf Weihnachten ein.

Foto: dpa

Zwei Weihnachts-Alben, die nicht nach den ewigen Jingle-Bells klingen und keinen süßlichen Plätzchen-Duft verströmen: Josh Rouse und Andrew Bird feiern das Fest mit Folkpop-Songs.

Berlin. Haben Sie all die ausgelutschten Pop-Versionen von "White Christmas" bis "Last Christmas" auch schon satt, bevor die Weihnachtszeit überhaupt begonnen hat? Dann gibt es hier Abhilfe: Zwei Alben, die die schönste Festzeit des Jahres ganz ohne musikalischen Kitsch einläuten.

Der mit seiner spanischen Ehefrau Paz Suay und zwei Kindern seit langem im schönen Valencia lebende Singer-Songwriter JOSH ROUSE eröffnet sein neues Album programmatisch mit "Mediterranean X-Mas": Vibrafon, Akustikgitarre und melancholische Stimme, der 47-Jährige Amerikaner singt "Merry Christmas everybody...". Dies ist aber auch schon das Klischeehafteste, was der wunderbar lässige Opener zu bieten hat.

"The Holiday Sounds Of Josh Rouse" (Yep Roc) ist der erste Versuch des US-Musikers aus Nebraska mit Weihnachtsliedern - wobei diese oft eben gar nicht nach Weihnachten klingen, sondern eher nach "Holiday" im eigentlichen Sinne, also "Ferien". Die neun selbstkomponierten Folksongs, Balladen und Latin-Jazz-Tracks (mit Bonus-CD sogar 15, inklusive Coverversion von Mariah Careys "All I Want For Christmas") verströmen dankenswerterweise keinerlei aufdringlichen Plätzchen-und-Glühwein-Duft.

Denn diese Lieder gehen mit typischen Weihnachts-Sounds sparsam um: Okay, in "New York Holiday" gibt es dezente Klingglöckchen zu hören - ansonsten aber bleibt Rouse seiner Folkpop-Kernkompetenz aus vielen tollen Singer-Songwriter-Alben seit dem Debüt "Dressed Up Like Nebraska" (1998) treu. Dabei ist er gewiss kein Weihnachtsverächter und singt im Closer: "How I love those Christmas songs/they make me feel at home...".

Das Anfang November erschienene "The Holiday Sounds..." lässt den Hörer also mit Josh Rouse ohne schalen Beigeschmack in die Weihnachtszeit hineintänzeln. Seit Aimee Manns "One More Drifter In The Snow" (2006) hat das kaum ein Popmusiker so souverän und geschmackssicher hinbekommen.

Mit gut 20 Minuten Laufzeit ist das ebenfalls Anfang November veröffentlichte "HARK!" (Loma Vista/nur digital) vom Sänger, Songwriter und Geiger ANDREW BIRD eher ein Minialbum. Aber auch diese sechs Weihnachtslieder sind Labsal für die Ohren all jener, die von der üblicher Jingle-Bells-Klangkulisse genug haben. Neue Bird-Stücke - von ihm gesungen und gepfiffen - stehen neben Klassikern wie einem karg arrangierten "Holy Night" oder Vince Guaraldis "Skating". Folk und Jazz gehen hier Hand in Hand.

"Ich hatte bis Februar letzten Jahres nie das Verlangen, ein Weihnachtsalbum zu machen", sagt Bird. "Ich ertappte mich dabei, wie sehr ich Vince Guaraldis 'Peanuts'-Alben genoss, und dachte, ich buche einfach mal ein paar Tage im Studio. Es war eine Ausrede, mit meinen Lieblingsmusikern etwas klassischen Jazz zu spielen." Auch Andrew Bird ist freilich Weihnachts-Fan: "Viele Leute tun sich schwer mit den Feiertagen, aber sie dienen uns als Menschen dazu, Komfort, Wärme und Atmosphäre in Dunkelheit und Kälte zu erschaffen."

Die "HARK!"-EP des äußerst vielseitigen Künstlers aus Chicago rundet ein starkes Jahr für den 46-Jährigen ab. Erst kürzlich wurde er in der Serie "Fargo" in einer für ihn geschriebenen Rolle besetzt, das jüngste Album "My Finest Work Yet" aus dem März gilt vielen Kritikern tatsächlich als sein bestes. Mit den Weihnachtsliedern zeigt Bird also wohl auch seine Dankbarkeit.