Paris –. Vor gut einer Woche war die Weltpremiere von „Napoleon“. War Frankreichs berühmtester Herrscher ein Verbrecher? Star-Regisseur Scott hat da so seine Zweifel.

Für die britischen Regie-Legende Ridley Scott war Napoleon kein Verbrecher gegen die Menschlichkeit. Er sei eine sehr umstrittene historische Figur, aber Kriegsverbrecher sei doch ein zu harter Begriff, sagte der Altmeister („Blade Runner, „Alien“) in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Napoleon sei ein Leader gewesen, ein General, er habe Kriege geführt, bei denen Menschen starben, erklärte der 85-Jährige.

Über den Kaiser der Franzosen hat Scott nun das Historienepos „Napoleon“ gedreht, das in Deutschland am 23. November in die Kinos kommt. Für die Titelrolle hat der Regisseur 23 Jahre nach „Gladiator“ wieder Joaquin Phoenix vor die Kamera geholt. Die Weltpremiere feierte Scotts neuer Film am 14. November in Paris.

Napoleon (1769-1821) gilt als Frankreichs berühmtester und umstrittenster Herrscher. Für die einen war er ein genialer Kriegsherr, für die anderen ein Kriegsverbrecher, der über 60 Schlachten führte.

„Er hat sowohl das Schlechte als auch das Gute verkörpert“, sagte Scott. Seine Begründung: Er habe innenpolitisch bedeutende Reformen durchgeführt, die das Land noch immer prägten. Auf Napoleon geht der noch heute gültige, im Jahr 1804 eingeführte „Code civil“ zurück, der das französische Zivilrecht regelt. Für Scott war Napoleon eine erstaunliche Person, über die es noch viel zu sagen gäbe.