Berlin. In ihrem neuen Film beleuchtet Agnieszka Holland die Situation von Geflüchteten an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Das brachte ihr Auszeichnungen ein - und Anfeindungen.

Die Nachrichtenbilder von Flüchtlingen, die vergeblich versuchen, in Europa Schutz und Sicherheit zu finden, sind allgegenwärtig. Emotionale Betroffenheit lösen sie selten aus. Das Grauen bleibt abstrakt. Dagegen geht die 75-jährige, polnische Regisseurin Agnieszka Holland in ihrem Spielfilm „The Green Border“ mit spürbarer Wut an. Was sie aufregt ist vor allem die Gleichgültigkeit, oft gar Feindseligkeit, mit der Flüchtenden begegnet wird.

Agnieszka Holland hat im Kino bereits mehrfach historische Katastrophen beleuchtet. Beispielsweise hat sie dem Naziterror, der stalinistischen Gewalt, den Verbrechen der Menschheit an der Natur mit künstlerischen Mitteln die Stirn geboten. Immer hat sie dabei vor allem auf starke Gefühle gesetzt. So auch hier. Indem sie Einzelschicksale verfolgt, gelingt es ihr, das Publikum gleichsam mit den Bedrängten und Bedrohten zu vereinen.

Das Schicksal von Geflüchteten

„The Green Border“ spielt 2021 in einem Wald zwischen den Staaten Belarus und Polen und erzählt die Geschichten von einigen Flüchtenden. Sie kommen zum Beispiel aus Syrien und Afghanistan und haben eine schier endlose Odyssee hinter sich. Nun werden sie brutal zu Spielbällen politischer Interessen gemacht und finden weder in dem einen noch in dem anderen Land Hilfe. Agnieszka Holland zeigt das in oft dokumentarisch anmutenden Szenen mit gnadenloser Härte: erst wird den Hilfesuchenden das Geld aus der Tasche gezogen, dann werden sie im Stich gelassen und sterben elend.

Gezeigt wird auch, mit welchen Methoden der Gehirnwäsche an sich feinfühlige Grenzschutzbeamte im Film zu Bestien im Sinne der Machthaber dressiert werden. Ideologie verdrängt jede persönliche Humanität, Profitsucht und Machtgier ersticken alles gesellschaftliche Engagement. Agnieszka Holland richtet den Fokus daneben auch auf einige Menschen mit Courage, die helfen wollen. Doch sie werden von den Vertretern der Staatsmacht kriminalisiert und so daran gehindert, Mitmenschlichkeit zu leben.

Die bezwingende Darstellung der Situation hat Agnieszka Holland nach der Uraufführung des Dramas im Herbst 2023 auf dem Filmfestival in Venedig gleich mehrere Auszeichnungen beschert. Dazu gab es heftigste Anfeindungen: Vertreter der damaligen national-populistischen Regierung unter der PiS-Partei in ihrer Heimat Polen haben Agnieszka Holland als „Staatsfeindin“ gebrandmarkt, ihren Film als „faschistische Propaganda“. Was nur eines zeigt: „Green Border“ trifft ins Schwarze.