Aus Stahl und Beton

Skulpturen von Antony Gormley in London

Der britische Bildhauer Antony Gormley vor einem seiner Werke.

Der britische Bildhauer Antony Gormley vor einem seiner Werke.

Foto: dpa

Antony Gormleys gigantische Skulpturen aus Eisen, Stahl oder Beton werden in einer Ausstellung in London gezeigt.

London. In den Werken des britischen Bildhauers Antony Gormley (69) steht der menschliche Körper - vorwiegend sein eigener - im Mittelpunkt. Seine gigantischen Skulpturen aus Eisen, Stahl, Blei, Ton oder Beton schmücken weltweit zentrale Plätze, Dächer und Landschaften.

Bekannt ist zum Beispiel sein "Engel des Nordens" (Angel of the North) bei Gateshead in Nordengland. Nun widmet die Royal Academy (RA) in London dem vielfach preisgekrönten Künstler eine große Soloschau. Die Ausstellung "Antony Gormley" wird an diesem Samstag (21.9.) eröffnet und bis zum 3. Dezember gezeigt.

Die 250 Jahre alten Gemäuer der ehrwürdigen Royal Academy mussten einiges aushalten, um Gormleys tonnenschwere Plastiken zu beherbergen. In dreijährigen Vorarbeiten wurden Wände und Decken verstärkt. Nun schweben mehr als 20 Stahl-Abgüsse seines Körpers von den Decken und schießen aus den Wänden.

Installationen aus Stahl, Wasser und Beton bilden einen krassen Gegensatz zu der lieblichen Architektur der Räume aus dem 18. Jahrhundert. Für Gormley, so erläutert Chefkurator Martin Caiger-Smith, sind Ausstellungen ein Versuchsfeld. "Für ihn existiert ein Kunstwerk erst dann, wenn sich der kritische Betrachter mit ihm auseinandersetzt", sagte Caiger-Smith der Deutschen Presse-Agentur.

Dazu bietet die Schau in den 13 großen Räumen der RA ausgiebig Gelegenheit. Besucher können in einem Stahltunnel Dunkelheit begegnen, sich in einem Labyrinth von kilometerlangen Aluminiumrohren verlaufen oder beim Anblick eines Raums mit Meereswasser auf dem Boden Stille suchen.

Neu für die Ausstellung schuf Gormley unter anderem "Matrix III 2019" - eine raumfüllende Konstruktion aus sechs Tonnen Stahlgeflecht, das scheinbar schwerelos unter einem gläsernen Oberlicht schwebt. Die Fragen von Ursprung, Wachstum und Vergänglichkeit will Gormley über die Beziehung des Körpers zu Raum und Natur erforschen, so Caiger-Smith. "Gormley glaubt, dass Künstler eine Pflicht haben, das Menschsein verständlich zu machen."