Film

Schauspieler Michael Fassbender rockt in "Frank"

Foto: Jonathan Hession/Weltkino Filmverleih

Hollywoodstar Michael Fassbender ist in "Frank" nicht wiederzuerkennen. In dem schrägen Musikfilm spielt er den Frontmann einer Rockband, der sich unter einem Pappmaché-Kopf versteckt.

Los Angeles. Der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender ist extrem wandelbar: In der Comicverfilmung "300" war er ein muskulöser Krieger, für "Hunger" speckte er rund 20 Kilogramm ab. Als Sexbesessener legte er in "Shame" Seele und Körper bar, nun verhüllt er in "Frank" sein Gesicht.

In der vielleicht schrägsten Rolle seiner bisherigen Karriere zeigt sich der 38-Jährige Fassbender mit starren, weit aufgerissenen Augen in einem übergroßen Kopf aus Pappmaché. Als Frank, einem exzentrischen Musiker und buchstäblich der Kopf einer obskuren Indie-Rockband, legt er die ballonartige Maske nie ab. Ob beim Duschen, Essen, Proben oder bei Live-Auftritten - der Kopf aus Pappe ist immer auf den Schultern. Bis fast zum Ende der Komödie "Frank" muss man sich gedulden, bis Frank kurz sein wahres Gesicht zeigt.

Seine Bandmitglieder, darunter die taffe Clara, gespielt von Maggie Gyllenhaal, haben sich mit der Papp-Fassade längst abgefunden. Auch sie wissen nicht, wie der mysteriöse Musiker aussieht. Nur der neue, rotgelockte Keyboarder Jon, der zufällig zu der Gruppe stößt und von einer großen Karriere träumt, fragt sich, was in diesem Kopf vorgeht.

Als Zuschauer gibt man die Sinnsuche besser gleich auf und lässt sich auf die skurrile Musik, auf seltsam berührende Szenen und komisch-schräge Dialoge ein. "Frank" spielt zunächst in einer einsamen Hütte in Irland, wo die Band monatelang versucht, ein Album aufzunehmen.

"Frank, du solltest berühmt sein", sagt Band-Neuling Jon in einer Szene mit unverhohlener Bewunderung. Frank, der mit seinem starren, aufgemalten Papp-Gesicht nichts ausdrücken kann, beschreibt seine Gefühle: "Dankbares Grinsen gefolgt von verlegenem Lächeln", ist seine Antwort. Clara funkt Frank wütend an: "Hör auf, deine Mimik zu beschreiben. Das nervt total!".

Die Geschichte des Außenseiters Frank ist bizarr, aber nicht frei erfunden. Drehbuchautor Jon Ronson, der zuvor die Vorlage für die Filmsatire "Männer, die auf Ziegen starren" lieferte, schreibt aus eigener Erfahrung: Ende der 1980er Jahre war er kurze Zeit Keyboarder bei der Band des britischen Musikers und Komikers Chris Sievey (1955 - 2010), der unter dem Namen Frank Sidebottom tatsächlich mit einer Pappmaché-Maske auftrat.

Der irische Regisseur Lenny Abrahamson schickt die schrägen Charaktere auf eine Gratwanderung zwischen Komik und Tragik. Es ist eine Hommage an Individualität und Indie-Rock. Es gibt Szenen zum Lachen, aber Abrahamson macht sich nie über seine Figuren lustig.

Auf das Gesicht von Michael Fassbender muss man in "Frank" weitgehend verzichten, nicht aber auf seine faszinierende Körpersprache und seine Stimme. Die Tragikomödie kommt in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln in die Kinos.