Los Angeles. So richtig verarbeitet hat Regisseur Edward Berger den Oscar-Triumph noch nicht. Aber das muss einen ja nicht am Feiern hindern.

Der vierfache Oscar-Gewinn von „Im Westen nichts Neues“ wird gebührend gefeiert - das stellt Edward Berger mit der glänzenden Statue in der Hand unmissverständlich klar. Strahlend hält er nach der Oscar-Show Backstage vor der Presse die Trophäe hoch. Damit komme er nun problemlos bei der Vanity-Fair-Party rein, witzelt der Regisseur.

„Feiern werden wir definitiv sehr lange und sehr viel“, mit der ganzen Crew zusammen. „Wir werden uns einfach in den Armen liegen und tanzen und ganz viel trinken.“ Er hinke mit seiner emotionalen Reaktion noch hinterher, räumt Berger ein. „Wahrscheinlich begreife ich es morgen. Was ich wahnsinnig schön finde, dass es vier Oscars sind. Das ist natürlich viel mehr, als wir uns je erhofft haben.“

Fast 20 Kilogramm schleppen die Oscar-Preisträger in Form der vergoldeten Trophäen nun in der Party-Nacht mit sich herum: Berger für seinen Sieg in der Sparte „International Feature“, dazu der Kameramann James Friend, Komponist Volker Bertelmann alias Hauschka, sowie Christian M. Goldbeck und Ernestine Hipper, die den Oscar fürs Produktionsdesign holten. Mit neun Nominierungen war der deutsche Film angetreten.

„Ein schöner Haufen Blech“

Erster Stopp nach der Gala ist der berühmte Governors-Ball, wo gleich nach der Preisvergabe Starkoch Wolfgang Puck über 1500 Gäste verköstigt. Natürlich gibt es dort auch wieder süße Trostpreise - mit Gold bestäubte Schokoladen-Oscars.

Frank Petzold, der mit seinem Team für „Visuelle Effekte“ nominiert, aber leer ausgegangen war, hält grinsend seinen essbaren Oscar hoch. Er kommt gerade vom Governors-Ball, nun geht es weiter zur Party im Hotel, vom Streamingriesen Netflix ausgerichtet. Petzold zieht Bilanz - „vier Oscars, das ist doch ein schöner Haufen Blech für uns“. Vor allem wenn man noch die sieben britischen Filmpreise Baftas kürzlich in London dazurechnet.

„Die Stimmung war toll, war irre. Wir haben uns wie ein Fußballverein gefreut“, blickt der Spezialeffekte-Künstler auf die Oscar-Nacht zurück. Mit über 40 Leuten, darunter auch die Schauspieler Daniel Brühl, Felix Kammerer und Albrecht Schuch, zeigt das Film-Team bei der Gala große Präsenz.

Mehr Sichtbarkeit

Berger erhofft sich von dem Rampenlicht bei den Oscars nun einen weiteren „Push“ für deutschsprachige Filme. Er glaube, dass deutsche Filmschaffende einen gewissen Minderwertigkeitskomplex hätten.

Es werde als kleineres Land mit weniger Stars und weniger Sichtbarkeit empfunden, verglichen mit England oder den USA, sagt der Regisseur hinter den Kulissen vor Reportern. „Ich hoffe, dies gibt mir und einigen anderen etwas mehr Selbstvertrauen, zu sagen, 'Lasst uns unsere Filme machen'“. Den Oscar hat er dabei fest im Griff.