Köln. Fragt man ein Kind, was es gerne im Fernsehen sieht, wird es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von einem rosa Wesen namens „Peppa“ berichten. Nun bekommt das Schweinemädchen einen ganzen Kinofilm.

Britische Kulturikonen, die die Welt erobert haben - das sind die revolutionären Beatles, der coole James Bond, die ehrwürdige Queen. Und ein rosa Schwein, das aussieht wie ein Föhn.

Wer keine Kinder hat, wird es kaum mitbekommen haben, aber die britische Zeichentrickserie „Peppa Wutz“ hat seit ihrem Start vor fast 20 Jahren einen sagenhaften Siegeszug um die Welt hingelegt. Sie erzählt in knallbunten, kurzen Episoden vom Schweinemädchen Peppa, das am liebsten in Pfützen hüpft und mit ihren Eltern und ihrem Bruder Schorsch in einem kastigen Haus auf einem Hügel lebt. Kinder - und notgedrungen oft auch ihre Eltern - in mehr als 180 Ländern verfolgen das Treiben des rosa Borstentierchens mittlerweile.

Am Donnerstag (1. Februar) erklimmt die Schweine-Familie nun eine neue Stufe. Dann startet mit „Peppas Kino-Party“ ein ganzer Kino-Film. Pünktlich zu ihrem 20-jährigen Jubiläum feiere Peppa „endlich ihr Kinodebüt“, jubiliert das Begleitmaterial. Bei genauem Hinsehen ist es eher eine Aneinanderreihung neuer Episoden gemixt mit Musik-Einlagen und - für Fans der Fernsehfassung ungewohnt - Realfilm-Elementen, in denen man echte Kinder und Familien sieht, die mit Peppa feiern. Ihrer Anhängerschaft dürfte das etwas stückige Konzept aber grunzegal sein. Spaß macht das alles trotzdem.

Die seltsame Welt der Erwachsenen

Der Film zeigt zum Beispiel, wie Bauarbeiter Herr Bulle mit seiner geliebten Frau Kuh (in Peppas Welt leben nur Tiere) Hochzeit feiert. Auch sieht man Peppa - very british - beim Rasen-Tennis mit ihren Freunden. Und Familie Wutz unternimmt einen Urlaub in einem kleinen Wohnwagen. „Wir haben geschlossen, es hat zu viel geregnet. Es ist auch nicht schön hier - außer sie mögen Matschepfützen“, sagt da ein verzweifelter Campingplatz-Betreiber. Man ahnt, was dann passiert.

Warum ist das so erfolgreich? Eine Antwort lässt sich auch in diesem Kinofilm sehen. Peppa funktioniert nicht nur für Kinder, sondern auch, wenn man 40 Jahre alt ist und Matschepfützen im Allgemeinen als Ärgernis betrachtet. Die Serie hat Humor - vor allem, wenn es darum geht, die seltsame Welt der Erwachsenen mit Kinderaugen zu sehen. Etwa das immense Bohei, das um eine Hochzeit gemacht wird. Oder eine Kunstausstellung. Die ist schön und gut - aber die meisten Leute kommen eigentlich nur, weil es Snacks gibt. Dass der Peppa-Witz dabei auch vor dem ein oder anderen Klischee nicht zurückschreckt, sei dazu gesagt. Frau Kuh ist zum Beispiel offensichtlich Niederländerin und heiratet dann - Tusch - in einem Käse-Kleid.

Längst steht Peppa in der großen Ahnengalerie berühmter Rüsselträger, vom „Schweinchen Babe“ über „Schweinchen Dick“ bis zu der machtbewussten Schweine-Elite aus Orwells Literatur-Klassiker „Farm der Tiere“. Peppa ist ein Phänomen. „Peppa Wutz ist der großartigste britische Import dieses Jahrzehnts“, bekannte etwa der US-Regisseur Quentin Tarantino, Oberguru aller Cineasten, 2022.

Die britische Gesellschaft schimmert durch

Auch der britische Ex-Premierminister Boris Johnson huldigte ihr 2021 in einer Rede, in der er über einen Peppa-Wutz-Freizeitpark sprach, den er offenbar besucht hatte. Es sei toll da, sagte Johnson. Die Straßen seien sicher, in den Schulen herrsche Disziplin, viel Wert werde auf Bus und Bahn gelegt. Ein supererfolgreiches Schwein, das „vielleicht“ aussehe wie „eine Art Picasso-Fön“ - das zeige die Kraft „britischer Kreativität“. Viele Beobachter empfanden den Exkurs als rätselhaft und zweifelten mal wieder an Johnsons Verstand. Aber so ganz falsch war das eigentlich nicht. Es gibt auch Berichte über US-amerikanische Eltern, die an ihren Kindern plötzlich einen britischen Akzent bemerken. Als Ursache wird Peppa ausgemacht.

Tatsächlich schimmert in der Serie viel britische Gesellschaft durch. Heimliche Heldin ist Frau Mümmel, Working Class, die immer andere Jobs machen muss, manchmal auch parallel („Der feuchte Traum des Neoliberalismus“, Zitat „Missy Magazin“). Kritisch wurde auch schon die Rollenaufteilung zwischen Mama und Papa Wutz besprochen. Zugleich hat sich die Serie aber auch modernisiert. Peppa hat nun zum Beispiel ein Eisbär-Mädchen als Freundin, das zwei Mamas hat.

Eben bei diesem Mädchen findet im Kinofilm ein Filmabend statt. „Hört mal auf zu quatschen!“, fordert Peppa da. Sie verstehe ja nichts. Das gilt auch für „Peppas Kino-Party“. Vielleicht einfach mal anschauen.