Alternative-Metal

Tool und "Fear Inoculum": Ein Dino wird digital

Die Band Tool will sich dem digitalen Wandel nicht mehr verschließen.

Die Band Tool will sich dem digitalen Wandel nicht mehr verschließen.

Foto: dpa

13 Jahre haben sich Tool für ihr neues Album Zeit gelassen. Während sich nichts Grundelegendes geändert hat, bricht in Sachen Vertrieb für die Alternative-Metaller ein - eigentlich nicht mehr ganz - neues Zeitalter an: das der Digitalisierung.

Berlin. Seit 1990 betreibt die US-Band Tool die Avantgardisierung des Rock - und widerstand dabei lange dem digitalen Wandel, der die Musikbranche vor allem seit Ende der 1990er-Jahre gründlich umgewälzt hat.

Auch auf dem Weg zum jetzt veröffentlichten "Fear Inoculum" verwehrten sich die Virtuosen weitestgehend noch lange Zeit dem, was für fast alle Vertreter der Branche seit Jahren Normalität ist: digitale Vertriebswege für Musik.

Inzwischen hat auch einer der letzten "Dinosaurier" in dieser Hinsicht die Segel gestrichen. Und was eigentlich einen Paradigmenwechsel bedeutet, wurde ganz beiläufig angekündigt. Ende Juli ließ die Band via Twitter verlauten, dass ihr Werk fortan "in allen digitalen und Streaming-Formaten" zu erhalten ist.

Und wo zuvor zu Rezensionszwecken betreute Hörsessions vorgesehen waren, die den exklusiven Charakter des Schaffens der Alternative-Metaller noch unterstrichen, wurden plötzlich digitale Hörproben an Journalisten verschickt.

Dass sich die Band seit dem Vorgänger "10 000 Days" (2006) 13 Jahre Zeit gelassen hat - auch das wirkt im heute noch schnelllebigeren Musikbusiness etwas aus der Zeit gefallen - wurde da fast zur Randnotiz. Denn offenbar wurde die Zeit genutzt: An Akribie und Virtuosität mangelt es "Fear Inoculum" nicht. Neu erfinden sich Maynard James Keenan, Justin Chancellor, Adam Jones und Danny Carey allerdings auch nicht.

Die Tool-Ästhetik der vergangenen Alben ist deutlich wiederzuerkennen: das rhythmisch anspruchsvolle Schlagzeugspiel Careys mit Mut zu ungeraden, ineinander verschachtelten Takten. Das nicht minder anspruchsvolle, mit Carey perfekt interagierende Bassspiel Chancellors. Keenans unverwechselbarer Gesang, den er auch seinem Projekt "A perfect Circle" leiht.

Außerdem das vielseitige Talent von Gitarrist Jones, der sich auch noch um Tools visuelles Erscheinungsbild kümmert und etwa eine limitierte CD-Box des neuen Albums gestaltet hat. Und bevor es unter den Tisch fällt: Bei den Songlängen schert sich die Band auch weiter nicht um Marktkonformität - nur ein einziges der sieben Stücke dauert unter zehn Minuten. Die Fangemeinde wird das kaum stören.