Kinostart 14.2.2013

„Quellen des Lebens“: Bilder aus der Bonner Republik

Ein dreistündiges Epos, ein Panoptikum der westdeutschen Gesellschaft zwischen 1949 und dem Ende der 70er-Jahre, das berührt und amüsiert.

Ein westdeutsches Panoptikum von 1949 bis in die späten 70er-Jahre: Das ist Oskar Roehlers neuer Film "Quellen des Lebens", sein bislang wohl ambitioniertestes Werk. Ein dreistündiges Epos, das berührt und amüsiert. Es ist eine Entwicklungsgeschichte, die zum Glück darauf verzichtet, historische "Tagesschau"-Momente einzubetten, wie es schlechtere TV- oder Kinoproduktionen bestimmt tun würden. Roehlers Reise durch drei Jahrzehnte funktioniert als Generationen- und Gesellschaftsporträt einer untergegangenen Welt: der Bonner Republik.

Regisseur Roehler zeigt ein Personen-Panorama in Stadt und Land: in Unterfranken, aber auch Nürnberg sowie in West-Berlin geht es um einen Russlandheimkehrer und Alt-Nazi, Trümmerfrauen, Trinker, Kommunistenhasser und 68er-Revoluzzer, scheiternde Künstler und versagende Eltern.

Erzählt wird - stark stilisiert - die Lebensgeschichte von Oskar Roehler selbst. Der heute 54-Jährige ist der Sohn der Schriftstellerin Gisela Elsner (1937-1992) und des Lektors Klaus Roehler (1929-2000). Im Film heißt er Robert und agiert schon vor seiner Geburt als Erzähler.

Der Film zeige "ein Westdeutschland, das es so nicht mehr gibt", sagt Roehler - mit Schreibmaschinen, Gartenzwerg-Idylle und dem Sehnsuchtsland Italien. Grundlage ist Roehlers autobiografischer Roman "Herkunft". Als Roehler drei Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. Seine Retter wurden die Großeltern. Deren vier Rollen sind bester Stoff für Schauspieler: Margarita Broich begeistert als trinkende Nürnberger Villenbewohnerin, Thomas Heinze als konservativer Großbürger, Meret Becker und Jürgen Vogel übertreffen sich selbst als das andere Großelternpaar, Gartenzwergfabrikanten in der Provinz.

Lavinia Wilson schlägt sich wacker, spielt sie doch als herzlose Mutter Gisela gegen Hannelore Elsner an, die diese Rolle glänzend in Roehlers "Die Unberührbare" (2000) darstellte. Moritz Bleibtreu verkörpert als Roberts Vater gekonnt einen Niedergang: vom sich verliebenden Sympathieträger wird er zu einem selbstgerechten Ekelpaket, das der Zuschauer hassen muss, so wie er hier seinen Sohn quält.

Bewertung: empfehlenswert

"Quellen des Lebens" D 2012, 173 Min., ab 12 J., R: Oskar Roehler, D: Jürgen Vogel, Meret Becker, Moritz Bleibtreu, täglich im Abaton, Koralle-Kino, Passage, Zeise; www.quellendeslebens.x-verleih.de