St. Nikolai

Diese Orgel kann auch rocken – wenn man sie lässt

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Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, richtete in St. Nikolai ein Grußwort an die Besucherinnen und Besucher.

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, richtete in St. Nikolai ein Grußwort an die Besucherinnen und Besucher.

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / picture alliance/dpa

Am Ostersonntag wurde in St. Nikolai die Peter-Orgel eingeweiht. Die Runderneuerung kostete mehr als drei Millionen Euro.

Hamburg.  30.000 Arbeitsstunden von 45 Orgelbauerinnen und Orgelbauern in rund zwei Jahren. Insgesamt 18 beteiligte Firmen und Gewerke, darunter auch professionelle Höhenkletterer. Und das alles für einen Preis von mehr als drei Millionen Euro.

Ein mächtiger Aufwand, um die Peter-Orgel der Hauptkirche St. Nikolai rundzuerneuern und wieder in Schuss zu bringen. Aber der hat sich gelohnt. Das war beim Einweihungskonzert am Ostersonntag zu erleben, mit dem das Instrument seine „Wiederauferstehung“ feierte, wie Bischöfin Kirsten Fehrs in ihrem Grußwort betonte.

St. Nikolai in Hamburg: Die Peter-Orgel kann auch rocken

Die renommierte Firma Klais aus Bonn – auch verantwortlich für die Orgel der Elbphilharmonie – hat nicht nur 5201 Pfeifen des ursprünglichen Pfeifenwerks von 1966 ausgebaut und restauriert, sondern das Instrument stilgetreu erweitert und aufgepimpt. Mit 2078 zusätzlichen Pfeifen, einige davon im neu gebauten Antiphonal auf der Rückseite des Kirchenraums. Das heißt, anders als früher, kann die Orgel ihr Publikum auch von hinten beschallen und eine Art Surroundeffekt erzeugen. So bekommt die eher trockene Akustik in St. Nikolai eine schöne Räumlichkeit.

Die nutzte Wolfgang Zerer – einer der beiden Toporganisten des Einweihungskonzerts – schon im ersten Stück, einem Präludium von Vincent Lübeck. Zerer spielte das barocke Stück schlank und transparent, deutete aber zugleich auch die hinzugewonnenen Möglichkeiten des Instruments an. Es hat jetzt viel mehr Wumms und Wärme, auch durch neue 16- und 32-Fuß-Pfeifen, die den Bass fett brummen lassen.

Organist Wolfgang Zerer brachten technische Probleme nicht aus der Ruhe

Technisch ging noch nicht alles glatt. In der anschließenden Reger-Fantasie hatte Zerer das Pech, dass ein Ton hörbar hängen blieb, ließ sich aber davon nicht aus der Ruhe bringen und brachte das sauschwere Stück nervenstark ins Ziel. Beeindruckend!

Noch näher als die spätromantische Fülle von Reger ist dem restaurierten Instrument allerdings die Klangwelt der zeitgenössischen Musik. Was für krasse Sounds sich da via Spieltisch, Pedal und Touchscreen kreieren lassen, demonstrierte der Lübecker Orgelprofessor Franz Danksagmüller virtuos in einer eigenen Improvisation und einem Stück von Bengt Hambraeus. Das Spektrum reichte vom zarten Silberregen und Gewitterrauschen – erzeugt durch manipulierbare Windzufuhr – bis zu verzerrten Akkorden, die gut nach Wacken gepasst hätten. Ja, die Orgel rockt auch, wenn man sie lässt.

Ein aufregender Start ins neue Leben des Instruments, das in den kommenden Wochen ausgiebig gefeiert wird. Vom smarten Nikolai-Kirchenmusiker Tjark Pinne, der in Formaten wie der „Orgel:Lounge“ präsent ist, aber auch von verschiedenen Gaststars beim Orgelfrühling.

Alle wichtigen Infos zu Konzerten und zum Instrument sind in der frisch entwickelten App Orgel:Nikolai mit Fakten, Bildern und Videos gebündelt.

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