Elbphilharmonie

Mahler Chamber Orchestra auf klanglicher Achterbahnfahrt

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Das Mahler Chamber Orchestra beim Konzert im September 2020 im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Das Mahler Chamber Orchestra beim Konzert im September 2020 im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Foto: Daniel Dittus

Das Mahler Chamber Orchestra spielte mit Solist Alexander Tharaud in der Elbphilharmonie: Ravel toppt, Benjamin floppt.

Hamburg. Als kleine Überraschung hatte das Mahler Chamber Orchestra gleich ein Stück im Programm, das erst vor wenigen Tagen bei den BBC Proms in London zur Uraufführung gelangt war. Ein Concerto for Orchestra von Sir George Benjamin, das der Komponist als Dirigent dieses Abends in der Elbphilharmonie gleich selbst leitete und das von allen gespielten Werken leider auch das schwächste war.

Obwohl einige Musikerinnen und Musiker dieses Ausnahme-Ensembles schon ein paar Soli hatten, verlor sich das breit angelegte Stück in punktuellen Klangereignissen, die nicht zueinander finden wollten und schon gar nicht einen dramaturgischen Bogen stützten.

Die Kleinteiligkeit dieses wenig spannungsreichen Werkes mit seinen schwerfälligen Entwicklungslinien unterforderte zudem die Fähigkeiten eines so fantastischen Orchesters, das in Maurice Ravels zuvor gespieltem Klavierkonzert B-Dur gerade erst gezeigt hatte, was es eigentlich drauf hat.

Elbphilharmonie: Streicherläufe wie Windstöße um die Ohren

Kein Geringerer als Alexandre Tharaud war der Klaviersolist dieses sowohl für das Orchester als auch für den Pianisten haarsträubend virtuosen Werkes. Tharaud spielte mit dem Orchester in engstem, vor allem im Adagio assai fast kammermusikalischem Austausch. Er verfolgte einen eher lyrischen Ansatz und akzentuierte nicht so scharf wie andere Interpreten. Zauberhaft war der Übergang seines Klavierparts in ein Harfenarpeggio, das Tharaud auf seinem Yamaha-Flügel klanglich so annäherte, das beide Instrumente miteinander verschmolzen.

Am Ende dann das bizarre Presto, eine Art Achterbahnfahrt, bei der im Orchester die Es-Klarinette und die Piccoloflöte förmlich aufschrien und die Streicherläufe einem wie Windstöße um die Ohren sausten. Nicht nur hier, auch für ihre großen Leistungen bei Oliver Knussens Opernsuite „The Way to Castle Yonder“ op. 21a wurden die Orchestermitglieder vom Publikum einzeln bejubelt und mit Bravos nur so überhäuft, nachdem sie Maestro Benjamin einzeln hatte aufstehen lassen.

( hpe )

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