Wikingersaga in der virtuellen Welt

Premiere: Ibsens "DieHelden auf Helgeland" feiert am 6.1. im Malersaal Premiere

Die Verlockungen der schönen neuen digitalen Welt machen auch vor dem Theater nicht halt. Und so verlegt Regisseur Roger Vontobel seine neue Premiere, Henrik Ibsens selten gespieltes Frühwerk "Die Helden auf Helgeland", kurzerhand in die virtuelle Welt des "Second Life". Am 6. Januar ist Premiere im Malersaal des Schauspielhauses.

Die sechs Darsteller hocken in Gegenwartskleidung vor dem Computer. Parallel dürfen sie als "Avatare" in dem Wikingerdrama mit voller Rüstung und langen Rauschebärten die Axt auf einer Leinwand hinter ihnen schwingen. Und sogar ein Drachenboot mit funkelnden Augen besteigen. Das 1857 entstandene Verwechslungsstück des erst 29-jährigen Ibsen strotzt vor folkloristischem Pathos. Die Ehedramen lagen noch in weiter Ferne. Doch auch bei diesem Ableger der Nibelungensaga ist der Konflikt von gelebter Wirklichkeit und privater Sehnsucht nach einem anderen, vielleicht vorbestimmten Leben, bereits angelegt. Ibsen bedient sich der nordischen Völsungasaga. Die tapfere Hjördis will einen "richtigen Kerl" heiraten. Dafür muss er einen Eisbären erlegen. Der entflammte Gunnar ist für diese Tat zu schwach, also übernimmt Freund Sigurd in dessen Verkleidung die Aufgabe. Alle Figuren verheiraten sich mit den Falschen. Doch der Schwindel fliegt auf, und die betrogene Hjördis sinnt auf Rache. Spätestens jetzt ist Ibsen beim psychologischen Familiendrama angelangt. Ob es Vontobel gelingt, angesichts der technischen Möglichkeiten eine romantische Material- und Kostümschlacht zu vermeiden, wird der Premierenabend zeigen.


Die Helden auf Helgeland Premiere So 6.1., 20.00, Malersaal im Schauspielhaus (U/S Hbf.), Kirchenallee 39, Karten 7,50 bis 16,-; T. 24 87 13 oder www.schauspielhaus.de