Ausstellung

Abstrakte Horrorshow über die Zerstörung der Öko-Systeme

| Lesedauer: 4 Minuten
In der Schau „Making Kin“ ist auch Anne Duk Hee Jordans Arbeit „From the deep sea archive. Piranhas are not so deep“ (2017) zu sehen.

In der Schau „Making Kin“ ist auch Anne Duk Hee Jordans Arbeit „From the deep sea archive. Piranhas are not so deep“ (2017) zu sehen.

Foto: Anne Duk Hee Jordan

Das Kunsthaus Hamburg zeigt in der eigenwilligen Öko-Ausstellung „Making Kin“ die Arbeiten dreier Künstlerinnen.

Hamburg. Der Teich schimmert eher dunkel als hell schon von weitem, superartifiziell sieht er aus. Könnte so künstlich in jedem Bank- oder Versicherungsgebäude hindrapiert sein. Er ist, doch dazu später, in seiner monochromen Schlichtheit ein Kontrast zum psychedelischen Allerlei des Rests von „Making Kin“. Die Ausstellung läuft derzeit im Kunsthaus Hamburg, sie besteht aus den Arbeiten dreier Künstlerinnen: von Melanie Bonajo (1978 in den Niederlanden geboren), Madison Bycroft (1987 in Adelaide, Australien, geboren) und Anne Duk Hee Jordan (1978 in Korea geboren).

Also, der Teich. Der Teich ist von den plastischen Arbeiten, den Installationen, die zugänglichste. Das liegt an der Kreatur-Maschine, der Roboterkrabbe, die sich permanent durch das Wasser wühlt und die nur vordergründig stille Anmutung des Teichs zu einer Stätte der Unruhe macht. Passt zum Titel des Films, den Duk Hee Jordan, deren nassforsche Installation „Water Crab“ man hier bewundert, auf die Wasseroberfläche projiziert – „Staying With the Trouble“. Selbst gefilmte Aufnahmen aus Costa Rica, verrät das Ausstellungsbegleitheft. Und es behauptet außerdem, dass die Roboterkrabbe darum bemüht ist, Müll einzusammeln.

in „Making Kin" geht es um die Zerstörung der ökologischen Systeme

Dass hier gar kein Müll herumschwimmt, stört dann nicht, wenn man ihn sich einfach imaginiert. Wissen wir alle, der Plastikmüll in den Ozeanen. Aber, so heißt es im Heft: Der Reinigungsroboter funktioniert nicht richtig. Er ist als Skulptur ein „Sinnbild der Unmöglichkeit, mit immer intelligenteren Maschinen die Fehler unseres verheerenden Handelns zu bewältigen“.

Es geht in „Making Kin“ (zu deutsch etwa: „sich verwandt machen“) um die Zerstörung der ökologischen Systeme, um die oft toxische Beziehung von Mensch und Natur. Die Ausstellung will verschiedene Ansätze zusammenbringen, die nach der Zukunft des Planeten fragen, sie versammelt dabei Video, Installation, Performance und Malerei.

Aber passt das tatsächlich zusammen? Der Robotikansatz Anne Duk Hee Jordans, Melanie Bonajos Experimentalfilme, in denen sie den Pantheismus gegen spirituelle Leere setzt, und Madison Bycrofts knallbunte Korallenriff-Feier als (bedrohtem) Ort der Verschmelzung von Mensch, Tier und Ding?

Alles wirkt auch wie eine Horrorshow

Durchaus. Wenn man zum einen die Atmosphäre dieses großen Raumes in sich aufsaugt. Nur ganz kurz denkt man bei Bycrofts großformatigem Gemälde der Unterwasserwelt an eine Kifferfantasie, gleich darauf fühlt man sich zwar psychedelisch umnebelt – ein Motiv, das man bei Bonajos Film über das bewusstseinserweiternde Pflanzenextrakt Ayahuasca wieder aufgreifen kann –, aber auch in der puren Gegenwart.

Denn eigentlich wirkt das alles, also auch die Rückseite der Korallenriffinstallation, auch wie eine Horrorshow. Ebendiese Rückseite zeigt das Bild einer unwirtlichen, pinken Vulkanlandschaft. Vor ihm die Skulpturen eines trommelnden Faultiers und eines Pavians, der dem Betrachter das Gesäß entgegenreckt (und laut Ausstellungsheft „pupst“).

Der Mensch tut dem Planeten grundsätzlich nicht gut

Das kann nun vieles bedeuten, zum Beispiel, dass der Rezipient die Künstlerin einfach mal gern haben kann, wenn er zu viel klare Message will. Zum anderen aber, dass, Stichwort „Horrorshow“, der Mensch dem Planeten grundsätzlich nicht guttut. Den Status des Unwohlseins, das einen beim Studium dieser anarchischen und vielleicht tatsächlich politischen Kunst befällt, hämmert uns Greta ja auch ein. Vielleicht wäre sie eine gute Schirmherrin von „Making Kin“.

Die Schau ist eher abstrakt, so insgesamt. Nicht unbedingt so abstrakt wie die Relativitätstheorie, aber so abstrakt wie der Erstligaaufstieg des HSV etwa.

„Making Kin“ Kunsthaus Hamburg, Klosterwall 15, bis 6.9. Öffnungszeiten Di-S0 11-18 Uhr, Eintritt 5, erm. 3 Euro.

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