Laeiszhalle: Tabea Zimmermann

Edle Eleganz auch in den kratzbürstigsten Passagen

Streicherische Weltklasse: Bratscherin Tabea Zimmermann verstärkte das Ensemble Resonanz in der Laeiszhalle.

Hamburg. Wäre ihr nicht nach wenigen Minuten eine Saite gerissen – man hätte glauben mögen, Tabea Zimmermann sei aus einer anderen Welt in die Laeiszhalle eingeschwebt. Denn wenn die famose Bratscherin ihr Instrument ansetzt, scheint alle physische Erdenschwere plötzlich verflogen: Sie musiziert mit einer so leichthändigen Selbstverständlichkeit und traumwandlerischen Perfektion, als wäre das alles ein Kinderspiel, das nichts mit Üben und derlei profanen Dingen zu tun hat.

Selbst ein spröde-expressives Stück wie der Monolog für Viola und Orchester von Schnittke behält bei ihr bis in die kratzbürstigsten Passagen hinein edle Eleganz; ihr Pianissimo verliert nie seine wohlige Grundwärme. Auch der jüdisch gefärbte Klang in Kopytmans „Kaddish“ und die feurige Virtuosität des stark an Schostakowitsch erinnernden Stücks waren bei ihr und dem Ensemble Resonanz in den besten Händen: Zimmermann hatte das Programm mit den Musikern einstudiert, die schon in der eröffnenden Mendelssohn-Streichersinfonie spritzige Spielfreude an den Tag legten und dann in Korngolds Serenade viele berückende Momente schufen. Hier verstärkte Tabea Zimmermann das Ensemble als Luxus-Stimmführerin – und fügte sich wunderbar in den Kammerorchesterklang ein.

Dass Elbphilharmonie-Intendant Lieben-Seutter eine so vielseitige Künstlerin als „artist in residence“ gewinnen konnte, ist ein echter Coup. Ihre nächsten Konzerte sollte man sich rot im Kalender markieren: Da ist streicherische Weltklasse garantiert.