Berlin. Täterin und Opfer: Kilian Riedhofs Film zeigt die Geschichte einer Frau, die um sich selbst kämpft, während sie andere zerstört. Ein Film über Geschichte und Leben mit Paula Beer in der Hauptrolle.

Erfolgsregisseur Kilian Riedhof („Gladbeck“, „Sein letztes Rennen“) nimmt sich in „Stella. Ein Leben.“ der wahren Geschichte von Stella Goldschlag (1922 - 1994) an. Der Film zeigt die jüdische Frau aus Berlin, die während des Zweiten Weltkriegs als Greiferin für die Gestapo arbeitete. Das heißt: Sie hat jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die dem Terror in Berlin in Verstecken zu entkommen versuchten, denunziert und an die Gestapo verraten.

In der Titelrolle agiert Paula Beer. Nach vielfach ausgezeichneten Darstellungen in Filmen wie zuletzt „Roter Himmel“ zeigt die Schauspielerin hier ihre bisher reifste Leistung als Charakterinterpretin. Sie spielt Stella in der sorgfältig recherchierten Geschichte. Zunächst wird sie als junge Frau gezeigt, die von einer Karriere als Jazz-Sängerin träumt. Doch sie wird verhaftet und misshandelt. Aus Angst um sich selbst und um ihre Eltern (Katja Riemann/ Lukas Miko), lässt sie sich auf den Teufelspakt mit der Gestapo ein. Stella überlebt und sieht sich nach dem Krieg von der Justiz als unschuldig verfolgt. Sie wird zur glühenden Antisemitin.

Dem Film gelingt es mit Spannung und Feingefühl, die tragische Geschichte einer Frau zu erzählen, die Opfer und Täterin zugleich ist. Dabei geht es nicht darum, sie als Schuldige oder Unschuldige zu zeigen. Vielmehr macht der Film auf eindringliche Weise klar, dass Menschen in einem Unrechtsstaat wie der faschistischen deutschen Diktatur der Jahre 1933 bis 1945 im Überlebenskampf oft zwangsläufig zu Unmenschen werden mussten.

Paula Beer über ihre Titelrolle

Beer sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass sie während des Drehs eine „große Ambivalenz“ empfunden habe. Denn: „Da ist es zum einen eine reizvolle Herausforderung für mich als Schauspielerin, einen derart widersprüchlichen Charakter zu spielen. Und andererseits ist da mein Ekel vor den Taten. Es war wirklich ein Kampf für mich“, betonte sie.

Die Schauspielerin hält den künstlerischen Blick ins Gestern für überaus notwendig: „Ich glaube, um die Historie zu verstehen, ist es gut, sich dazu eigene Fragen zu stellen und zu versuchen, eigene Antworten zu finden“, sagte sie. „Dieser Film wirft uns direkt in die Zeit und bewirkt auch eine emotionale Auseinandersetzung. Das halte ich zum Verständnis der Vergangenheit für sehr wichtig“, betonte die 28-Jährige.

Das Verstehen der Vergangenheit zielt in diesem Film deutlich aufs Heute. Dazu hat Beer eine große Hoffnung: „Ein kühner Wunsch von mir ist, dass der Film das Publikum zum Nachdenken darüber anregt, wie wichtig es für jeden ist, Eigenverantwortung zu übernehmen. Die Haltung, dass immer die anderen schuld sind, ist falsch.“

Der kraftvolle Film hat zweifellos das Potenzial, gewichtige Diskussionen anzuregen.