Laeiszhalle wiedereröffnet

Die bewegende Rückkehr der Symphoniker Hamburg

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Helmut Peters
Unter der Leitung von Sylvain Cambreling feierten die Symphoniker Hamburg am Montagabend die Wiedereröffnung der Laeiszhalle (Archivbild).

Unter der Leitung von Sylvain Cambreling feierten die Symphoniker Hamburg am Montagabend die Wiedereröffnung der Laeiszhalle (Archivbild).

Foto: picture alliance/dpa/Marcus Brandt

„Die Laeiszhalle lebt wieder!“ Das Orchester unter Sylvain Cambreling begeistert mit einem reinen Mozart-Programm. Die Konzertkritik.

Hamburg.  Es war eine kluge Entscheidung von Sylvain Cambreling und seinen Symphonikern Hamburg, die Wiedereröffnung der Laeiszhalle für Livekonzerte am Montag mit einem reinen Mozart-Programm zu feiern. Als Seelenmassage für all die Entbehrungen der letzten Monate und als Mutmacher für einen positiven Blick in die Zukunft.

Dass Mozarts Musik in besonderem Maße das vegetative Nervensystem beeinflusst und Stress abbauen kann, wissen Psychologen und Musiktherapeuten ja schon lange. Sie ist in der Lage, Depression und Kummer zu überwinden und den Blick immer wieder auf die Schönheit dieser Welt zu richten.

Laeiszhalle wiedereröffnet: Symphoniker Hamburg in Bestform

Intendant Daniel Kühnel begrüßte sein Publikum mit den Worten: „Sehen Sie, kaum beginnen die Symphoniker wieder in der Laeiszhalle zu spielen, da scheint auch draußen die Sonne wieder.“ Und Maestro Cambreling fügte hinzu: „Es ist nicht nötig zu sagen, wie froh wir sind, wieder zusammen sein zu können. Mozarts vorletzte Sinfonie g-Moll KV 550 beginnt zwar traurig. Es ist aber die Lebendigkeit, an die ich bei diesem Stück denke, die Seele und der Wille, nicht aufgeben zu wollen.“

Die Symphoniker Hamburg jedenfalls waren an diesem Abend in Bestform, energiegeladen und voller Lust, und sie hatten sich mit der japanischen Geigerin Akiko Suwanai eine Solistin eingeladen, die Mozarts frühes Violinkonzert Nr. 1 KV 207 einfach zauberhaft spielte.

Auf die Leichtigkeit und Frische, mit der das Orchester die Exposition des Allegro moderato anstimmte, reagierte die in Paris lebende Ausnahmesolistin mit einer Vielzahl von Gestaltungsideen in kleinsten Details. Sie setzte Impulse, die vom Orchester unmittelbar übernommen wurden. Dabei klang der Ton ihrer Geige „Charles Reade“ von Guarneri del Gesu aus dem Jahr 1732 so einschmeichelnd sanft, ausgewogen in jeder Lage und beweglich bei jedem dynamischen Wandel, dass es eine Freude war.

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Etwas getrübt wurde der Genuss durch die vielen Kiekser des Solohornisten Jacob Christopher Dean, der im Ansatz einen nicht so glücklichen Tag hatte. Im langsamen Satz spielte Akiko Suwanai von Beginn an die Stimme der ersten Violinen mit und entzückte danach mit Kantilenen und langen Tönen, bei denen sie das Vibrato verzögert einsetzen ließ. Sie spielte in jedem Satz die großartigen Solokadenzen des amerikanischen Pianisten Robert D. Levin, die auf sehr knappem Raum die Mozartschen Themensplitter durcheinander würfelten und der Solistin dabei Raum für Mini-Improvisationen ließen.

In der Eleganz und Spielfreude stand die G-Moll-Sinfonie im zweiten Teil dem Violinkonzert um nichts nach. Cambreling hatte die Symphoniker fest im Griff und folgte seiner Idee, dem latenten Bedrohungspotential manch düsterer Passage sogleich den Ausgleich folgen zu lassen. Im Andante konnten die Streicher abermals zeigen, in welch großartiger Form sie trotz der Zwangspause geblieben sind. Trotzig, aber ohne Grimm hob das Menuetto an, das die Erste Flötistin Wiebke Bohnsack mit einem charakteristischem Schlenker ausklingen ließ. Nach dem Konzert sagte der Konzertmeister Adrian Iliescu voller Begeisterung: „Es war ein ganz besonderes Erlebnis. Die Laeiszhalle lebt wieder!“

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