Musik

Hänsel & Gretel von Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo nach den Brüdern Grimm

Dieses Projekt weckt schon aufgrund seiner Begleitumstände die Neugier. Das estnische Regieduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo, bekannt für einen sehr jugendlichen, vitalen, körperlichen Zugang zum Theater, inszeniert „Hänsel & Gretel“ im Thalia Theater. Zu erwarten ist dabei nicht etwa ein vorweihnachtliches Märchen. Schließlich zählt der Klassiker der Brüder Grimm aus dem Jahr 1810 zu den eher grausameren, aber auch vielschichtigeren des Genres. Es dürfte ­also weniger märchenhaft zugehen, stattdessen dürfte die wirtschaftliche Not mit ihren Folgen eine große Rolle in der Lesart der Esten spielen.

Semper und Ojasoo, ein erprobtes Duo, das 2004 das Teater NO99 in Tallinn gründete und seither auch leitet, beherrschen eine stilistische Bandbreite, die von Shakespeare-Klassikern über Rockopern bis hin zu freien, performativen Formaten reicht. Für ihre Märchenversion haben sie sich mit Till Lindemann keinen geringeren als den Sänger von Deutschlands erfolgreichstem Rock-Export Rammstein gesichert. Er wird im Video zu sehen sein und ­gemeinsam mit Peter Tägtgren auch die Musik verantworten. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Mitwirkenden die Motive Angst, Hunger, Vertrauen und Vertrauensverlust bis hin zu Kannibalismus in „Hänsel & Gretel“ in eine zeitgemäße Geschichte als groteskes Märchen und multimediale Performance übertragen. Mit Kristof Van Boven, Marie Jung, Björn Meyer, Rafael Stachowiak und Gabriela Maria Schmeide stehen dem Team zudem unerschrockene Darsteller aus dem ausgezeichneten Ensemble zur Verführung.

„Hänsel & Gretel“14.4., 20.00, Thalia Theater (Premiere).Karten zu 20,- bis 52,- unter T. 32 81 44 44. Weitere Vorstellungen: 15., 22. und 27.4.