Hamburg

Vergnüglicher Kästner-Klassiker im Ohnsorg Studio

Emil (Andrea zum Felde) reist in den Ferien nach Hamburg

Foto: Stephan Walzl

Emil (Andrea zum Felde) reist in den Ferien nach Hamburg Foto: Stephan Walzl

Gero Vierhuff hat „Emil un de Detektive“ mit altmodischem Charme und starken Darstellern inszeniert.

Hamburg. Grundschüler im Theater über längere Zeit zu fesseln, ist eine Herausforderung. Den drei Darstellern, die Erich Kästners Kinderbuchklassiker „Emil un de Detektive“ für Kinder ab sechs Jahren auf die Bühne des Ohnsorg Studios bringen, gelingt das erstaunlich mühelos. Und das, obwohl Gero Vierhuff den Stoff in einer gemischt niederdeutschen und hochdeutschen Version mit viel altmodischem Charme inszeniert.

Aus einem alten Koffer ziehen die drei erst einmal Kostüme und Requisiten, die das Geschehen in den 1930er-Jahren verorten. Keck mit Schirmmütze und kurzen Hosen wird der zwölf Jahre alte Held Emil Tischbein lebendig, auf einem Roller balancierend seine Cousine Pony Hütchen – und mit verschlagenem Zug um den Mund der elegant gekleidete Dieb Grundeis. Die Geschlechterrollen sind dabei häufig und ohne viel Aufhebens vertauscht. Marcel Franken hat sich schöne historische Kostüme überlegt, gleichzeitig die Bühne mit einer kalten U-Bahn-Wand samt historischem Fahrplan und einer Reklame seltsam zugestellt. Das muntere Spiel aber reißt es raus. Vor allem Andrea zum Felde überzeugt als Emil, der nach dem frühen Tod des Vaters von seiner Mutter (Jochen Klüßendorf bravourös als Friseurin) von Neustadt am Rübenberge für eine Ferienwoche nach Hamburg (nicht wie in der Vorlage Berlin) zur Großmutter geschickt wird. Ausgestattet ist er mit 140 Mark, die er mit einer Nadel im Anzug sichert. Doch weil er schließlich im Abteil einnickt und wilde Dinge träumt, hat der Dieb Grundeis, der ihm erst Schokolade schenkt und ihn dann bestiehlt, leichte Hand.

Der Publikumsandrang ist groß

Angekommen in Hamburg ist guter Rat teuer. Die Polizei wagt Emil nicht um Hilfe zu bitten, weil er in der Heimat ein Denkmal beschmiert hat. Doch schließlich findet er Unterstützung: neben Gustav mit der Hupe (impulsiv gespielt von Johannes Nehlsen) auch den „Professor“, den Jungen Dienstag – und natürlich jede Menge Kinder, die alle im Publikum sitzen. Gemeinsam verfolgen sie den Dieb bis ins Hotel Atlanic. „Das ist viel zu teuer“, murmelt da ein Junge aus dem Publikum in die Szene hinein, erste junge Zuschauer beginnen unruhig auf ihren Sitzen hin und her zu rutschen. Genau der richtige Moment also, um Fahrt in die Verbrecherjagd von einem Bühnenrand zum anderen zu bringen. Mithilfe des cleveren Nachrichtendienstes „Parole Emil“, einiger Geistesgegenwart und hilfreicher Freundschaft in der Not wird der Dieb in einer Bank schließlich gestellt.

Das Stück ist – mit wenigen moralisierenden Ausnahmen – vergnüglich anzuschauen. Die sprachlichen Wechsel geben auch den plattdütschen Szenen rasche Verständlichkeit.

Schon jetzt ist der Publikumsandrang groß. Wer das Stück sehen will, muss sich beeilen, für viele Termine gibt es inzwischen nur noch Restkarten.

„Emil un de Detektive“ Vorstellungen bis 4.3., Ohnsorg Studio, für Kinder ab 6 Jahren, Karten unter T. 35 08 03 21 und unter www.ohnsorg.de

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