"Der Biberpelz" hat Premiere im Altonaer Theater

Sie stiehlt unterm Auge des Gesetzes und führt listig die Staatsmacht hinters Licht. Mit der Figur der wildernden und hehlenden Waschfrau Wolf und ihrem Gegenspieler, dem Amtsvorsteher Wehrhahn, porträtiert Gerhart Hauptmann in "Der Biberpelz" die Ära des "Eisernen Kanzlers" Bismarck und gibt Militarismus, Staatsbeamtendünkel und Sozialistenjagd der Lächerlichkeit preis. Am Altonaer Theater inszeniert Johannes Kaetzler in Zeiten der "Eisernen Angela", unter deren Regierung die Bürger ihre Gürtel noch enger schnallen werden müssen, die Diebeskomödie einer gewitzten Überlebenskünstlerin.

"Mit dem bissel Arbeit kann man nicht weit kommen" , sagt sich die Wolffen und schließt manche Versorgungslücke zum Wohl ihrer Lieben mit beherztem Zugriff. Sie klaut Holz, verkloppt die von ihrem Mann erlegten Böcke und entwendet dem reichen Rentier Krüger seinen warmen Pelz. Ihre Delikte sind offensichtlich, doch der bigotte Wehrhahn verbeißt sich so in die Verfolgung "demokratischer Elemente", daß sie ihn an der Nase herumführen kann und der junge Literat Fleischer für sie büßen muß. Am Ende wird die Wolffen als Dorfheldin geehrt.

Hauptmanns Sozialkomödie hat nicht von ungefähr wieder Hochkonjunktur im wirtschaftlichen Tief. Doris Kunstmann tourt als tüchtiges Schlitzohr durch die Lande, in Hannover spielt Lola Müthel das patente Muttertier. Und in Altona gibt - mit Peter Bause als Gegenspieler Wehrhahn - Hannelore Droege die komödiantische Paraderolle.

Der Biberpelz Voraufführungen Fr 21.10., Sa 22.10., 20.00, Karten 9,-, Premiere 23.10., 19.00, Altonaer Theater (S Altona), Museumstraße 17, Karten zu 15,- bis 29,- unter T. 39 90 58 70