Gefühl der Nostalgie

Sepia - die Galerie 22 zeigt neue Fotografien von Silke Lauffs

An schrillen Fotos ist schwer vorbeizukommen, an stillen nicht weniger. Zur Spezialistin auf letzterem Gebiet hat sich die in Berlin lebende Silke Lauffs entwickelt. Für ihre Aufnahmen treibt sie weder inszenatorischen noch technischen Aufwand. Mit der Zeit geht sie dagegen fast verschwenderisch um. Ein Model stellt sie einfach vor eine kahle, halb abgedunkelte Wand. Für eine ganze Minute. So lange hält es kein Mensch ohne Bewegung aus. Durch simples Verwackeln stellt sich jene leichte Unschärfe ein, die den Motive auf Silke Lauffs' Fotos eine besondere Note verleiht. Sie verlieren die Härte der Lichter und Schatten und entfernen sich scheinbar aus der Realität in eine immaterielle Sphäre. Nur ein asymmetrischer Kleiderausschnitt oder eine bizarre Frisur lassen ahnen, dass Mode im Spiel ist. Die Galerie 22 stellt Lauffs-Fotos aus, die Mode, Landschaften und Blüten-Stillleben in das milde Graubraun der Sepia tauchen. Das erinnert an frühere Gepflogenheiten, als die Ästhetik der Fotografie einen Stich ins Bräunliche forderte. Heutzutage löst die Tönung eher ein Gefühl der Nostalgie aus, der Melancholie über die Vergänglichkeit alles Lebenden. Sepia Fotos von Silke Lauffs, 25.6.−20.7.,Di−Fr 11.00−19.00, Sa 11.00−16.00. Galerie 22 (Bus 5,35), Bornstraße 32, Eintritt frei